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Die Polizei als Spiegel der Gesellschaft

Unterschwellige Rassenvorurteile bestehen nicht nur bei Sicherheitsbeamten. Sie zu erkennen ist der Anfang zur Veränderung.

Was soll ich heute anziehen, damit mich die Polizei nicht kontrolliert? Wie soll ich mich verhalten, wenn mich ein Sicherheitsbeamter im Fokus hat: wegschauen oder freundlich lächeln? Das sind Fragen, die sich in der Schweiz die wenigsten Menschen stellen müssen. Zum Glück. Wir leben in einem Rechtsstaat, der sich die Gleichbehandlung der Individuen auf die Fahne geschrieben hat. Dennoch können sich nicht alle mit derselben Unbeschwertheit in der Öffentlichkeit bewegen: Menschen mit dunkler Haut, balkan- oder arabischstämmige, deren Alltag durch die Möglichkeit einer Polizeikontrolle geprägt wird. Nicht weil sie eine Straftat begangen haben, sondern weil sie zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort in ein bestimmtes Fahndungsraster passen.

Racial Profiling ist Realität, aber eben nur für eine kleine Minderheit. Möglicherweise liegt es am Begriff, weshalb die Polizei das Thema bis anhin eher stiefmütterlich behandelte. Er erinnert an die gewalt­samen Aufstände in den USA, die so in der Schweiz nicht vorkommen. Zudem hat Racial Profiling den Beiklang von Rassismus, was bei Polizisten auf grosse Ablehnung stösst. Zu Recht. Denn systematischen Rassismus muss sich die Polizei nicht vorwerfen lassen.

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