So viel kostet Luft über der Limmat

Weil das Globus-Provisorium ein wenig über den Fluss ragt, präsentierte der Kanton Zürich eine saftige Rechnung. Das liess sich die Stadt nicht gefallen.

194 Quadratmeter misst die Fläche, mit der das Globus-Provisorium die Limmat überdeckt. Dazu kommen 110 Quadratmeter Dach, die in den Flussraum ragen. Foto: Urs Jaudas

194 Quadratmeter misst die Fläche, mit der das Globus-Provisorium die Limmat überdeckt. Dazu kommen 110 Quadratmeter Dach, die in den Flussraum ragen. Foto: Urs Jaudas

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

50'000 Franken jährlich hatte die Stadt mehr oder weniger klaglos bezahlt für die Überstellung der Limmat, aber das Dreifache auf einen Schlag liess sie sich nicht bieten und ging bis nach Lausanne vors Bundesgericht. Dieses stellte klar, dass der Kanton seine Konzessions­gebühren für die Inanspruchnahme des Flussraumes von Zeit zu Zeit überprüfen und erhöhen darf, aber nicht von 50'421,25 auf 172'368 Franken. Eine Gebühr dürfe nicht in einem «offensicht­lichen Missverhältnis zum objektiven Wert der Leistung» stehen und müsse sich in «vernünftigen Grenzen» be­wegen, sagte das Gericht.

Das war 2012. Doch dauerte es nochmals drei Jahre, bis die neue Gebühr endlich fixiert werden konnte. Denn das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) verlangte ein Jahr nach dem Gerichtsurteil 70'943 Franken, gestützt auf die Studie einer Firma, die den Landwert nach Marktpreisen berechnete und beim Globus-Provisorium, in dem heute Coop eingemietet ist, von einer exzellenten Lage ausging. Diese Gebühr schien der Stadt immer noch zu hoch, weshalb sie die Verfügung des Awel bei der Baudirektion anfocht – und teilweise recht erhielt.

Zwar lehnte es die Direktion von Markus Kägi (SVP) ab, einen Landwert von 1110 Franken pro Quadratmeter anzunehmen, wie es die Stadt verlangt hatte. Die Baudirektion ging von 16'680 Franken aus, wie es die Gebührenverordnung des Wasserwirtschaftsgesetzes pauschal für Geschäftsbauten im Stadtzentrum vorsieht. Weil das Globus-Provisorium aus Holz und Blech mit seinem «barackenartigen Erscheinungsbild» den repräsentativen Ansprüchen hochpreisiger Geschäfte aber offensichtlich nicht genüge, reduzierte die Baudirektion die Nutzungsgebühr um 50 Prozent. Dies auch, weil das Globus-Provisorium über dem Fluss nur zwei Stockwerke aufweist, während die Geschäftshäuser in der Umgebung sieben und mehr Geschosse haben.

194 Quadratmeter misst die Fläche, mit der das Haus die Limmat überdeckt. 194 mal 16'680 dividiert durch 2 bei 2 Prozent Hypothekarzins ergibt eine Gebühr von 32'359 Franken. Dazu kommen aber noch die 110 Quadratmeter, mit denen das Dach in den Flussraum ragt. Auch diese Fläche verschafft der Stadt einen «Vorteil», weshalb sie gebührenpflichtig ist. Da sie aber nicht direkt kommerziell genutzt werden kann, gewährte die Baudirektion eine Reduktion um 75 Prozent, was einen Betrag von 9174 Franken ergibt.

So verlangt der Kanton jetzt eine Konzessionsgebühr von 41'533 Franken jährlich – einen Betrag, den die Stadt ­akzeptiert hat. Diese Gebühr ist sogar tiefer als jene, die der Kanton 2009 verdreifachen wollte. Damals galt eben ein Zinssatz von 3,5 Prozent, jetzt sind es nur noch 2 Prozent.

Genervt über die Stadt

Noch in einem weiteren Punkt erhielt die Stadt Zürich recht: Das Awel wollte die Kosten von 5400 Franken für die private Studie der Stadt auferlegen – offenbar auch ein Stück weit genervt über ­deren «immer weitergehende Forderungen». Das aber lehnte die kantonale Baudirektion ab. Die Kosten für die Studie werden von der Staatskasse übernommen. Überdies muss das Awel der Stadt eine Parteientschädigung in der Höhe von 1000 Franken bezahlen.

Das Globus-Provisorium stammt aus dem Jahr 1960, erbaut vom Architekten Karl Egender, von dem auch das Hallenstadion und das Warenhaus Globus sind. Globus nutzte das Provisorium bis zum Bezug seines Hauptsitzes am Löwenplatz im Jahr 1967. Darauf zog die Stadtpolizei ein, gefolgt von einer kurzen Besetzung und der Forderung nach einem Jugendhaus, gefolgt vom Grossverteiler.

Coop hat einen Mietvertrag bis 2019 und würde wohl gern nochmals verlängern, denn diese Filiale gehört mit täglich 6000 Kunden zu den bestfrequentierten der Schweiz. Doch das will der Gemeinderat verhindern. Er verlangt vom Stadtrat eine Neugestaltung des sogenannten Papierwerd-Areals. Die Grünliberalen, die den Vorstoss eingereicht haben, stellen sich einen Platz mit Restauration vor. Nächstes Jahr muss der Stadtrat seinen Bericht und seine Pläne vorlegen.

Brücken sind gratis

Dass die Stadt beim Globus-Provisorium eine Gebühr für die Überstellung der Limmat zahlen muss, bedeutet aber nicht, dass sie auch für ihre Brücken eine Konzession zahlen muss. Brücken im öffentlichen Eigentum, die der öffentlichen Nutzung dienen, sind von den Konzessionsgebühren ausgenommen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.12.2015, 23:04 Uhr

Artikel zum Thema

Coop bleibt bis mindestens 2019 im Globus-Provisorium

Wie erst jetzt bekannt wird, hat die Stadt den Mietvertrag mit dem Grossverteiler verlängert. Für die Zeit danach verlangt der Gemeinderat aber den Abbruch und eine neue Nutzung. Mehr...

Die Kreativen wollen ins Zentrum von Zürich

Eine neue Idee für das Globus-Provisorium an der Bahnhofbrücke: Der Verband Kreativwirtschaft Schweiz möchte dort eine Zukunftswerkstatt einrichten. Der Coop soll ins Untergeschoss. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Adieu und Adiós: Die Matrosen des mexikanischen Segelschulschiffs Cuauhtémoc haben für die grosse Parade auf der Seine die Masten erklommen. Die Fahrt zum Meer bildet den Abschluss der Armada von Rouen, eine der wichtigsten maritimen Veranstaltungen Frankreichs. (16. Juni 2019)
(Bild: Charles Platiau) Mehr...