«Die Europaallee ist unterbewertet»

Für Galeristin Frédérique Hutter ist das Quietschen der Trams der Soundtrack der Stadt.

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Jede Woche beantworten Personen, die Zürich prägen, unseren Fragebogen und verraten uns, was die Stadt für sie ausmacht. Heute: Galeristin Frédérique Hutter.

Zu welcher Uhrzeit ist Zürich am schönsten?
Im Herbst in der Abenddämmerung, weil dann der Himmel orange bis pink gefärbt sein kann. Und im Hochsommer frühmorgens, wenn die Temperatur noch angenehm kühl ist.

Wo treffen Sie Freunde am liebsten?
In der Bar der Kronenhalle, wo man sich gut unterhalten kann, da keine störende Musik im Hintergrund läuft.

Finden Sie den Zürichsee auch doof?
Wieso soll der Zürichsee doof sein?

Welche Ecke Zürichs ist ­überbewertet?
Ich würde eher meinen, dass gewisse Ecken im Moment noch unterbewertet sind, wie zum Beispiel die Europaallee.

Welche Zürcher Künstlerin halten Sie für unterschätzt?
Martina von Meyenburg. Sie musste, wie viele andere auch, erst Zürich verlassen und im Ausland Erfolge feiern, um dann in ihrer Heimatstadt die Anerkennung zu bekommen.

Welche Ausstellung ist Ihnen in Erinnerung geblieben?
Kürzlich habe ich «Anatomies of Desire» mit Werken von Pablo Picasso und Louise Bourgeoise bei Hauser & Wirth gesehen: eine museale Ausstellung in einer privaten Galerie.

Funktioniert Zürich auch ohne Geld?
Ja. Solange es noch Galerien gibt – leider lässt man sie in dieser Stadt aussterben –, kann man gratis Kultur geniessen. Zudem gibt es praktisch jeden Abend einen Kunstanlass, an dem grosszügig Getränke und oft auch Essen offeriert werden.

Sie können Ihr Leben lang nur noch in einer Zürcher Beiz essen: In welche gehen Sie?
Oh, wie langweilig das wäre! Aber wenn, dann im Restaurant Kronenhalle. Weil: Da wäre ich täglich von guter Kunst umgeben und hätte Abwechslung im Beobachten und Antreffen von internationalem und bekanntem Publikum.

Mein perfekter Abend

Apéro
– Absinth mit Freunden am Brunnen vor meinem Haus in der Altstadt, ca. 5 Franken

Nachtessen
– Daniela Chemelli, meine Freundin und Starköchin, bei mir zu Hause kochen lassen, Preis auf Anfrage
– Dazu eine Flasche Rotwein, Châteauneuf-du-Pape, ca. 50 Franken

Kultur
– «Ballett für alle» auf dem Sechseläutenplatz, gratis

Ausgaben total:
ca. 150 Franken

Welches ist Ihr Züri-Soundtrack?
Das Quietschen der Trams.

Mit welchem Zürcher – tot oder lebendig – würden Sie gerne eine Nacht verbringen?
Mit Martin Suter, wenn er noch Stephan Eicher mitbringt und ich noch eine Freundin. Die beiden sollen uns aus ihrem «Songbook» vorsingen und lesen, wir organisieren den süffigen Wein.

Wo trinken Sie am Wochenende Ihren Kaffee?
Im Café Monocle im Seefeld, weil die Zeitungsauswahl gross ist.

Welches Hintergrundbild ist auf Ihrem Smartphone zu sehen?
Eine filigrane Skulptur von Louise Bourgeois.

Welches ist der Geruch Ihrer Kindheit?
Eine Mischung aus den Parfümen «Vetiver» von Guerlain, «Eau Sauvage» von Dior und dem Geruch von gebohnertem Schulzimmerboden, kombiniert mit frisch gemähtem Rasen.

Wann haben Sie das letzte Mal geweint?
Anfang Jahr im indischen Kerala, als ich mich von den HIV-infizierten Waisenkindern verabschieden musste. Ich habe als Botschafterin der Sanni-Foundation zwei Monate dort gelebt und Kunstworkshops mit ihnen durchgeführt.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?
Dass ich in Zürich im Tram sitze und die Leute ein dankbares Lächeln auf dem Gesicht haben.


Die Galeristin Frédérique Hutter gründete 2008 die Galerie Katz, die 2018 schloss. Dieses Jahr hat Hutter, die seit 27 Jahren in Zürich wohnt, ­«Frédérique Hutter Art Concept» gegründet: Die 47-Jährige kuratiert unter anderem temporäre Ausstellungen an verschiedenen Orten. Als Auftakt zeigt Hutter am 25. Oktober an der Bodmer­strasse 8 Arbeiten von Martina von Meyenburg.

Erstellt: 21.10.2019, 07:00 Uhr

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