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Die Phänomena soll wieder auferstehen

Die naturwissenschaftliche Ausstellung am Zürichhorn war 1984 ein Riesenerfolg. Jetzt möchte sie der Initiant Georg Müller am selben Ort wiederbeleben.

Der Bambusturm und die weissen Spitzdach-Zelte waren die Wahrzeichen der Phänomena. Im Schnitt kamen täglich 6800 Besucher. Foto: Victor Pfaffhauser (Keystone)
Der Bambusturm und die weissen Spitzdach-Zelte waren die Wahrzeichen der Phänomena. Im Schnitt kamen täglich 6800 Besucher. Foto: Victor Pfaffhauser (Keystone)

Welch eine Überraschung: Die Phänomena ist zurück – zumindest als Idee. Die Ausstellung über Gesetze und Phänomene der Erscheinungswelt war 1984 das Grossereignis von Zürich und mit 1,2 Millionen Zuschauern ein Publikumsmagnet. Von Mai bis Oktober war sie am Zürichhorn, optisch dominiert von einem 30 Meter hohen Bambusturm und weissen Zelten mit auffälligen Spitzen.

Rund 200 Exponate und Expe­rimente brachten den Besuchern auf spielerische Weise physikalische Grunderfahrungen nahe wie Magnetismus, Schwerkraft, Schallwellen, Auftrieb, Klangfiguren, Wasserdruck oder Erddrehung. Motto: Wie Physik zum Vergnügen wird. Noch heute ist am Zürichhorn eines der eindrücklichsten Exponate zu sehen: Die tonnenschwere Steinkugel, die sich von Hand drehen lässt, wenn sie auf einer Wasserschicht liegt.

Quartier muss mitmachen

Initiant und Organisator der Phänomena war Georg Müller, Leiter des Zürcher Forums. Für seine Ausstellung erhielt er 1985 von der Stadt die Auszeichnung für kulturelle Verdienste. Jetzt würde Müller die Phänomena gern am alten Ort nochmals aufleben lassen. Zu diesem Zweck hat er im Quartierverein Riesbach vorgesprochen – mehr ein Sondierungsgespräch als die Präsentation eines fixfertigen Projekts. Denn gegen den Willen des Quartiers möchte Müller nicht aktiv werden. Im Vorstandsprotokoll des Quartiervereins steht, dass eine Neuauflage der Phänomena als interessante Idee begrüsst werde und dass der Ort am See nicht kategorisch ausgeschlossen sei. Es wurde jedoch angeregt, auch andere Standorte abseits der sehr hoch frequentierten Seeanlage in Erwägung zu ziehen. Auch die relativ lange Ausstellungsdauer von fünf bis sechs Monaten dürfte noch zu Diskussionen führen.

Georg Müller erklärt auf Nachfrage, dass für ihn kein anderer Standort infrage komme. Die attraktive Lage am Zürichhorn habe damals gewiss die Hälfte des Erfolgs ausgemacht – ohne einen einzigen Parkplatz. Eine neue Phänomena könnte auch den Forschungsplatz Schweiz miteinbeziehen, da es von der Heureka-Ausstellung her noch ein beachtliches Netzwerk gebe. Vom Dach­verband der Lehrer, von Tourismus Schweiz und von der Akademie für technische Wissenschaft gibt es laut Müller positive Signale. Und der Zürcher Nobelpreis­träger Richard Ernst hat ihm mitgeteilt: «Ich mache mit.»

Noch ist Müller erst im Quartier vorstellig geworden. Sollte er von dort und später von der Stadt positive Rückmeldungen erhalten, könnte die Phänomena 2 im Jahr 2020 stattfinden. Müller, mittlerweile 82 Jahre alt, will dann aber nur noch beratend aktiv sein; die Knochenarbeit übernähmen Leute seines Vertrauens. Eine Neuauflage der Phänomena reizt Georg Müller auch deshalb, weil es die Ausstellung immer noch gibt. Die meisten Exponate sind in Deutschland zwischengelagert. Den Bambusturm allerdings gibt es nicht mehr. Über vier Millionen Menschen haben die Phänomena bisher gesehen. Denn nach Zürich war sie in Rotterdam, Südafrika und im deutschen Bietigheim zu sehen. Gegenwärtig ist eine Anfrage aus Dubai hängig und auch in Deutschland finden von dritter Seite Abklärungen statt.

Sieben Jahre nach der Phänomena organisierte Georg Müller die Heureka, die nationale Forschungsausstellung auf der Allmend. Dabei lernte er eine andere Stadtverwaltung kennen. 1984 war Thomas Wagner (FDP) Stadtpräsident und Hugo Fahrner (FDP) Hochbauvorste- her – und die Phänomena brauchte nicht einmal eine Baubewilligung. 1991 war Josef Estermann (SP) Stadtpräsident und Ursula Koch (SP) Hochbauvorsteherin – und die Heureka musste eine Umweltverträglichkeitsprüfung bestehen, obwohl damals bereits feststand, dass dort später der Bauplatz für den Uetlibergtunnel hinkommt. Die Phänomena war willkommen, die Heureka nicht, erinnert sich Georg Müller. Er sei nicht verbittert, beteuert er, aber er möchte nie mehr eine Ausstellung gegen den Widerstand einer Stadtbehörde realisieren.

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