Unter der Fluchthaube

Schutz & Rettung Zürich setzte jüngst ein Hilfsgerät ein, das vielleicht auch Ihnen einmal das Leben retten könnte. Tagesanzeiger.ch/Newsnet testete die aussergewöhnliche Haube.

Wie die Fluchthaube funktioniert: Ein Selbsttest bei Schutz und Rettung Zürich
Video: Video: Tina Fassbind / Schnitt: Vera Kluser

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Am vergangenen Dienstagabend um 19.20 Uhr mussten die Einsatzkräfte von Schutz & Rettung Zürich (SRZ) zu einem Mehrfamilienhaus im Kreis 2 ausrücken. Ein Beautysalon stand in Vollbrand und in dem Gebäude befanden sich noch Menschen. Drei Personen mussten die Berufsfeuerwehrleute evakuieren – eine davon mit einer sogenannten Fluchthaube. Diese speziellen Kappen mit integrierter Frischluftzufuhr und Sichtfenster kommen immer dann zum Einsatz, wenn jemand aus einer verrauchten Umgebung gerettet werden muss.

Im Brandfall vom besagten Dienstagabend war es eine Frau, die sich in einem Raum in den oberen Etagen des Gebäudes befand. «Ihre Wohnung war zwar noch rauchfrei, aber wir mussten sie durch ein Treppenhaus ins Freie bringen, das bereits voller Rauch war», erklärt SRZ-Mediensprecher Roland Portmann.

Überziehen und durchatmen

Die Bergung sei ohne Probleme verlaufen. Der Rettungsdienst konnte die Evakuierten vor Ort medizinisch betreuen. Verletzte gab es keine – wohl nicht zuletzt auch dank der Fluchthaube. «Rauch kann genauso tödlich sein wie das Feuer selbst. Deshalb tragen unsere Einsatzkräfte sogar bei geringster Rauchentwicklung Atemschutzgeräte», sagt Portmann.

Damit auch Personen, die gerettet werden müssen, rasch mit frischer Luft versorgt werden können, funktioniert die Fluchthaube sehr einfach. Schon beim Öffnen der versiegelten Geräte strömt frische Atemluft aus einer Druckluftflasche in die rauchdichte Kunststoffhaube. Diese wird dann so schnell wie möglich über den Kopf gestülpt – was gar nicht so einfach ist, denn die Öffnung aus elastischem Material ist relativ klein, damit die Haube später am Hals dicht abschliesst.

Ist die Kappe erst einmal auf dem Kopf, lässt es sich darin entspannt atmen. Ein Mundstück ist nicht nötig, man kann sogar problemlos mit den Umstehenden sprechen. Auch das flexible Sichtfenster ist gross genug, dass man die ganze Umgebung im Blickfeld halten und sich gut orientieren kann.

Fünf Kilogramm schweres Rettungsgerät

Es ist daher kaum verwunderlich, dass es bisher beim Einsatz dieser Fluchthauben noch nie Schwierigkeiten wegen Beklemmungs- oder Angstzuständen gab. Die meisten seien einfach nur froh, wieder normale Luft einatmen zu können, sagt Portmann. «Abgesehen davon lassen wir die Menschen bei einer solchen Rettungsaktion nie alleine. Mindestens einer von uns begleitet sie, bis sie in Sicherheit sind.» Der eine oder andere dürfte dabei auch froh sein, wenn die Rettungsleute beim Tragen des Geräts behilflich sind – samt Flasche wiegt es immerhin fünf Kilogramm.

Schutz & Rettung verfügt auf den Einsatzfahrzeugen in der Wache Süd an der Zürcher Weststrasse über 20 einsatzbereite Fluchthauben – Reserven oder Geräte in anderen Stützpunkten sind nicht mitgezählt. Ein vollständiges Gerät samt Druckluftflasche kostet rund 900 Franken. Wie oft die Einsatzkräfte bereits Personen mit Fluchthauben retten mussten, kann Portmann nicht sagen. Statistiken werden hierzu nicht geführt. «Es kommt aber eher selten vor, da wir zum Glück nicht sehr viele Brände haben, die eine Evakuierung von Personen nötig machen.»

Erstellt: 13.12.2016, 11:28 Uhr

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