Die Frau in Zimmer 237

Die Zürcherin Lia Beldam spielte eine kleine, aber wichtige Rolle in Stanley Kubricks Horrorklassiker «Shining». Rückblick auf eine gruselige Szene.

Das verführerische Gespenst im grünen Bad: Schauspielerin Lia Beldam im Film «Shining». Bild: Screenshot

Das verführerische Gespenst im grünen Bad: Schauspielerin Lia Beldam im Film «Shining». Bild: Screenshot

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Hier ist Johnny!», ruft Jack, als er sein Gesicht durch das Loch in der Tür zwängt, die er mit einer Axt zerschlagen hat. 127-mal soll Stanley Kubrick diese legendäre Filmszene mit Jack Nicholson gedreht haben, bis sie passte.

Der Horrorfilm «The Shining», der 1980 erstmals über die Leinwand flimmerte und dessen Fortsetzung, «Doctor Sleep», bald in die Kinos kommt, erzählt die Geschichte von Jack Torrance. Der Schriftsteller verbringt mit seiner Familie als Hausverwalter einen Winter im Overlook-Hotel in den Bergen Colorados und wird dort zum Mörder. Für offene Münder bei den Zuschauern sorgte die Szene in Zimmer 237 mit Lia Beldam aus Zürich. Sie spielte in «The Shining» ein verführerisches Gespenst und drehte mit Jack Nicholson einen erotischen Kuss.

Junge Frau – alter Geist

Im Zimmer 237 des Overlook-Hotels. Die Erleichterung ob des erregenden Anblicks steht Jack Torrance ins Gesicht geschrieben, als er sieht, wie eine junge Frau hüllenlos aus der Badewanne steigt und auf ihn zukommt. Sie hält seinen Blick für einen langen Moment, ehe sie ihre Arme um seine Schultern legt und ihn innig küsst. Als Jack in dem intimen Moment seine Augen öffnet und in den Spiegel sieht, hält er dort den verwesenden Körper einer alten Frau in den Armen.

«Die junge Frau, die ich in dieser Filmszene spielte, verkörpert einen alten Geist, der im Overlook-Hotel sein Unwesen treibt. Im Gegensatz zu anderen Gespenstern des Hauses fügt er Jack und seinem Sohn sichtbaren Schaden zu», sagt Lia Beldam.

Erfolgreich beim Casting

«Damals arbeitete ich als Fotomodell in London und hatte ein Casting für die Ballsaalszene. In meiner Bewerbungsmappe hatte ich hinten einige Nacktfotos, die ich für eine Bodylotion-Werbung gemacht hatte. Als die Person, die mit mir das Vorstellungsgespräch führte, die Fotos sah, entschied sie sich prompt, mich in Zimmer 237 in Szene zu setzen», erzählt Lia Beldam.

Von Regisseur Stanley Kubrick, der bereits mit «2001: A Space Odyssey» (1968) und «A Clockwork Orange» (1971) grosses Kino gemacht hatte, hatte sie zuvor kaum etwas gehört, und sie hatte nur einen oder zwei Filme mit Jack Nicholson gesehen, gesteht Beldam. Sie wurde in Uster als Alma Cornelia Tanner geboren. Von ihrem Ehemann George Beldam übernahm sie nicht nur den Nachnamen, er nannte sie auch Lia wegen der letzten drei Buchstaben ihres zweiten Vornamens.

Lia Beldam, fast vier Jahrzehnte nach «Shining». Foto: PD

«Wir drehten die Badezimmerszene im Verlauf einer ganzen Woche», erinnert sich Beldam an die Dreharbeiten in den Elstree-Studios in Hertfordshire, im Speckgürtel Londons. «Wer Stanley Kubrick kennt, weiss, dass er Aufnahmen in all seinen Filmen etliche Male wiederholte.» Zu den Dreharbeiten sei sie mit einer herrlichen schwarzen Limousine chauffiert worden, sagt die gebürtige Schweizerin, die heute in London lebt. Ihre Heimat Zürich verliess sie als 20-Jährige wegen ihres englischen Verlobten.

Die Atmosphäre am Filmset hat Beldam heute noch gut in Erinnerung. Alle seien freundlich und respektvoll mit ihr umgegangen. Manchmal habe ihr Kubrick seinen Regiestuhl angeboten, damit sie sich für ein paar Minuten setzen konnte, wenn die Beleuchtung angepasst werden musste, so Beldam. «Um mich kümmerte sich eine wunderbare Frau, die immer mit einem flauschigen Bademantel bereitstand», sagt sie schmunzelnd. Über ihre Gage und ihr Alter hüllt sie sich indes in Schweigen.

Buch in Zermatt gelesen

Den gleichnamigen Roman von Stephen King aus dem Jahr 1977, den Stanley Kubrick als Schablone für «The Shining» nutzte, habe sie erst nach der Veröffentlichung des Films gelesen, im Schnee während eines Skiurlaubs in Zermatt, so Lia Beldam. Sie besucht immer noch oft ihre Familie in der Schweiz.

Ihren Lebensunterhalt verdient sich Beldam, die in ihrer Freizeit Tontöpfe fertigt und bemalt, heute auch mit dem Signieren von Fotos auf Filmconventions. «Ich liebe den ganzen Film und vor allem meine Szene», sagt sie. Ob Jack Nicholson ein guter Küsser ist? Das überlässt Lia Beldam der Fantasie der Zuschauer.

«Doctor Sleep», Fortsetzung von «Shining», ab 21. November in den Zürcher Kinos.

Erstellt: 05.11.2019, 18:00 Uhr

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Blogs

Sweet Home Machen wir es uns doch einfach schöner!

Geldblog Zurich unterstreicht Wachstumsambitionen

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...