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Die Post bringts (nicht mehr)

Klingelstreit zwischen Techfirmen und der Post: Letztere weigert sich neuerdings, eingeschriebene Briefe in den Zürcher Technopark zu bringen.

Trotz stets offener Türen und eines Empfangs will die Post die eingeschriebenen Briefe den 300 Firmen im Technopark nicht mehr überbringen.
Trotz stets offener Türen und eines Empfangs will die Post die eingeschriebenen Briefe den 300 Firmen im Technopark nicht mehr überbringen.
PD
«Unsere Mitarbeiter haben keine Möglichkeit zu klingeln», steht als Begründung in einem Schreiben der Post an die Unternehmen. Allerdings hats überall Klingeln (rote Pfeile).
«Unsere Mitarbeiter haben keine Möglichkeit zu klingeln», steht als Begründung in einem Schreiben der Post an die Unternehmen. Allerdings hats überall Klingeln (rote Pfeile).
PD
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«Anpassung der Briefzustellung»: So lautet der Titel eines Schreibens der Post an rund 300 Firmen, welche 1800 Mitarbeitende beschäftigen und ihre Büros im Technopark in Zürich-West haben. Als aufmerksame Zeitgenossen wussten die Adressaten, dass «Anpassung» nichts anderes als «Abbau» bedeutet. Auch Christoph Müller, CEO von Crixp Corp., einem IT-Unternehmen.

Als Müller las, dass der Pöstler die eingeschriebene Post ab dem 3. September nicht mehr vorbeibringen wird und der Adressat sie im Sparexpress gut zehn Gehminuten entfernt wird abholen müssen, dachte er als Unternehmer im Dienstleistungsbereich: «Okay, der Slogan ‹Die Post bringts› stimmt nicht, und die wollen uns nicht mehr als Kunden.» So erzählt es Müller.

«Der Absender zahlt für eine Leistung, also die persönliche Übergabe eines Briefs. Und diese wird nicht erbracht.»

Christoph Müller, CEO Crixp Corp.

Auf den Vorschlag der Post, die persönliche Zustellung gegen ein Entgelt weiterhin zu gewährleisten, will er nicht eingehen. «Der Absender zahlt für eine Leistung, also die persönliche Übergabe eines Briefs. Und diese wird nicht erbracht», kritisiert Müller. Als Empfänger wolle er nicht noch draufzahlen.

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Als Anhänger des freien Markts orientierte sich Müller also um und avisierte seine Kunden, die eingeschriebene Post künftig per Fedex zu schicken. «Das ist zwar teurer, dafür ist die Dienstleistung deutlich besser.»

Was Müller dennoch enerviert, ist die Begründung der Post im genannten Schreiben. «Unsere Mitarbeiter haben keine Möglichkeit zu klingeln», steht da. Das stimme nicht, versichert Müller. «Jedes Büro hat eine Klingel.» Zudem habe der Technopark einen Empfang, der zu Bürozeiten stets besetzt sei. Überdies habe es auch im Aussenbereich eine Klingel, direkt beim Knopf für Rollstuhlfahrer.

«Zu grosser Zeitaufwand»

Die Post hat eine andere Sichtweise. «Die Verteilung auf allen Etagen innerhalb des Gebäudekomplexes war eine zusätzliche Dienstleistung, welche die Post bisher gratis erbrachte», sagt Postsprecher Markus Werner. Andere grössere Institutionen hätten dafür eine Hauspost.

Trotzdem könne er nachvollziehen, wenn das neue Regime als Leistungsabbau verstanden werde und daraus Emotionen entstünden, sagt Werner. Aber: «Eine Überprüfung ergab, dass der Zeitaufwand unserer Mitarbeiter innerhalb des Hauses zu gross war.» Und leider habe man auch keine andere Lösung mit dem Technopark finden können.

Eines räumt Werner ein: Der Satz im Brief, dass die Mitarbeiter keine Möglichkeit haben zu klingeln, sei «nicht gut» formuliert. «Dafür entschuldigen wir uns.»

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