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Die Lehren aus dem Fall ERZ

Stadträte sollten sich ab und zu auch mit Details befassen. Und Whistleblower müssen sicher sein können, dass sie anonym bleiben.

MeinungMarius Huber

Das gestern publik gemachte Ausmass des Wildwuchses bei Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) ist spektakulär – und teilweise so absurd, dass selbst Stadträte bei allem Ernst darüber lachen mussten. Ihre Lockerheit zeigt, dass sie sich auf gutem Weg wähnen bei der Bewältigung des Skandals.

Dennoch bleibt die Frage, wie sich ein solcher Fall in Zukunft verhindern lässt. Denn ERZ ist nur eine von über 40 städtischen Dienstabteilungen. Es ist nicht auszuschliessen, dass auch anderswo zu wenig hingeschaut wird, weil ein Laden vordergründig gut läuft. Dazu drei Vorschläge.

Erstens: Die Departementsübergaben von einem Stadtrat zum nächsten sind erstaunlich oberflächlich. So kann es kaum Kontinuität im Umgang mit Problemfällen geben. Wenn die Stadtpräsidentin sagt, ihre Einführung sei in zwei Stunden erledigt gewesen, ist das mehr als eine heitere Anekdote. Neue Regierungsmitglieder sind heute zu stark vom Wissen ihrer Verwaltungskader abhängig. Würde man die Amtszeiten so verlängern, dass sie sich zumindest um ein paar Tage überschneiden, bliebe mehr Zeit für den Austausch. Das bedingt eine Gesetzesänderung auf kantonaler Ebene. Sie ist einen Gedanken wert.

Zweitens: Stadträte sollten sich nicht nur auf strategischer Ebene bewegen, sondern ab und zu Tiefenbohrungen machen. Exemplarisch ins Detail gehen, um zu zeigen: Der Chef schaut hin. Stadtrat Filippo Leutenegger sagt, er habe als Unternehmer in jeder Firma zuerst die Spesenabrechnungen angeschaut, bei ERZ habe er dies leider unterlassen. Diese Detailver­sessenheit, die ihm schon vorgehalten wurde, hat wohl doch etwas für sich.

Drittens: Hinschauen nützt nichts, wenn wie bei ERZ gelogen und vertuscht wird. Der Fall zeigt, dass man oft auf Insider angewiesen ist, die sich trauen, Missstände anzuprangern. In Zürich gibt es dafür die Ombudsfrau, die anonymen Hinweisen nachgeht – darauf muss man immer wieder hinweisen. Die Stadt tut dies per Leitfaden im Intranet, sie sollte noch aktiver sein. Zudem ist auf Bundesebene zu prüfen, das Outen von Whistleblowern unter Strafe zu stellen. Um Insidern die Angst um die Existenz zu nehmen.

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