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«Es ist lange her, seit ich für eine Sache so eingestanden bin»

In Zürich sind weit über 10'000 Leute für das Klima auf die Strasse gegangen. Drei Erwachsene erzählen, warum sie sich den Jugendlichen angeschlossen haben.

«Leute vom Central bis zum Sihlquai»: Tausende demonstrieren in Zürich für Klimaschutz. (Video: Tamedia/Dominique Meienberg und Marc Chéhab)

Die La-Ola-Welle am Zürcher Central ist bezeichnend für die Kundgebung am Samstagnachmittag. Eine Minute lang ist es in der Innenstadt zuvor still gewesen. Grossväter, Gymnasiastinnen, junge Männer und Mütter mit Kindern waren am Boden gekauert und hatten geschwiegen – für jene, die bereits unter dem Klimawandel leiden. Danach standen sie von vorne her auf. Der Ruck war in diesem Moment für alle spür- und sichtbar. Dann skandierten alle zusammen: «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut.»

Ganz Zürich in Bewegung

Weit über 10'000 Personen waren am Samstag in Zürich dem Aufruf gefolgt, für mehr Klimaschutz auf die Strasse zu gehen. Tausende waren es auch in den 13 anderen Schweizer Städten, in denen gleichzeitig demonstriert wurde. In Lausanne demonstrierten gemäss Polizeiangaben 10'000 Personen.

Jene Welle, die sich die Organisatoren «Klimastreik» erhofft hatten, war mit der Kundgebung am freien Wochenende tatsächlich auf die ganze Bevölkerung übergeschwappt. «Es ist so, als wäre ganz Zürich in Bewegung», sagt eine grauhaarige Teilnehmerin. Jung und Alt liefen drei Stunden durch die Innenstadt. Gemeinsam riefen sie im Chor: «Wem sini Zuekunft? Oisi Zuekunft!» oder «Klimanotstand jetzt sofort!».

Offiziell soll der Umzug bis 17 Uhr dauern: Demonstranten bei der Schlussfeier am Bürkliplatz.
Offiziell soll der Umzug bis 17 Uhr dauern: Demonstranten bei der Schlussfeier am Bürkliplatz.
Dominique Meienberg
Die Stadtpolizei ging um 15.30 Uhr von rund 8000 bis 10'000 Teilnehmern aus: Der Umzug von der Grossmünsterterrasse aus. (2. Februar 2019)
Die Stadtpolizei ging um 15.30 Uhr von rund 8000 bis 10'000 Teilnehmern aus: Der Umzug von der Grossmünsterterrasse aus. (2. Februar 2019)
Dominique Meienberg
Die Polizei rechnet mit 400 Demonstranten.
Die Polizei rechnet mit 400 Demonstranten.
Dominique Meienberg
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Viele Teilnehmer hielten selbst gebastelte Transparente in die Luft, einige auch jene Tragtaschen aus Recyclingpapier, die eine Firma speziell für den Anlass bedruckt hatte. Dominik Waser, einer der Organisatoren, sagte: «Wir sind überwältigt. Natürlich hofften wir auf einen Erfolg, weil wir viel Zeit investiert hatten, um andere Generationen zu erreichen. Aber das hätten wir nicht gedacht.» Sie gingen von rund 5000 Demonstranten aus, die Stadtpolizei hatte mit 400 gerechnet.

Der Tross der Demonstrierenden war vom Helvetiaplatz durch die Langstrassenunterführung über das Central am Rathaus vorbeigezogen. Darin hielt währenddessen das kantonale Jugendparlament seine dritte Sitzung ab. Das Fokusthema der Jugendlichen: der Klimawandel. Sie erarbeiteten Forderungen und verabschiedeten sie als Petition an den Kantons- und Regierungsrat.

Weitere Aktionen geplant

Während der Demonstration waren verschiedene Tram- und Buslinien unterbrochen. Die Veranstaltung verlief friedlich. Zum Abschluss am Bürkliplatz schenkten die Veranstalter allen, die eine Tasse oder einen Teller dabei hatten, Suppe aus und verteilten überzählige Sandwiches aus der Ässbar. Dann schrien nochmals alle lautstark: «The oceans are rising and so are we.» Im Februar werden die Organisatoren über weitere Aktionen beraten. Unter den Teilnehmern waren auch viele, die noch nie an einer Demonstration teilgenommen hatten.

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Warum sich Erwachsene der Klima-Demonstration der Jugendlichen angeschlossen haben

Maria Cecilia Keller (50), Zürich

«Es ist schon lange her, seit ich das letzte Mal für eine Sache so eingestanden bin. Das war während der Anti-AKW-Bewegung. Derzeit arbeite ich als Lehrerin in einem Kindergarten, und mir ist es ein Anliegen, dass die Kinder auch als Erwachsene noch im See baden können und keine Sauerstoffmaske tragen müssen.

Kürzlich hat eines der Kinder aus Holzklötzen eine Burg gebaut. Bei einem Klotz fragte ich es, ob das eine Falltür darstelle. Es schaute mich verdutzt an und sagte: ‹Das sind Solarzellen.› Da dachte ich mir: Super. So muss es sein, und so muss es bleiben. Damit dem wirklich so ist, bin ich hier auf der Strasse. Ich finde es toll, dass die Gymnasiastinnen und Studenten alle anderen mit ins Boot geholt haben.»

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David Künzler (54), Zürich

«Das hier ist eine wunderbare Sache. Aus meiner Sicht sollte Klimapolitik das Hauptanliegen von Politik und Wirtschaft sein. Das Klima betrifft uns alle. Schützen wir es nicht, müssen wir es teuer bezahlen. Es geht um unsere Existenz, unser Leben.

In meinem Alltag versuche ich täglich Strom zu sparen, unter anderem auch mit Solarzellen auf dem Balkon. Ein Auto habe ich nicht, für den Notfall nutze ich Mobility. In der Stadt fahre ich mit dem Velo, in die Ferien fahren wir mit dem Wohnmobil. Beim Einkaufen wird der Umweltschutz anstrengend. Überall hat es Plastik dran. Seit wir den recyceln lassen, haben wir massiv weniger Abfall. Einen herzlichen Dank an die Jungen, dass sie angefangen haben, sich zur Wehr zu setzen.»

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Mirjam Sieber (46), Zürich

«Als Mutter dreier Kinder und als ­Lehrerin mache ich mir Sorgen um das, was meine Generation der nächsten vererben wird. Es ist an uns Erwachsenen, die richtigen Entscheidungen für die Zukunft der Jungen zu treffen. Wir versuchen als Familie im Kleinen auf das Klima zu achten. Wir besitzen kein Auto und essen wenig Fleisch. Zudem sind zwei von fünf ­Familienmitgliedern Vegetarier.

Aber wir allein können das Klima nicht verbessern. Es braucht dringend griffige politische ­Massnahmen, und dafür wollen wir uns ­einsetzen. Meine Töchter und ich sind das erste Mal zusammen an einer ­Demonstration, denn dieses Anliegen ist uns wirklich wichtig.»

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