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Die Nummern 1 in Zürich

Die Radio-Semesterzahlen sind da. Ab sofort strahlen wieder alle Radios Eigenlob aus. Wer darf sich wirklich die «Nummer 1 in Zürich» nennen?

«Radio ist sexy»: Jede gehörte Minute wird erfasst, jeder Hörer gezählt, Semesterzahlen sind die Währung.
«Radio ist sexy»: Jede gehörte Minute wird erfasst, jeder Hörer gezählt, Semesterzahlen sind die Währung.
Keystone

Nr. 1 in Zürich. Diesen Titel hat das von Roger Schawinski gegründete Radio 24 mehr als drei Dekaden verteidigt. Obwohl – streng betrachtet ist der Titel eine Anmassung: Die Nummer eins in der Limmatstadt ist und war schon immer und unangefochten SRF 1, früher bekannt als Schweizer Radio DRS 1. Hörerzahl, Hördauer, Reichweite, Marktanteil – in jeder Disziplin gewinnt der SRG-Sender, der sich das grösste Stück vom Kuchen abschneidet. Rund 60 Prozent des Marktes werden von SRG-Sendern beherrscht.

Die Nummer eins (der Privatradios) in Zürich kann den Titel für sich reklamieren, wenn sie in den härtesten Zahlen am Ende eines Semesters vorne liegt. Diese harten Zahlen heissen Marktanteil (der Anteil aller gehörten Radiominuten) und Reichweite (die Anzahl Hörer, die einen Sender mindestens 1 Minute lang gehört haben). Radio 24 hat seinen Startvorsprung nie preisgegeben. Schweizer Privatradios feiern dieses Jahr ihren dreissigsten Geburtstag, Radio 24 ist bereits 34 Jahre im Geschäft und bleibt auch mit den neuen Zahlen die Nummer eins.

Legendärer Wutausbruch

Natürlich ist diese Regel nirgendwo festgeschrieben. Aber die ganze Radiowelt erfuhr davon im April 1995 durch einen legendären Wutausbruch von Markus Gilli, dem damaligen Programmleiter von Radio 24: Der Konkurrent Radio Z (heute Radio Energy) hatte sich erfrecht, den Titel Nummer 1 in Zürich, mit dem Radio 24 gerne warb, für sich zu reklamieren, weil der Sender an der Kreuzstrasse in den Quartalszahlen für einmal eine längere Hördauer ausweisen konnte. Zusammen mit der nur wenig kleineren Hörerzahl ergab dies einen marginal besseren Marktanteil.

Nur Sekunden nachdem der Radio-Z-Moderator damals über den Sender verkündete, dass man die neue Nummer eins sei, klingelte das Telefon in der «Z»-Redaktion: Gilli forderte ultimativ, dass diese Behauptung sofort zurückgezogen werde, sonst werde er im Mittagsjournal die Sache klären. Die «Z»-Moderation machte munter weiter, sodass es zu Gillis schäumender Rede kam. In einem zweiminütigen Beitrag titulierte er die Konkurrenten als «Häkler und Wadenbeisser von der Kreuzstrasse», die «völlig irrelevante Quartalszahlen» zu ihrem «hässlichen, kleinen Triumph» nutzten. Seither ist klar: Semesterzahlen, Hörerzahl + Marktanteil.

Hart umkämpft

In der Region Zürich-Glarus (Bakom-Versorgungsgebiet Nr. 23), dem am härtesten umkämpften Markt, driften die beiden Spitzenreiter bei den Hörerzahlen wieder auseinander. Radio 24 hat den Verlust an Hörern des vergangenen Jahres im ersten Halbjahr 2013 zur Hälfte wieder wett gemacht. Aktuell wird der Sender von 292'000 Menschen in der Deutschschweiz gehört. Energy Zürich bindet trotz des kleineren Konzessionsgebiets immerhin 272'000 Hörer. Ende 2012 war der Abstand mit 7000 Hörern noch deutlich geringer.

Was Ende 2012 noch nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den führenden Privatradios ausgesehen hat, wurde durch die heutigen Zahlen relativiert. Die Hörer von Energy Zürich zappen nach 44 Minuten weg. Bei Radio 24 bleiben die Hörer im Schnitt gut 10 Minuten pro Tag länger dabei. Energy muss auch die anderen Mitbewerber im Auge behalten. Radio Zürisee hat stark zugelegt und liegt nur noch 25'000 Hörer hinter Energy. Ebenfalls einen neuen Rekord verbucht Roger Schawinskis Radio1.

Prominente Abwerbung

Zurück zu den beiden Führenden: Die Zutaten für einen spannenden Radiowettstreit sind gegeben. Nutzniesser werden die Hörer sein, weil beide Radios versuchen, ihr Produkt weiter zu verbessern. Radio-24-Programmleiterin Karin Müller, Wahlspruch «Radio ist sexy», wird in Kürze zwei neue Radiopersönlichkeiten in ihren Reihen begrüssen. «Bekannte Stimmen, die wir leider noch nicht ankündigen dürfen.» Weiter wird Radio 24 im neuen Domizil im umgebauten Löwenbräu-Areal den dort vorhandenen Saal mit Bühne für Clubkonzerte und Stand-up-Comedy-Shows nutzen, die dann über den Sender gehen. Erklärtes Ziel ist, die Hörerzahl wieder über 300'000 zu steigern.

Energy Zürich hat Ende letzten Jahres zum zehnten Mal die erfolgreiche Konzertreihe Energy Stars for Free über die Bühne gebracht, die Energy Fashion Night im April hat die modebewussten Frauen zum Sender gelockt, und Frühaufsteher werden bald von Patrick Hässig unterhalten, der heute noch bei Radio 24 den «Ufsteller» moderiert. Programmleiter Dani Büchi verkündete damit den wohl prominentesten Wechsel seit der Abwerbung von Roman Kilchsperger. Am 15. August wird der Sender sein 10-jähriges Bestehen feiern, und im Herbst werden bei Energy die Stars wieder for free im Hallenstadion zu erleben sein.

Alle sind Gewinner

Die Sender sind gut aufgestellt; das zweite Radio-Halbjahr verspricht, spannend zu werden. Natürlich sind jetzt, da die Hörerzahlen bekannt sind, alle Sender Gewinner: Nummer eins bei den Jungen, die besten News, der am meisten erwachsene Sender, die beste Musik; aber nur ein Sender ist die «Nummer eins in Zürich».

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