Die meisten Klimaaktivisten sind wieder frei

Gegen zwei der Verhafteten vom Zürcher Paradeplatz ist Untersuchungshaft beantragt worden – die CS hat Strafanzeige eingereicht.

Die Polizei musste am Montag die Demonstranten vor den Banken am Paradeplatz wegtragen und verhaftete sie.

Die Polizei musste am Montag die Demonstranten vor den Banken am Paradeplatz wegtragen und verhaftete sie. Bild: Keystone

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Die Polizei hatte am Montag mit einem Grossaufgebot insgesamt 64 Aktivisten verhaftet, als diese die Eingänge der CS und der UBS am Paradeplatz blockierten; 61 Erwachsene sowie drei Jugendliche.

Inzwischen sind laut «20 Minuten» 54 Personen mit einem Strafbefehl bestraft und im Verlaufe des Mittwochvormittags aus der Haft entlassen worden. Alle mit Strafbefehl verurteilten haben sich der Nötigung schuldig gemacht, einige zusätzlich des Hausfriedensbruchs.

U-Haft für zwei Personen beantragt

Vier Personen waren bereits am Dienstag aus der Haft entlassen. Gegen sie läuft das Strafverfahren weiter. Eine Person wurde am Mittwoch aus der Haft entlassen und das Verfahren an einen anderen Kanton abgetreten. Bei zwei Personen hat die Zürcher Staatsanwaltschaft einen Antrag gestellt, dass Untersuchungshaft angeordnet wird. Diese Personen bleiben in Haft. Bei ihnen bestehen nebst dringendem Tatverdacht weiterhin die Haftgründe der Verdunkelungs- und Fluchtgefahr.

Unter den 61 am Montag verhafteten Personen sind 29 Männer und 32 Frauen im Alter zwischen 19 und 64 Jahren. 44 von ihnen sind Schweizer, 11 aus Deutschland, 2 aus Österreich, 2 aus Frankreich. Bei zwei Personen ist die Nationalität unbekannt. Die 3 Minderjährigen müssen sich vor der Jugendanwaltschaft verantworten.

Banken haben Strafanzeige eingereicht

Die Grossbanken haben wegen der Aktionen Strafanzeige eingereicht: «Die Credit Suisse hat wegen der Blockierung der Eingänge, von der Kunden und Mitarbeiter betroffen waren, Strafanzeige eingereicht», sagte Credit-Suisse-Sprecher Andreas Kern zu «20 Minuten». Auch die UBS hat wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Nötigung Strafanzeige erstattet, wie Sprecher Igor Moser bestätigt.

Die Proteste der Aktion richteten sich gegen die Finanzierung klimaschädlicher Aktivitäten weltweit durch Schweizer Grossbanken. Auch kapitalismuskritische Parolen waren zu sehen. Namentlich forderte die Aktivistengruppe vom Schweizer Finanzplatz den sofortigen Ausstieg aus der Finanzierung von Kohle-, Öl- und Gasförderung.

Klimastreikbewegung solidarisiert sich

Die Schülerinnen und Schüler von der Klimastreikbewegung solidarisierten sich am Mittwoch mit den Aktivisten. «Für uns ist jeder Protest gegen Klimazerstörer wie die Credit Suisse und die UBS berechtigt.»

Auch Greenpeace äusserte sich zur Blockade. Die Umweltorganisation teilte mit, sie danke den Aktivisten «für ihren mutigen Einsatz für mehr Klimaschutz und damit für eine lebenswerte Zukunft für uns alle».

Spendensammlung für Geldstrafen

Die Schweizer Kampagnenorganisation Campax hat eine Sammelaktion lanciert, um die Aktivistinnen und Aktivisten bei der Zahlung der gegen sie verhängten Strafbefehle zu unterstützten.

Blockadeteilnehmer, die sich noch nie etwas zu Schulden hätten kommen lassen, seien mit Geldstrafen von 800 Franken bedacht worden, teilte Campax am Mittwochnachmittag mit. Hochgerechnet ergebe das eine Summe von mindestens 64'000 Franken, die auf die Klimakämpfer zukomme. Campax hat diese Summe als Sammelziel festgelegt.

Das Vorgehen der Behörden wird von der Organisation kritisiert: «Zwei Nächte im Gefängnis für eine friedliche Aktion sind absurd und unverhältnismässig.» Die Aktivisten setzten sich, ganz im Gegensatz zu den beiden Grossbanken CS, für das Weltklima ein. Dass die Staatsanwaltschaft sie nun mit horrenden Strafbefehlen abschrecken wolle, tue dem Klimaschutz einen Bärendienst. (hoh/sda)

Erstellt: 10.07.2019, 13:21 Uhr

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