Werbung total am Hauptbahnhof

Die SBB testen in Zürich, wie sie noch mehr Fläche für Werbung verkaufen können. Zum Beispiel, indem sie Spots auf Lifttüren projizieren.

Ein Schritt hin zum «digitalsten und persönlichsten Bahnhof der Welt»? Die Lifttür beim Aufgang zur Europaallee. Bild: tif

Ein Schritt hin zum «digitalsten und persönlichsten Bahnhof der Welt»? Die Lifttür beim Aufgang zur Europaallee. Bild: tif

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Der Lift als Litfasssäule: Beim Aufgang Europaallee in der Sihlquai-Unterführung des Zürcher HB projiziert seit kurzem ein Beamer digitale Werbespots auf eine Lifttür. Sobald sich die Tür öffnet, verschwinden die Werbespots wieder. Laut SBB-Sprecher Oli Dischoe handelt es sich um einen sechsmonatigen Pilotversuch, mit dem die SBB diese neue Art von digitaler Werbung testen wollen. Es sei der erste Werbelift dieser Art in der Schweiz.

Im Moment werden auf der Lifttür nur SBB-Informationen gezeigt. Nach der Evaluation des Versuchs wird laut Dischoe geprüft, bei einer allfälligen Weiterführung auch Werbung von Dritten zu zeigen. Dann entscheide sich auch, ob weitere Lifte in Bahnhöfen mit einem Beamer ausgerüstet werden.

Ziel: «Der digitalste Bahnhof»

Die Idee zum Werbelift entstand für den Wettbewerb «Digitalswitzerland Challenge», und die SBB verfolgen in diesem Rahmen ehrgeizige Ziele: Bis zum 1. April 2019 wollen sie den Zürcher Hauptbahnhof zum «digitalsten und persönlichsten Bahnhof der Welt» machen. Man wolle zeigen, «wie sich mit der besseren Verfügbarkeit von Daten, deren Kombination und der Einführung innovativer Technologien» die Standortattraktivität der Bahnhöfe optimieren lässt.

Der Werbefilm verschwindet erst, wenn man den Lift ruft und die Tür sich öffnet. Video: tif

Das Bahnunternehmen setzt bereits seit längerem immer stärker auf digitale Werbung. So hat die Vermarktungsfirma APG Rail in den Bahnhöfen bereits 76 Bildschirme entlang von Rolltreppen, 112 mittelgrosse und 46 grosse Werbebildschirme und 12 sogenannte Rail-Beamer im Angebot, wie «20 Minuten» berichtet. Das Angebot wird laufend ausgebaut.

Innovativ – oder überflüssig?

Offen ist, wie die Werbung auf Lifttüren bei den Konsumenten ankommt. Bei der Einführung der digitalen Werbebildschirme im Zürcher HB gab es zum Teil kritische Stimmen. So klagten einige Pendler, die Dauerberieselung wirke störend. Andere sehen es gelassener: Man könne die Werbung ja auch einfach ignorieren.

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In der Branche ist man gespannt auf den Pilotversuch mit dem Lift als Plakatwand. «Wir unterstützen die SBB, wenn sie neue Formen ausprobieren», sagt Thomas Meier, Sprecher von KS Kommunikation Schweiz, der Dachorganisation der kommerziellen Kommunikation. Da Werbung derzeit aus gesellschafts- und gesundheitspolitischen Gründen sowie wegen «optischer Verschmutzung» immer häufiger eingeschränkt werde, begrüsse der Verband jede neue Möglichkeit.

Doch auch Meier weiss um die Gefahr einer Überreizung der Konsumenten. Es sei nicht auszuschliessen, dass die Liftwerbung Reaktionen in der Art auslöse, dass nun auch noch auf dieser Fläche Werbung geschaltet werde und dies überflüssig sei. Er weist allerdings darauf hin, dass sich der Lift im HB an keinem exponierten Ort befinde, weshalb die Werbung auch nicht besonders aufdringlich wirke.

«Nicht aufs Auge drücken»

Gerade wegen der möglichen Ablehnung durch einen Teil der Konsumentinnen und Konsumenten erachtet es der Verband Kommunikation Schweiz als sinnvoll, wenn neben der Wirkung einer neuen Werbeform in einer Versuchsphase auch ihre Akzeptanz geprüft wird. Mit Adblocker, Stopp-Werbung-Kleber, einem Sterneintrag in Telefonverzeichnissen oder der Replay-Taste am TV hätten Konsumenten heute schon viele Möglichkeiten, Werbung auszublenden oder abzulehnen, sagt Meier. «Deshalb ist es zentral, ihnen die Werbung nicht gegen ihren Willen aufs Auge zu drücken.» Sonst schade das der gesamten Branche.

Erstellt: 23.05.2018, 15:10 Uhr

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