Die Fakten zum Zürcher Tunnel müssen auf den Tisch

Ein geleaktes Protokoll zur Rosengartenvorlage sorgt für Irritation. Dagegen hilft vor allem eines: Transparenz.

Wie viel Verkehrs wird es denn jetzt sein? Blick von der Rosengartenstrasse auf die Hardbrücke. Foto: Urs Jaudas

Wie viel Verkehrs wird es denn jetzt sein? Blick von der Rosengartenstrasse auf die Hardbrücke. Foto: Urs Jaudas

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie man die Sätze auch dreht und wendet, sie wollen einfach nicht zusammenpassen. In der Abstimmungszeitung zur Rosengarten­vorlage heisst es ausdrücklich, der neue Tunnel in Wipkingen solle auf der Strasse nicht zu Mehrverkehr führen, es bleibe bei 56'000 Fahrzeugen pro Tag: «Somit bleibt die heutige Kapazität erhalten, wird aber nicht ausgebaut.»

Das war auch schon die Linie der Regierung, als sie 2016 die Vorlage ins kantonale Parlament brachte: «Die Kapazität soll auf dem heutigen Stand erhalten werden», hiess es damals.

Nun ist aber ein Protokoll einer Sitzung einer Kantonsratskommission aufgetaucht, in dem der Chef des Verkehrsamts hinter verschlossenen Türen etwas anderes sagt: «Angestrebt mit diesem Projekt wird, im Strassenverkehr und im öffentlichen Verkehr mehr Kapazität anzubieten.» (Zum Bericht)

Das Stimmvolk möchte richtig informiert werden

Wer die beiden Papiere nebeneinanderlegt, bleibt ratlos zurück: Was denn nun? Mehr Kapazität oder nicht? Die Antwort auf diese Frage ist für die Milliarden-Abstimmung essenziell. Das Argument, der Autoverkehr am Rosengarten werde nicht zunehmen, ist eines der stärksten der Befürworter. Die Frage ist nun: Was ist dieses Argument wert, wenn es der zuständige Chefbeamte unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu entkräften scheint?

Die Volkswirtschaftsdirektion sagt heute: Ja, die Gesamtkapazität wachse, aber Velo, Fussgänger und vor allem ÖV würden die Zunahme abdecken. Der Autoverkehr bleibe gedeckelt. Nur: Das entspricht nicht dem Wortlaut des Protokolls, dort ist ausdrücklich auch von Autoverkehr-Kapazität die Rede. Damit bleiben Fragen offen – keine gute Ausgangslage für den nahenden Urnengang, viele Stimmbürger sind noch unentschlossen.

Die Irritation lässt sich entschärfen, indem man die Fakten auf den Tisch legt. Indem Regierungsrätin Carmen Walker Späh und ihr Amtschef den Widerspruch konkret adressieren und erklären, wie das mit der «angebotenen Mehrkapazität» gemeint ist. Das Stimmvolk hat höchstes Interesse daran, informiert zu werden, worüber es am 9. Februar genau abstimmt.

Erstellt: 28.01.2020, 22:46 Uhr

Artikel zum Thema

Rosengartenprojekt: Geheimpapier sät Zweifel an Autolimite

Kurz vor der Abstimmung wirft ein vertrauliches Dokument Fragen zu einem zentralen Punkt auf: Wie viele Autos sollen wirklich durch den Tunnel fahren? Mehr...

Braucht Zürich den Rosengartentunnel?

Pro & Kontra Die Abstimmung über Tunnel und Tram am Rosengarten ist umstritten. Die Gründe dafür und dagegen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kunst-Blumen: Zum Valentinstag schenkt Banksy der Stadt Bristol eine neues Werk. Das Blumen werfende Mädchen schmückt eine Wand im Stadtteil Barton Hill. (14. Februar 2020)
(Bild: Finnbarr Webster) Mehr...