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Diese Zürcher Limmatbrücke wird abgerissen

Warum der Übergang beim Rathaus weg muss, wie viel das kostet und wann der Neubau fertig sein soll.

Die 1972 erbaute Brücke soll 2022 durch einen Neubau ersetzt werden. Das Bauwerk in der Limmat ist renovationsbedürftig und steht dem Hochwasserschutz im Weg.
Die 1972 erbaute Brücke soll 2022 durch einen Neubau ersetzt werden. Das Bauwerk in der Limmat ist renovationsbedürftig und steht dem Hochwasserschutz im Weg.
Reto Oeschger
Picknickplatz mit Aussicht: Passanten und Touristen mittags auf der Rathausbrücke.
Picknickplatz mit Aussicht: Passanten und Touristen mittags auf der Rathausbrücke.
Reto Oeschger
Das westliche Ende der Rathausbrücke am Ende des 15. Jahrhunderts in einer Darstellung von Hans Leu dem Älteren.
Das westliche Ende der Rathausbrücke am Ende des 15. Jahrhunderts in einer Darstellung von Hans Leu dem Älteren.
Roland Fischer / Baugeschichtliches Archiv der Sta
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Einen Schönheitspreis dürfte sie von den wenigsten erhalten: die eher klobig wirkende Gemüsebrücke, wie die Rathausbrücke im Volksmund heisst – wegen des Gemüsemarkts, der einst auf ihr stattfand. Der graue Betonbau von 1972 gilt vielen als Schandfleck. Andere sehen in der Brücke über die Limmat allerdings auch Vorzüge, weil sie viel Platz und Weite bietet sowie autofrei ist.

Jetzt sind ihre Tage gezählt. Die Platte über der Limmat ist seit längerem renovationsbedürftig. Nun will die Stadt einen Schlussstrich ziehen: «Die Brücke kann nicht bloss saniert werden, sie muss abgebrochen und durch eine neue ersetzt werden», bestätigt Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger (FDP). Vorausgegangen waren längere Abklärungen über Sanierung oder Ersatz, welche Stadt und Kanton vor genau zwei Jahren in Angriff genommen hatten.

Die Oberkonstruktion der Brücke ist laut Leutenegger sehr in die Jahre gekommen, und zur Erhöhung der Durchflusskapazität bei Hochwasser seien zwingend Anpassungen an der Pfeilerkonstruktion notwendig. «Dies erfordert den Ersatzneubau der Unterkonstruktion und somit der gesamten Brücke.» Hintergrund: Für den Hochwasserschutz ergreift der Kanton Massnahmen, um Sihlwasser in den See abzuleiten. Zum Ausgleich des Seepegels muss das Seewasser ungehindert in die Limmat abfliessen. Laut Leutenegger haben Analysen des kantonalen Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) gezeigt, dass es zur Erhöhung der Durchflusskapazität bei Hochwasser Anpassungen an der Rathausbrücke braucht. Wie diese Anforderung erfüllt wird, ist Sache des städtischen Tiefbauamts als Eigentümer und Bauherr. «Das Tiefbauamt hat nach Analyse der Gegebenheiten und der Anforderungen festgestellt, dass ein Ersatzbau unumgänglich ist.»

Baubeginn 2022

Derzeit wird das Nutzungskonzept für die neue Brücke erarbeitet. Dieses beinhaltet auch den künftigen Platzgrundriss. «Wir holen Meinungen und Ideen der Eigentümerinnen und Eigentümer der anstossenden Grundstücke sowie der involvierten Ämter ein», so Leuten­egger. Sobald das Nutzungskonzept vorliegt, geht es 2018/2019 an die Planung der Platzgestaltung und der neuen Brücke. Bis 2020/21 läuft die Projektierung einschliesslich Bewilligungsprozess und Bauausschreibung. Der Baubeginn ist ab 2022 geplant, die Bauzeit soll zwei bis drei Jahre dauern.

Gemäss ersten Schätzungen wird der Brückenneubau um die 20 Millionen Franken kosten. Noch offen ist, ob der Neubaukredit vor das Stadtparlament kommt. Vor dieses kommen Objektkredite von über 2 Millionen Franken. Wie hoch der Anteil des Objektkredits am Gesamtkredit ist, wisse man frühestens, wenn ein Vorprojekt ausgearbeitet ist, sagt Leutenegger.

«Da lässt sich mehr herausholen»

Im Quartier weckt der angekündigte Neubau Hoffnungen. «Es ist kein Weltuntergang, wenn die jetzige Brücke verschwindet», meint Peter Rothenhäusler, Präsident des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat. Er verspricht sich Verbesserungen, die jetzige Situation sei nicht optimal. Dass die Stadt für den 10. Juli zu einem runden Tisch lädt und das Quartier bei dem Projekt miteinbeziehen will, sei erfreulich.

Auch Christian Brugger, Präsident der Geschäftsvereinigung Limmatquai-­Dörfli, hält die bestehende Brücke für «keine Augenweide». Allerdings habe man sich an sie gewöhnt. Brugger ist überzeugt, dass sich dort ein Bau realisieren lässt, der zur Attraktivitätssteigerung der Altstadt beiträgt und die Quartiere links und rechts der Limmat stärker verbindet. «An diesem Ort lässt sich mehr herausholen», ist Brugger überzeugt. Auch der Unternehmer Beat Curti, dem im Niederdorf mehre Häuser gehören, hatte sich letzte Woche in der NZZ für eine besser gestaltete Gemüsebrücke starkgemacht. «Diese Brücke hat Potenzial. Sie könnte die Bahnhofstrasse mit dem Niederdorf und weiter mit den Hochschulen und dem Kunsthaus verbinden. Diese Achse ist interessant und wird heute vernachlässigt», sagte Curti.

Ungeliebte «Eierkartons»

Die jetzige Rathausbrücke des Architekten Manuel Pauli ersetzte die auf gusseisernen Säulen ruhende Brücke aus dem Jahr 1881. Diese war baufällig geworden. Der Neubau von 1972 kostete 4,5 Millionen. Während des Baus verband eine Notbrücke den Weinplatz mit dem Limmatquai. Nach der Eröffnung löste die Brücke hitzige Diskussionen aus. Umstritten waren nicht nur die eher grobe Form, sondern auch die Aufbauten, im Volksmund «Eierkartons» genannt. Das Zeltdach wurde nach wenigen Jahren auf Geheiss des Regierungsrats entfernt. Ende der 90er-Jahre wälzte die Stadt Pläne für einen Totalumbau, doch stellte sie diesen 2002 wegen der Kosten von 6,5 Millionen Franken zurück.

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