«Die Kalkbreite ermutigte uns zur Radikalität»

Die Architektin Evelyn Enzmann hat den ungewöhnlichen Genossenschaftsbau an der Zollstrasse entworfen. Sie sagt, weshalb es über 100 Projekte gab und ihr Büro gewonnen hat.

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Von Ihrem Büro aus sehen Sie direkt auf das erste Projekt der Genossenschaft Kalkbreite. Wie stark hat Sie der Bau für Ihren Wettbewerbsbeitrag inspiriert?
Dass wir den Wettbewerb gewonnen haben und dabei immer unseren Auftraggeber im Auge hatten, ist ein netter Zufall. Aber die Genossenschaft Kalkbreite geht an der Zollstrasse nochmals einen Schritt weiter. Es ist ein mutiges Projekt.

Das heisst?
Das Wettbewerbsprogramm mit den Anforderungen war sehr umfassend. Im Haus an der Kalkbreite wurden schon neue Wohnformen gesucht und gebaut, für das Projekt an der Zollstrasse geht die Genossenschaft aber noch einen Schritt weiter. Das heisst, der Bau an der Kalkbreite hat uns zur Kompromisslosigkeit, zur Radikalität ermutigt. Wir mussten unterschiedlichste Anforderungen und Nutzungen unter einem Dach zusammenbringen – und das an einem sehr exponierten Standort. Das Entwerfen war teilweise mehr ein Forschen, ein Tüfteln.

Wo lag der Reiz des Projekts?
Es ist ein wichtiger Wettbewerb für Zürich: Eine alternative Genossenschaft verwirklicht an einem markanten Ort ein ungewöhnliches Konzept. Nach dem Toni-Areal ist es einer der wichtigen Wettbewerbe der letzten Jahre. Damit verbunden ist natürlich ein gewisses Prestige. Das zeigt auch das Interesse der Architekten: 200 haben die Unterlagen angefordert, mehr als 100 haben ein Projekt eingereicht.

Was war der Schlüssel zum Erfolg?
Wir haben versucht, die Ideen der Kalkbreite und die Anforderungen des Wettbewerbsprogramms in Architektur zu übersetzen. Wir suchten nach Antworten auf alle Fragen und Wünsche der Genossenschaft: Wie geht Zusammenleben? Wie funktioniert ein Quartier? Wo sind die Grenzen zwischen privat und öffentlich? Wie kommen die verschiedenen Nutzungen aneinander vorbei?

Gab es Situationen, in denen Sie am liebsten vor der Aufgabe kapitulieren wollten?
Im Gegenteil: Die komplexe Aufgabe weckte unseren Ehrgeiz. Um die Aufgabe überschaubar zu halten, haben wir das Projekt zuerst aufgeteilt. Ein Team befasste sich mit dem Städtebau, der Situation zwischen Quartier und Gleisfeld. Ein zweites versuchte, die Idee des Zusammenlebens, wie es sich die Genossenschaft vorstellt, in Grundrisse zu fassen. Wir fanden einen Weg, alles zusammenzufügen. Alles passte, alles ging auf. Wir hatten auch Glück.

Sie hatten Glück?
Ja, wir fanden die richtige Kombination. Es gibt so viele Abhängigkeiten, Bedingungen, Anforderungen. Da braucht es manchmal ein bisschen Glück.

Erstellt: 23.06.2015, 16:29 Uhr

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Evelyn Enzmann ist Gründerin und Partnerin von Enzmann Fischer Architekten in Zürich.

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