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Die Gokart-Gang ist eine Fälschung

Es gibt keinen neuen Underground-Trend: Zwei Studenten haben Zürich für ihre Bachelorarbeit an der Nase herumgeführt. Nun droht ihnen eine Busse.

Talfahrt am Zürichberg: Schauspieler rasen mit Gokarts in die Radarfalle.

Die Geschichte der Gokart-Fahrer, die sich mit Seilen ans Tram hängen und sich so den Zürichberg hochziehen lassen, beschäftigte im Mai die Medien. Die Polizei warnte vor den Gefahren, die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) prüften eine Strafanzeige, TeleZüri filmte am Ort des Geschehens, «Blick», «20 Minuten», Redaktion Tamedia, ja sogar der deutsche «Spiegel» berichteten.

Nun ist klar: Die Geschichte ist zu gut, um wahr zu sein. Zwei Studenten der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) haben die Gokart-Gang für ihre Bachelorarbeit in der Studienrichtung Cast / Audiovisuelle Medien erfunden. Am Donnerstagabend klärten Michael Schwendinger (25) und Alun Meyerhans (26) die Medien darüber auf, auf ihrem Youtube-Kanal haben sie ein Video ihrer Fallstudie veröffentlicht.

Bild: Nicolas Büchi/ZHdK.
Bild: Nicolas Büchi/ZHdK.

Das Echo wurde ihnen unheimlich

Das grosse mediale Echo sei ihnen fast etwas unheimlich geworden, sagen die beiden im Interview mit dem Onlineportal Watson. Die Studenten selbst fahren keine Gokarts, für die Youtube-Videos engagierten sie Schauspieler. Zwei Wochen lang dauerte der Dreh. «Die Kinder-Gokarts fahren höchstens 20 km/h, oben und unten standen Leute Wache und warnten per Walkie-Talkie vor Autos», sagt Schwendinger.

Die Studenten streuten die Videos gezielt an Auffahrt. «Wir haben bewusst an einem Feiertag damit begonnen, weil es dann wenig News gibt», sagt Schwendinger. Die beiden schrieben Redaktionen an, fälschten Leserreporter-Videos, erfanden die Kunstfigur Luis Lienhard. Mehrere Monate im Voraus bespielten sie sein Facebook-Profil, befreundeten ihn mit hippen Zürchern und liessen ihn dann behaupten, er dürfe die Gokart-Gang als Filmemacher begleiten.

Auf Youtube stellen die beiden Studenten ihr Projekt vor.

Einen urbanen Mythos zu kreieren und medial zu verbreiten, war die Absicht der Studenten. Sie wollten Zürich damit einen Spiegel vorhalten. «Das Phänomen Fomo steht in unserer Arbeit im Zentrum. Fomo ist eine Abkürzung für Fear of Missing Out, also die Angst, Happenings zu verpassen – das neue Pop-up-Restaurant, die Vernissage, die beste Party, die coolste Gästeliste», sagt Meyerhans.

Viele glaubten es

Und Zürich glaubte dem Hype, von den Medien bis zu den Abenteuerlustigen. Rund 80 Zürcherinnen und Zürcher hatten sich für ein Gokart-Massenrennen am 10. Juni angemeldet – dieses haben die Filmstudenten im Zuge der Enthüllung ihrer Fälschung abgesagt.

Die Filmstudenten wollen mit ihrer Aktion zum Nachdenken anregen. Laut Meyerhans sollten sich die Getäuschten jetzt folgende Fragen stellen: «Die Medien, wie sie mit gefälschten Videos und Bildern umgehen sollen. Die Konsumenten, was sie eigentlich von Medien erwarten, und die Menschen, inwiefern sie die Angst umtreibt, etwas zu verpassen.»

Doch der Aufruf zur kritischen Selbstreflexion perlt an den meisten Onlinemedien ab. Sie berichten lieber über die Busse, die den Künstlern droht. Der Hintergrund: Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) haben vor zwei Wochen einen Strafantrag gestellt. «Die Aktion war dumm und gefährlich, und wir werden das auf keinen Fall tolerieren. Auch wenn es nur ein paar Meter waren», sagt Sprecher Andreas Uhl zum Blick. Man sehe auf den Videoaufnahmen klar, dass sich zwei Personen von einem Tram ziehen lassen. Das sei keine Fälschung.

Dass die Gokarts in den Videos an die Trams angehängt sind, dementieren die beiden Studenten nicht. «Aber wir sind nicht selbst auf den Gokarts gesessen», betonen sie im Gespräch mit Redaktion Tamedia. Für die Szenen hätten sie Schauspieler engagiert, sagen die beiden. Bei den Dreharbeiten seien weder Menschen noch Sachen zu Schaden gekommen. Wenn die Aktion für sie dennoch strafrechtliche Konsequenzen hätte, würden sie diese tragen.

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