Die Fischerstube erhält einen bekannten, aber leisen Pächter

Die Restaurants Commercio-Piccadilly AG übernimmt das geschichtsträchtige Lokal am Zürichhorn.

Auf der neuen Terrasse der Fischerstube soll auch weiterhin viel Fisch serviert werden.

Auf der neuen Terrasse der Fischerstube soll auch weiterhin viel Fisch serviert werden. Bild: PD/Stadt Zürich

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Gebaut ist die neue Fischerstube – heute: «Fischstube» – noch immer nicht. Aber wer sie ab Sommer 2021 betreiben soll, ist nun klar. Von den elf Bewerbern erhielt die Restaurants Commercio-Piccadilly AG den Zuschlag, wie die Stadt Zürich mitgeteilt hat. Sie überzeugte die Stadt mit einem Konzept, das sich an eine breite Bevölkerung richtet. CEO Nicolas von Graffenried sagt: «Das Lokal passt von der Lage und der Ausrichtung her hervorragend in unser Portfolio.»

Die Restaurants Commercio-Piccadilly AG betreibt derzeit sechs Lokale in der Innenstadt und an der Grenze zum Seefeld, darunter das Commercio, dem das Unternehmen seinen Namen verdankt. «Wir wissen, was es heisst, ein vielfältiges, städtisches Publikum zu bedienen», sagt Von Graffenried. Das Unternehmen tue dies, seiner Philosophie entsprechend, auf die eher leise und diskrete Weise, halte dabei die Qualität stetig hoch. Das soll auch am Rande der bevölkerten Blatterwiese nicht anders sein. Partygäste sind denn auch nicht das Zielpublikum des Lokals. Das Unternehmen will vielmehr respektvoll mit der Umgebung, der Fauna und Flora umgehen. Die neuen Betreiber haben einen Mietvertrag über fünf Jahre mit Option zur Verlängerung um weitere fünf Jahre unterschrieben.

Auch Rotaugen und Schleien im Menu

Die neue Betreiberin will dem Fisch auf der Speisekarte weiterhin viel Platz einräumen. Das Unternehmen hat vom Altstadtlokal Mère Catherine her Erfahrung in der Zubereitung von Süss- und Salzwasserfischen. Für Erstere will das Unternehmen mit einem lokalen Fischer zusammenarbeiten. Neben edlen Fischen sollen auch Rotauge oder Schleie serviert werden.

Daneben wird das Unternehmen lokale Spezialitäten anbieten. Auch die Weine sollen aus regionalen Produktionen stammen. Da sei man erfahren vom früheren Betrieb Bahnhof Stadelhofen her. Im Untergeschoss der Commihalle betreibt das Unternehmen zudem eine eigene Pastamanufaktur und eine Fabrikation für südländische Süsswaren.

Zusätzlich zu den bereits erwähnten Lokalen gehören auch das Collana auf dem Sechseläutenplatz sowie der Pepito Take Away und das Bistro Park Stadelhofen. Ab August kommt mit der Caffè-Bar «Cellini by Commercio» in der Europaallee das siebte Lokal hinzu.

Liebhaber von Studiofilmen

Neben der Gastronomie war dem Unternehmen auch von Anfang die Kultur wichtig. 1973 bauten die beiden Eisenwarenhändler Eugen und Walter Schoch das Commercio am Stadelhofen um. Sie wollten an der Adresse ein Lokal mit einer originalen und originellen Küche betreiben und dazu ein Kinoerlebnis bieten. Im hinteren Teil des Lokals bauten sie deshalb ein Kino – mit 47 Plätzen das kleinste der Schweiz. Daneben betrieb das Unternehmen im Commercio eine Galerie. Zugunsten eines grösseren Restaurants wurde sie 2011 aufgegeben.

Unter dem Label Arthouse betreibt das Unternehmen heute sieben Kinosäle, darunter mit dem Kino Uto, das 1927 seinen Betrieb aufnahm, das älteste noch bestehende Kino der Stadt. Zur Gruppe gehören auch das Alba, Le Paris, Movie und das Duplex-Kino Piccadilly, das aus der Verbindung von Commercio und Piccadilly entstanden ist. Von Graffenried, verheiratet mit der Tochter des einen Gründers, sagt: «Viele unserer Gäste verkehren auch in diesen Kinos.»

Er kann sich vorstellen, auch in der Fischerstube einen Teil des kulturellen Unternehmensgeistes einfliessen zu lassen. Der Neubau des Lokals wird ein Ganzjahresbetrieb sein. «Es ist gut möglich, dass wir die Räume in den Wintermonaten kulturell bespielen», sagt von Graffenried. Ein genaues Konzept will er bis zur Eröffnung in zwei Jahren ausarbeiten.

Baubeginn im Herbst

Die Fischerstube war eines der Wahrzeichen der Landesausstellung (Landi) von 1939: ein Restaurant auf Pfählen im See beim Zürichhorn, ergänzt durch die in gleicher Bauweise erstellte kleinere Fischerhütte. 1940 kam ein Gartenbuffet dazu. 1957 wurde die Fischerstube nach einem Brand in gleicher Form, aber mit anderen Materialien wieder aufgebaut, die vom Feuer verschonte Fischerhütte ist teilweise noch im Originalzustand erhalten. Das Gartenbuffet wurde 1978 in der heutigen Form ausgebaut.

Nun sollen alle Gebäude für 18,6 Millionen Franken durch Neubauten des Berner Architekturbüros Patrick Thurston ersetzt werden. Die neue Fischerstube wird über rund 290 Plätze verfügen, 178 davon auf der Seeterrasse und der Veranda. Baubeginn ist im vierten Quartal des laufenden Jahres. Bis dahin wirtet weiterhin das Team um TV-Koch Erik Haemmerli in der Fischstube.

Erstellt: 04.07.2019, 13:36 Uhr

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