«Die meisten werden gar nicht gesehen»

An der Pride Zürich fordert heute auch die Trans-Community mehr Akzeptanz und Gleichstellung.

Stefanie Hetjens, Präsidentin des Transgender Networks Switzerland erzählt, wie es ist, wenn das Aussehen nicht zum Ausweis passt. (Video: Kathrin Egolf)

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Am Nachmittag wird es bunt in der Stadt. Über 60 Organisationen werden für den Demonstrationsumzug der Pride erwartet. Daneben steigt aber auch auf dem Kasernenareal ein grosses Fest.

Stände mit farbiger Dekoration säumen die Wiesenflächen. LGBTI-nahe Organisationen (Lesbisch, Schwul/Gay, Bisexuell, Transgender, Intersexuell) bereiten sich auf die Pride Zürich vor, dekorieren oder flyern für ihre Anliegen. Auch Stefanie Hetjens, Präsidentin des Transgender Networks Switzerland baut ihren Stand auf. Sie ist eine Transfrau und setzt sich für die Rechte von einer der LGBTI-Communities ein, der von Transmenschen.

Grosses Fest erwartet

Seit einer Woche finden unter dem Motto «same love - same rights» in der ganzen Schweiz Veranstaltungen im Rahmen der Pride Zürich statt. Die gleichgeschlechtliche Ehe steht dabei im Zentrum. In 25 Ländern (darunter 17 europäischen) wird sie anerkannt, nicht aber in der Schweiz. «Wir hoffen, dass der Schwerpunkt nun nochmal Triebkraft gibt, damit der Gesetzesvorstoss endlich durchkommt», meint Lea Herzig von der Festivalorganisation.

Der Höhepunkt der Pride ist der grosse Demonstrationsumzug, der heute Mittag durch die Innenstadt zieht. Danach wird auf dem Kasernenareal gefeiert, unter anderem mit der israelischen und lesbischen ESC-Gewinnerin Netta Barzilai. Die Organisatoren rechnen mit gutem Wetter und entsprechend viel Publikum. Letztes Jahr waren 19'000 Menschen am Umzug, und ganze 37'000 feierten am Wochenende auf dem Kasernenareal.

Noch viel zu tun

Die Pride ist auch im Jahr 2018 noch wichtig. Das zeigen die alltäglichen Erfahrungen von Stefanie Hetjens, die am Stand Auskunft gibt und aufklärt. «Ein grosses Problem ist, dass Transmenschen oft ihre Rechte nicht bekommen. Denn auf allen Seiten ist noch viel Halbwissen vorhanden.»

Dabei gehe es meist um ganz alltägliche Dinge wie den Umgang mit dem Arbeitgeber, oder wenn der Name und das Foto auf dem SwissPass nicht dem aktuellen Erscheinen entsprechen. Solche Auseinandersetzungen seien für Transmenschen sehr verunsichernd. Mit dem Transgender Network leistet sie Unterstützung und berät auch Schulen oder Arbeitgeber, wie sie mit Transmenschen im Betrieb oder mit Transkindern umgehen sollen.

In der Politik finden Transmenschen zwar langsam mehr Aufmerksamkeit, doch von Gleichstellung und Anerkennung ist man in der Schweiz noch weit entfernt. Vor kurzem wurde ein Vorentwurf für die Revision des komplizierten Verfahrens zur Änderung des Personenstands vorgelegt. Sollte dies durchkommen, ist bald kein aufwändiges und teures Gerichtsverfahren mehr notwendig. Obwohl die Situation von Transmenschen noch immer nicht gut sei, würden sich mehr Transmenschen trauen, zu ihrer Identität zu stehen und die Schwierigkeiten im Alltag und langen Abläufe zur Anpassung in Kauf nehmen. Denn die Gesellschaft sei schon etwas offener geworden, sagt Hetjens.

Viel mehr als gedacht

Die Pride Zürich ist daher auch für die Trans-Community ein wichtiger Anlass. «Auch wenn es dieses Jahr um die gleichgeschlechtliche Ehe geht. Auch wir wollen Liebe und Rechte wie alle. Da macht das keinen Unterschied.» Ihnen geht es auch um die Sichtbarkeit von Transmenschen im Allgemeinen.

In der Schweiz geht man von 40'000 aus. Viele würden aber einfach gar nicht erkannt und das Bild in den Medien, dass Transmenschen komische Vögel seien, sei komplett falsch. «Meist passen sie einfach in ihr Geschlecht rein und fallen deshalb gar nicht auf.» An der Pride ist dieses Wochenende jeder auf seine Art eigen und ein Mensch.

Pride Zürich. Demonstrationsumzug: ab 13 Uhr, Helvetiaplatz. Festivalgelände Kasernenareal: 14 - 24 Uhr.

Erstellt: 16.06.2018, 09:49 Uhr

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