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Die Polizei soll keine Informationen vorfiltern

Der Kanton will die Stadt Zürich zwingen, bei Polizeimeldungen die Nationalität von Verdächtigen wieder zu nennen. Gut so.

Die Zürcher Stadtpolizei – hier bei einer Aktion – soll die Nationalitäten von Tätern in ihren Meldungen wieder nennen müssen. Foto: Urs Jaudas
Die Zürcher Stadtpolizei – hier bei einer Aktion – soll die Nationalitäten von Tätern in ihren Meldungen wieder nennen müssen. Foto: Urs Jaudas

Es sieht ganz danach aus, als würde der Kantonsrat der Stadt Zürich bei einem sensiblen Thema dreinreden. Und zwar bei der Frage, ob die Stadtpolizei in ihren Pressemeldungen erwähnen soll, welche Staatsan­gehörigkeit Verdächtige und Opfer haben. Die Medienstelle gibt diese Informationen seit 2017 nur noch auf Anfrage bekannt. Der Kantonsrat will die Stadt nun zwingen, die Nationalität wieder zu nennen.

Und das ist gut so. Die Medien kämpfen schon heute an vielen Fronten damit, an staatliche Informationen zu kommen – trotz des Öffentlichkeitsprinzips, das inzwischen fast überall eingeführt ist. Behörden machen Reporterinnen und Reportern das Leben schwer, verlangen bizarre Gebühren für Dokumente, verzögern deren Herausgabe um Monate, geben sie komplett geschwärzt heraus, verschicken stossweise Papier statt die (durchaus vorhandene) Excel-Tabelle.

Oft steht dahinter die Angst, Medien würden mit der Information Unsinn anstellen oder Vorurteile schüren.

Alter, Geschlecht und Nationalität sind Basisinformationen, die man der Leserschaft zumuten kann, ohne dass sie gleich in Stereo­type abdriftet.

So ist es auch bei der Nennung der Nationalität. Man fürchtet Stimmungsmache – und baut präventiv ein Info-Hindernis ein. Ein kleines zwar, zugegeben. Im Reporteralltag existieren allerdings Dutzende solcher Schikänchen. Die summieren sich.

Aber auch inhaltlich zielt die städtische Lösung ins Leere. Bei den «Aufregern», bei denen akute Stereotypen-Gefahr besteht («Balkan-Raser!»), ist schon heute die Nationalität bei manchen Medien schnell in der Schlagzeile. Ein Telefonat genügt ja. Bei grösseren Recherchen stehen Reporter ohnehin im Kontakt mit der Polizei und erfragen auch die Nationalität des Verdächtigen. Der Nach­fragezwang trifft also vor allem auf die harmlose Polizeiberichterstattung in den Nachrichtenspalten und -sektionen, wo in neutralem Ton Unfälle und «kleinere» Delikte abgehandelt sind.

Am Ende gilt für grosse und kleine Neuigkeiten: Alter, Geschlecht und Nationalität sind Basisinformationen, die man der Leserschaft zumuten kann, ohne dass sie gleich in Stereo­type abdriftet. Weil man so dem Vorwurf vorbeugt, dem Publikum zentrale Fakten zu unterschlagen. Weil man so einen minimalen Kontext mitliefert. Und weil man so Vorurteile entschärft, die durch Leerstellen entstehen («Das war sicher ein Ausländer!») – weil man eben auch schreibt, dass ein Täter Schweizer war.

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