Die Haltestelle, an der man nicht halten darf

Die neue Bushaltestelle am Zürcher Hegibachplatz wird derzeit nicht bedient. Grund sind mehrere Klagen von Anwohnern.

Als der Hegibachplatz noch die Endhaltestelle war.

Als der Hegibachplatz noch die Endhaltestelle war. Bild: Thomas Egli

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Noch vor kurzem war der Hegibachplatz für die Buslinie 31 ein wichtiger Knotenpunkt. Die Endhaltestelle, wo die einen Fahrgäste auf die Linie 33 oder die Forchbahn wechselten und die anderen einsteigen , um in die Innenstadt zu gelangen. Heute ist die Situation eine andere. Seit dem Fahrplanwechsel und der Verlängerung der 31er-Linie bis nach Witikon ist alles anders. Stadteinwärts wird die Haltestelle bis auf weiteres gar nicht mehr bedient.

Als Grund dafür nennt die App des ZVV einen ungewöhnlichen Grund: ein laufendes Rechtsmittelverfahren. Deshalb müssten die Busse der Linie 31 an der Haltestelle vorbeifahren. «Bitte benutzen sie die Haltestelle Signaustrasse», heisst es. Anders ausgedrückt: Eine Klage von Anwohnern hat die neue Haltestelle ausser Betrieb gesetzt.

«Für mich ist das eine Trölerei, eine Schikane», sagt Erik Eitle, Redaktor bei der Witiker Quartierzeitung. Er wusste schon lange vom Missmut einiger Anwohner der Hegibachstrasse, die der 31er seit der Streckenverlängerung vom letzten Winter kreuzt und wo auch die derzeit unbenutzte Haltestelle liegt. «Die Anwohner haben offenbar Angst, dass es vor ihrer Haustüre immer mehr Verkehr gibt», sagt Eitle. Bei ihm seien zahlreiche entsprechende Leserbriefe eingegangen. Es ging um Lärm, Verkehr, Sicherheit.

«Die jetzige Situation ist eine Katastrophe»

In der Bevölkerung rund um den Hegibachplatz sorgt der Nichtbetrieb der Bushaltestelle für einigen Unmut. «Die jetzige Situation ist eine Katastrophe», sagt Susi Lüssi, die Co-Präsidentin des Quartiervereins Hirslanden. Gerade für Leute, die am Hegibachplatz auf Bus oder Tram umsteigen müssten, sei das langfristig unbefriedigend. Vielen Witiker Eltern stösst zudem die Tatsache sauer auf, dass die Schüler nun nicht mehr bei ihrem Schulhaus aussteigen könnten, sondern eine Station weiter fahren müssten. «Es muss sich bald etwas ändern», sagt Lüssi.

Wie lange der Zustand andauern wird, darüber können die VBZ derzeit noch keine konkrete Auskunft geben. Verhandlungen mit den Rekurrenten laufen. Die VBZ wünschen sich eine baldige Einigung, sagt eine Sprecherin. Man sei bestrebt, mit allen Parteien eine Lösung zu finden. Man könne aber davon ausgehen, dass die derzeitige Situation mindestens noch ein paar Monate andauern werde. Abgeschlossen ist die Sache erst, wenn das Bundesamt für Verkehr eine Plangenehmigung erteilt.

«Die Haltestelle wird früher oder später so oder so in Betrieb genommen», sagt Eitle. Es gehe den Rekurrenten einzig noch darum, die Sache hinauszuzögern, «der VBZ in die Suppe zu spucken», wie er es nennt.

Witiker beschweren sich

Die neue Linie 31 hat seit Einführung im Dezember 2017 einen schweren Stand. Zwar ist das Randquartier Witikon seither zum ersten Mal in seiner Geschichte über eine direkte Busverbindung mit der Innenstadt verbunden. Doch beschweren sich seither auch viele Witiker darüber, dass der Bus oft stark verspätet sei. Das hängt an der Linienführung, mit der sie ebenfalls unzufrieden sind, da der Klusplatz, ein wichtiger Umsteigeplatz, nur noch peripher angefahren wird.

Eine Umfrage der lokalen FDP hat ergeben, dass sich 42 Prozent der Bevölkerung den ursprünglichen Busbetrieb, der von Witikon bis an den Klusplatz führte, wieder zurückwünschen. Auch eine alternative Linienführung des 31ers über den Römerhof ist Gesprächsthema unter den Witikern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.07.2018, 14:15 Uhr

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