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«Die Prostituierten stehen sich auf den Füssen rum»

Am Sihlquai schaffen derzeit bis zu 60 Frauen pro Nacht an. Sie müssen sich mit weniger Platz begnügen: Die Baustelle des Swissmill-Silos versperrt den Weg. Der Bau der Sexboxen wird hingegen verschoben.

Kein Platz für Prostituierte: Wegen Baustellen ist ein Teil des Trottoirs am Sihlquai gesperrt – genau dort, wo die Prostituierten bereits ab 19 Uhr anschaffen dürfen.
Kein Platz für Prostituierte: Wegen Baustellen ist ein Teil des Trottoirs am Sihlquai gesperrt – genau dort, wo die Prostituierten bereits ab 19 Uhr anschaffen dürfen.
Tina Fassbind
Kein Durchkommen: Auf rund 100 Metern Länge wird das Trottoir für die Bauarbeiten am neuen Swissmill-Silo belegt.
Kein Durchkommen: Auf rund 100 Metern Länge wird das Trottoir für die Bauarbeiten am neuen Swissmill-Silo belegt.
Tina Fassbind
Neue Regelungen im Niederdorf: Der landesweit erste Strassenstrich-Ticketautomat wurde an der Gräbligasse in Zürich aufgebaut. Dort müssen die Prostituierten seit dem 1. Januar 2013 eine Tagesbewilligung lösen.
Neue Regelungen im Niederdorf: Der landesweit erste Strassenstrich-Ticketautomat wurde an der Gräbligasse in Zürich aufgebaut. Dort müssen die Prostituierten seit dem 1. Januar 2013 eine Tagesbewilligung lösen.
Walter Bieri, Keystone
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Zwischen Dammweg und Escher-Wyss-Platz im Zürcher Kreis 5 reiht sich derzeit Bagger an Bagger. Im Mai wurde mit dem Bau des Swissmill-Silos begonnen. Der bestehende Getreidespeicher an der Limmat wird aufgestockt und im Frühjahr 2015 in Betrieb genommen. Gleichzeitig ersetzt die Wasserversorgung der Stadt Zürich in diesem Strassenbereich die Leitungen. Rund 100 Meter des Sihlquais sind so komplett durch Baustellen belegt.

Just auf diesem Abschnitt befindet sich jener Bereich des Sihlquai-Strassenstrichs, auf dem Prostitution bereits ab 19 Uhr erlaubt ist. Erst ab 22 Uhr dürfen die Frauen auch zwischen Dammweg und Kornhausbrücke anschaffen. Die Prostituierten haben somit viel weniger Platz, um Freier anzuwerben – und sie zu bedienen. «Gerade dort standen viele Damen, weil es Platz für die Autos hatte», sagt Max Egger, der als Hauswart einer Liegenschaft am Sihlquai die Situation schon seit Jahren kennt. «Die Frauen sind an ihre Stammplätze gewöhnt. Sie stehen sich nun rechts und links von der Absperrung auf den Füssen herum.»

«Fullhouse» am Sihlquai

Gemäss Egger wehren sich die «alteingesessenen Prostituierten», die zwischen Swissmill und Escher-Wyss-Platz stehen, gegen eine Verdrängung. «Also verschiebt sich alles ein wenig stärker in Richtung Stadt – und so zu uns hin. Das hat zur Folge, dass es wieder viel lauter geworden ist. Sogar am Dienstagmorgen um 3 Uhr standen dort vier Frauen auf engstem Raum zusammen und redeten lautstark miteinander.»

Hinzu kommt, dass die Zahl der Prostituierten saisonal bedingt wieder zugenommen hat. Gemäss Angaben der Stadtpolizei Zürich verfügen derzeit 235 Frauen über eine Bewilligung zur Ausübung der Prostitution auf Stadtgebiet. Pro Nacht werden momentan 40 bis 60 Frauen verzeichnet, die am Sihlquai anschaffen.

«Mit der Beruhigung ist es vorbei. Jetzt ist wieder Fullhouse am Sihlquai», schildert Egger die Situation. «Ich habe an einem Freitagabend zwischen dem Dammweg und der Fabrikstrasse – also auf einer Strecke von etwa 300 Metern – 27 Frauen gezählt, die auf dem Strassenstrich angeschafft haben.» Immerhin gebe es dank der mobilen Toiletten, die von der Stadt beim Dammweg aufgebaut wurden, keine Probleme mehr mit Kot und Urin, betont der Hauswart. «Aber der Abfall der Freier – benutzte Präservative und Taschentücher – liegt noch immer rum.»

Barbara Strebel, Pressesprecherin Soziale Einrichtungen und Betriebe Stadt Zürich, bestätigt auf Anfrage, dass die Prostituierten aufgrund der Bauarbeiten weniger Platz am Sihlquai haben. «Sie stehen gedrängter. Dagegen können wir allerdings nichts ausrichten. Wir müssen uns mit dieser Situation arrangieren.» Durch die beengten Platzverhältnisse seien allerdings ihres Wissens bisher keine Probleme entstanden. «Und es dauert nun auch nur noch zwei Monate, bis der Strichplatz eröffnet wird.»

Sexboxen werden erst im Juli aufgebaut

Mit der Eröffnung des Strichplatzes am Depotweg im Zürcher Kreis 9 wird der Strassenstrich am Sihlquai aufgehoben und nach Altstetten überführt. Die Prostituierten können dann in sogenannten Sexboxen ihre Freier bedienen. Mitte Mai haben die Bauarbeiten auf dem Areal zwischen der Berner- und der Aargauerstrasse begonnen.

Doch anders als zu Baustart mitgeteilt, können die Sexboxen nicht bereits Mitte Juni aufgestellt werden. «Die aktuelle Planung sieht vor, dass die Holzbauteile, aus denen die Sexboxen zusammengesetzt werden, im Juli errichtet werden können», sagt Thomas Meier, Leiter Kommunikation des Zürcher Sozialdepartements.

Das sei jedoch nichts Aussergewöhnliches. «Bei einem solchen Bauvorhaben kann es durchaus zu Veränderungen in der Reihenfolge der Bauschritte kommen», so Meier. «Für solche Fälle wurde von Anfang an eine zeitliche Reserve eingeplant. Wir sind also auf Kurs: Der Strichplatz wird Ende August eröffnet.»

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