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Wo Zürich am meisten Business-Apartments hat

Die Stadt ist um eine Kennzahl reicher: die der möblierten und bewirtschafteten Wohnungen. Wer dort wohnt und warum es bald noch mehr werden.

Infografik: Verteilung der Apartments

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Für die Betreiber ist es ein boomendes Geschäft, für linke Politiker eine beunruhigende Entwicklung – und für Statistik Stadt Zürich eine neue Kennzahl: die Apartmentwohnungen. 2390 solcher professionell bewirtschafteten und möblierten Wohnungen zählen die Statistiker aktuell, die Zahl haben sie gestern erstmals veröffentlicht. Nicht erfasst sind in dieser Zahl die Einzelzimmer.

2390 entspricht rund jeder hundertsten Wohnung in der Stadt. Die Verteilung über das Stadtgebiet variiert deutlich. Am meisten Wohnungen gibt es in den Stadtkreisen 3, 4, 6 und 11, den höchsten Anteil (7,5 und 5,9 Prozent) weisen die beiden Quartiere City und Hochschule im Kreis 1 aus.

Im Kreis 4 hat die Geschichte von Visionapartments begonnen, einem der grössten Anbieter in der Stadt. 1999 kaufte die Firmengründerin an der Militärstrasse ein Haus. Sie wollte die Wohnungen an Leute vermieten, die nur befristet in Zürich sind und in möblierten Apartments statt im Hotel wohnen wollen. Das Geschäftsmodell fand Anklang, heute zählt Visionapartments 632 Angebote in der Stadt. Beispielsweise eine möblierte Zweizimmerwohnung im Kreis 4: 28 Quadratmeter, WLAN und TV für 3190 Franken pro Monat. Die erste Liegenschaft gehört weiterhin zum Portfolio: 62 Business-Apartments auf sieben Etagen, komplett renoviert.

Ein Haus nach dem anderen

Von 0 auf 632 in weniger als 20 Jahren. Das sei erst der Anfang, sagt der Firmensprecher Alain Gozzer: «Wir wollen in Zürich weiter wachsen und in der Nähe des Flughafens Fuss fassen.» Vision­apartments kauft jeweils die Liegenschaften und baut sie nach seinen Bedürfnissen um. Die 200 Wohnungen am Bahnhof Giesshübel, die 2013 eröffnet wurden, hat die Firma gleich neu gebaut. Kleine Ein- bis Zweizimmerwohnungen seien gefragt, sagt Gozzer. Aus diesem Grund würden bei Renovationen Einheiten auch verkleinert. Das spiegelt die Statistik: In den letzten fünf Jahren ist mehr als jedes dritte der 2390 Apartments baulich verändert oder neu gebaut worden.

Kann für 3190 Franken im Monat gemietet werden: Eine Wohnung der Firma Visionapartments. Foto: visionapartments.com
Kann für 3190 Franken im Monat gemietet werden: Eine Wohnung der Firma Visionapartments. Foto: visionapartments.com

Mieten statt kaufen. Das ist der Ansatz der Apartments Swiss Star AG. 2004 gegründet, vermietet das Unternehmen heute 750 Apartments in der Stadt Zürich. Die Firma müsse sich nicht aktiv um neue Liegenschaften kümmern, sagt Geschäftsführer Shahin Ardabili. Die Eigentümer kämen auf sie zu: «Sie haben mit uns nur einen Mieter und können sich die Arbeit für den Unterhalt oder Mieterwechsel sparen.»

Bildstrecke – Zürich ist die zweitteuerste Stadt der Welt:

Teuerste Stadt der Welt: Im südostasiatischen Stadtstaat Singapur kann die Miete für eine 100-Quadratmeter-Wohnung in guter Lage leicht 5000 Franken übersteigen.
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Keystone
Zürich landet im Städteranking auf Platz zwei – schuld ist der starke Franken, schreibt die britische Analyse-Firma «Economist Intelligence Unit» in einer aktuellen Studie.
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Walter Bieri, Keystone
Wer in Caracas, Venezuela lebt, zahlt im Vergleich am wenigsten für Brot, Wein und Miete.
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Natacha Pisarenko, Keystone
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Wie Visionapartments will auch Ardabili weiter wachsen und das Angebot in den nächsten zwei bis drei Jahren auf 2000 Apartments erhöhen. Bis Ende 2017 sollen es bereits beinahe 1000 sein. Die Apartments seien übers Jahr hinweg im Schnitt zu 95 Prozent ausgelastet. Und dass Firmen wie Google weiter auf den Standort Zürich setzen, freue ihn. Für Ardabili könnten die neuen Mitarbeiter des Unternehmens potenzielle Kunden sein. Nicht zu Unrecht, wie die Statistik zeigt: Jeder fünfte Bewohner eines Apartments ist Inder, jeder fünfte wird bei der Anmeldung als EDV-Analytiker registriert. Mehr als 80 Prozent der Mieter sind aus dem Ausland; knapp 50 Prozent aus Europa, gut 20 Prozent aus Indien, rund 5 Prozent aus den USA.

Das Geschäft mit den Apartments läuft: Laut den Betreibern sind sie im Schnitt zu 95 Prozent ausgelastet.

Diese Zahlen beziehen sich auf 1390 der 2390 Apartments: jene nämlich, in denen sich eine Person beim Personalmeldeamt registriert hat, was erst ab drei Monaten erforderlich ist. In diesen Fällen geht die Statistik davon aus, dass die Person arbeitet und es sich um eine Personalwohnung handelt. Die anderen 1000 Apartments standen entweder leer, wurden touristisch genutzt oder von anderen Kurzaufenthaltern bewohnt. Sie zählen zu den 7200 Zweitwohnungen der Stadt Zürich. Ob ein Apartment den Erst- oder Zweitwohnungen zugewiesen wird, hängt damit mit der Art der Belegung zusammen.

Es braucht ein Angebot

Unklar bleibt mit der neuen Statistik das Ausmass der Wohnungsangebote auf der Plattform Airbnb. Weil die Statistik auf dem Wohnungsregister der Stadt Zürich basiert, können diese nicht direkt identifiziert werden. Die Stadt geht aufgrund von Daten des Kantons von etwa 1100 Airbnb-Angeboten aus, die sich wohl teilweise mit den ermittelten 2390 überschneiden.

Linke Politiker warnten in der Vergangenheit immer wieder vor den Gefahren der Apartmentangebote. Sie würden dringend benötigten Wohnraum vernichten und die Mietpreise in die Höhe treiben. Anna Schindler, Direktorin der Stadtentwicklung Zürich, relativiert. 2390 sei noch nicht besorgniserregend und es sei logisch, dass die Unternehmen wachsen wollen. «Ob das gelingt, ist eine andere Frage», sagt Schindler, «Zürich hat nicht unendlich viel Wohnraum, der umgenutzt werden kann.» Sie sei zudem der Meinung, dass Zürichs Wirtschaft eine gewisse Zahl solcher Apartmentangebote brauche. Wo die Schmerzgrenze liegt? Schindler sagt, die Stadt behalte die Entwicklung im Auge. Eine statistische Grundlage dafür hat sie nun geschaffen.

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