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In der Nacht auf heute Montag ist im Zürcher Hauptbahnhof die riesige Anzeigetafel demontiert worden. Sie wird durch einen noch grösseren, 19 Meter breiten LED-Bildschirm ersetzt.

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Die Pendler fühlen am Montagmorgen die Leere in der Bahnhalle, die Touristen sind verunsichert. Nach 27 Jahren anfangs treuem Dienst und immer häufigerem Buchstabensalat ist der Generalanzeiger in der Haupthalle des Zürcher Hauptbahnhofs in der letzten Nacht demontiert worden. Fallblattanzeiger hiess die 13,6 Meter grosse und sechs Tonnen schwere Anzeigewand, die Millionen von Touristen mehr oder weniger zuverlässig auf die Züge begleitet hat.

Der Anzeiger hat ausgeraschelt

In den letzten Jahren allerdings fuhr hin und wieder eine S-Bahn nach Milano Centrale, oder es gab ein Gleis 99. Die dünnen Kunststoffblätter klebten bei Feuchtigkeit oder Kälte aneinander und kreierten eigene Fahrplananzeigen. Und so zeigte am Sonntagabend um 19 Uhr der Anzeiger der Tafel die Botschaft «Vielen Dank und auf Wiedersehen». Um 19.40 Uhr raschelten die Tausende von Fallblättchen zum letzten Mal. Die über 100 Schrittmotörchen, welche die je bis zu 80 Blätter fassenden Rollen antrieben, verstummten. Und die Wand zeigte nur noch Blau.

Um 22 Uhr begann eine Armada von hydraulischen Fahrzeugen, die zum Teil an Mondlandefähren erinnerten, mit der Demontage: Zwei je 20 Tonnen schwere Kräne, zwei Hebebühnen und vier Scherenbühnen. Die Kräne hoben den Anzeiger sorgfältig auf den Boden. Dort wurde er mit Zellophanfolie eingepackt und auf einen Tieflader verfrachtet. Um 1.30 Uhr verliess der Schwertransport die Bahnhofhalle.

Anzeiger wird zum Kunstobjekt

Der Anzeiger wird bis Januar in einer Halle in Schlieren eingelagert. Dann übernimmt das Museum of Digital Art im Hochhaus Migros Herdern den Anzeigeklassiker und lässt ihn durch Künstler umprogrammieren.

Damit die Pendler heute ihre Züge auch ohne Anzeiger finden, setzen die SBB Kundenlenker ein und montieren provisorische Kleinbildschirme in der Halle. In der Nacht auf Dienstag wird der um ein Drittel grössere und doppelt so schwere LED-Schirm montiert. Je 2,3 Millionen Pixel vorne und hinten verleihen ihm eine scharfe Auflösung.

Bloss das vertraute Rauschen wird den Pendlern fehlen. Und sie müssen sich daran gewöhnen, dass ein Viertel der Fläche für Werbung reserviert ist. Als Kompensation wird dafür am Dienstagmittag, wenn der Neue in Betrieb geht, der grosse Werbebildschirm auf der Seite des Bahnhofplatzes verschwinden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 19.10.2015, 07:51 Uhr)

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