Zum Hauptinhalt springen

Die Schlacht am Rosengarten

Die Überrumpelung ist gelungen: Mit dem Rosengartentunnel haben Kantons- und Stadtregierung ein Milliardenprojekt lanciert. Die Kombination Tunnel/Tram könnte klappen, da beide Lager profitieren.

Die gleichen Politiker, die sich wüste Auseinandersetzungen um den Spurabbau beim Bellevue geliefert hatten, sassen heute einvernehmlich und zufrieden an einer Blitzmedienkonferenz: die Grüne Ruth Genner von der Stadt, der SVPler Ernst Stocker vom Kanton. Sie haben gemeinsam eine grosse Kiste gestemmt – im Vergleich dazu ist das Bellevue eine Lappalie.

Eine Planung, die über ein Jahr gedauert hat, ist durch keine einzige Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt. Das allein zeigt, dass das Klima zwischen Stadt und Kanton so schlecht nicht sein kann.

Die zweite Überraschung: SP und Grüne sind dem neuen Tunnel gegenüber ablehnend eingestellt. Und trotzdem steht der rot-grüne Stadtrat dahinter. Dafür gibts mehrere Gründe: Erstens kommt die Stadt Zürich quasi gratis zu einem neuen Tram und einem Tunnel, der eine Bausünde aus den Siebzigerjahren zum Verschwinden bringt. Wer zahlt, befiehlt, ist bei übergeordneten Infrastrukturprojekten das Motto.

Hauptgrund dafür, dass Stadt- und Kantonsregierung – im Gegensatz zu allen anderen Streitereien über Finanzausgleich und Spitalversorgung – bei diesem Milliardenprojekt ein Herz und eine Seele zu sein scheinen, ist der sorgfältig geplante Kompromiss. Beide Seiten bekommen etwas: die linke Stadt und ihre Fussgänger das schon lange gewünschte Tram – und der bürgerliche Kanton und seine Autofahrer einen neuen Tunnel.

Bewilligt werden müssen Tram und Tunnel als ein Gesamtpaket vom Kantonsrat. Weil die Linken gegen einen neuen Strassentunnel sein werden, ist ein Referendum und somit eine Volksabstimmung im Kanton wahrscheinlich. Vor dem Volk hat dieses Projekt – etwa 2018 – aber gute Chancen, weil beide Seiten etwas erhalten. Und weil ein Tram ohne Tunnel ebenso wenig möglich ist wie ein Tunnel ohne neues Tram. Das Volk hat 2010 schliesslich das Rosengartentram ohne Ersatzmassnahme für den Strassenverkehr zweifach abgelehnt.

Zwei kritische Fragen muss sich das Projekt Rosengarten allerdings gefallen lassen. Gegen eine Milliarde Franken ohne gesicherte Bundesunterstützung sind für eine Quartieraufwertung und eine neue Tramlinie sehr viel Geld. Dieses Geld aus dem kantonalen Verkehrsfonds wird ganz einfach für andere Projekte draussen auf dem Land fehlen.

Zudem hat die Stadt Zürich vom Volk mit der Städteinitiative den Auftrag erhalten, den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren. Durchmesserlinie und Ausbau der Nordumfahrung samt Gubristtunnel würden dieses Ziel ermöglichen. Mit dem neuen vierspurigen Rosengartentunnel bleibt die Kapazität aber genau gleich wie heute: 56'000 Autos pro Tag, statt deutlich weniger.

Wer allerdings die Verkehrsentwicklung in den nächsten 20 Jahren ohne ideologische Leitplanken betrachtet, kann gegen den neuen Tunnel nicht viel einwenden. Wenn 2032 – der geplanten Einweihung von Tunnel und Tram – gleich viel Verkehr von Zürich-West nach Zürich-Nord fliesst wie heute, ist das bereits ein Erfolg. Der Verkehr nimmt allen Gegenmassnahmen zum Trotz generell zu. Zudem wachsen Limmattal und Zürich-Nord weit überdurchschnittlich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch