Die SBB entrümpeln den Hauptbahnhof

Mehr Licht, mehr Platz, weniger Einbauten: Der Südtrakt des Zürcher HB wird bis 2023 komplett saniert. Passanten müssen in dieser Zeit Umwege in Kauf nehmen.

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Beim Zürcher Hauptbahnhof bleibt in den kommenden Jahren kein Stein auf dem anderen. Oder vielmehr: Die alten Steine kommen wieder zum Vorschein. Die SBB sanieren den 1871 errichteten Südtrakt und nutzen die Gelegenheit, um die altehrwürdige Wandelhalle zwischen Aussenfassade und Haupthalle zu entrümpeln.

Derzeit befinden sich in dem gewölbten, lang gezogenen Seitentrakt diverse technische Einrichtungen und Büros. Das mit der Generalsanierung beauftragte Architekturbüro Aebi + Vincent Architekten will nun sämtliche Zwischenwände und Galerien entfernen, die in den letzten Jahren eingebaut wurden. «Dadurch können wir die Halle wieder öffnen und in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen», sagt Architekt Bernhard Aebi am Montag beim Spatenstich.

Ein Glaskubus fürs Tageslicht

Einen Teil der Haustechnik werden die Architekten in den Untergrund verlegen und die dort eingerichtete Grossküche der Candrian Catering unter die Haupthalle verschieben. Einen weiteren Teil werden sie in einem zweigeschossigen, neuen Glasaufbau über dem Südtrakt unterbringen. Der Glaskubus bringt nicht nur neue Nutzflächen, sondern auch Tageslicht in die darunterliegenden Etagen – ganz so wie es zur Gründerzeit mit Oblichtern der Fall war. «Am Ende der Bauzeit im Sommer 2023 wird sich wohl jeder fragen, wie man all die Jahre auf all das verzichten konnte», sagt Aebi.

Bis es allerdings so weit ist, müssen sich die rund 440'000 Menschen, die den Zürcher Hauptbahnhof täglich passieren, an einige Umwege gewöhnen. Insbesondere während der zweiten Etappe der Sanierungsarbeiten vom zweiten Quartal 2020 bis zum Sommer 2023. Gemäss Alexander Muhm, Leiter Development SBB Immobilien, wird der Südtrakt dann komplett geschlossen. «Wir haben trotz intensiver Suche keine Optionen gefunden, um in dieser Zeit eine Teilöffnung zu ermöglichen.»

Die neuen Mieter stehen noch nicht fest

Die heute gestartete erste Bauetappe dürfte dafür ohne grössere Auswirkungen auf den Pendlerverkehr verlaufen. Bis Anfang 2020 werden dabei die Arkaden beim Ostportal unterkellert und der Einbau der neuen Produktionsküche unter der Haupthalle – nach dem Architekten des Bahnhofs auch Wanner-Halle genannt - beginnt.

Die Geschäfte im Südtrakt bleiben noch bis Ende der ersten Bauetappe geöffnet. Während der zweiten Bauphase können die SBB rund um den Südtrakt aus Platzgründen nur wenigen Betrieben einen Ersatzstandort anbieten. Laut SBB-Sprecherin Ottavia Masserini ist dies bei der Permanence und der Apotheke der Fall, die derzeit im Erdgeschoss des Südtrakts eingemietet sind.

«Wie das Angebot nach Abschluss der Sanierung aussehen wird, steht derzeit noch nicht fest», sagt Masserini. Die SBB führen aber bereits Verhandlungen mit möglichen Mietern. Bei einigen bestehen bereits Vorverträge. Freie Mietflächen werden je nach deren Grösse zwei bis vier Jahre vor der Neueröffnung ausgeschrieben.

Auch die Gleishalle wird saniert

Die Generalsanierung des Südtrakts ist aber nicht das einzige Grossprojekt, das die SBB in diesem Jahr in Angriff nimmt. Auch die Renovation der 85-jährigen, denkmalgeschützten Gleishalle startet noch im Juni. Ziel der Arbeiten ist die Sanierung der 116 Stahlpfeiler, auf denen das Glasgewölbe über den Perrons sitzt. Auch das 280 Meter lange Holzdach an der Seite der Gleishalle muss neu abgedichtet werden. Die Sanierungsarbeiten werden gemäss Angaben der SBB voraussichtlich bis 2023 dauern. Aus Sicherheitsgründen werden sie jeweils in der Nacht bei ausgeschalteter Fahrleitung durchgeführt.

Stadtrat André Odermatt (SP), Vorsteher des Zürcher Hochbaudepartements, zeigt sich beim Eröffnungsakt der Bauarbeiten am Hauptbahnhof erfreut darüber, dass «die SBB Sorge tragen zu diesem Schmuckstück.» Schliesslich sei der HB nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt, sondern auch ihre Visitenkarte, «das erste, was Touristen von Zürich sehen.»

Eine Zeitkapsel in der Ostfassade

Ein aussergewöhnliches Gebäude wie der HB verlangt auch nach einem speziellen Grunstein, den Odermatt und SBB-Gesamtprojektleiter Martin Riesen beim Spatenstich präsentieren: Einen Sandsteinblock mit integrierter Metallkapsel. Vor den versammelten Gästen stecken sie diverse Gegenstände der Gegenwart als Zeitdokumente für die Nachwelt in das Metallgefäss. Darunter auch einen USB-Stick mit den Unterlagen zum Bauprojekt. «Ob sie diese Dateien in der Zukunft auch öffnen können, soll nicht unser Problem sein», sagt Riesen. Er hofft aber, dass der 20-Franken-Gutschein, den er ebenfalls in die Kapsel schiebt, dereinst noch Gültigkeit haben wird. Der Steinblock samt Inhalt wird später am Ostportal in die Mauer eingebaut. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.06.2018, 13:26 Uhr

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