«Formel E ade» – Zürcher Quartier wehrt sich gegen neues Autorennen

In der Enge standen bis gestern Abend Absperrelemente des E-Prix. Eine Petition gegen die Ausgabe 2019 erhält nun regen Zuspruch.

Der Abbau läuft noch – Augenschein an der Alfred-Escher-Strasse am Montag.

Der Abbau läuft noch – Augenschein an der Alfred-Escher-Strasse am Montag. Bild: Urs Jaudas

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Der Slogan «Formel E ade» einer politisch unabhängigen Interessengemeinschaft aus Bewohnern des Enge-Quartiers, die mittels Petition künftige Formel-E-Rennen auf dem ganzen Stadtboden verhindern will, ist vielsagend. Zürich sei für einen Anlass in dieser Grösse sowohl für Besucher wie Anwohner zu eng. Wer das Anliegen unterstützen will, tut dies direkt auf der Site, oder aber er druckt die Unterschriftenbögen aus, und sobald diese voll sind, retourniert er sie ans Organisationskomitee.

Eine Petition, die in den letzten Tagen viel Zuspruch erfuhr. Für diesen plötzlichen «Schub», um es rennsportmässig zu sagen, gibt es eine Erklärung – es ist die Unzufriedenheit vieler Engemer mit den Auf- und Abbauarbeiten. Immer wieder würden Leute ihren Unmut per Mail im Petitionsforum deponieren oder direkt auf die Unterschriftenbögen schreiben, so ein Initiant.

Video: Grosse Baustelle ein Tag nach dem Rennen

So sah es einen Tag nach dem Rennen an der Strecke aus. Video: Fabian Sangines

Tatsächlich standen am Montagmorgen entlang der Alfred-Escher-Strasse noch reihenweise Absperrgitter mit Betonfuss – notabene häufig hinter zugeparkten Blaue-Zone-Plätzen; man hätte sie also gar nicht abtransportieren können. Andernorts waren solche Gitter auf dem Trottoir bereits zum Abtransport aufgetürmt, dafür standen da dann noch Betonsockel am Boden, ohne dass sie besonders markiert gewesen wären.

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Der Sicherheitsaspekt sei hier gewiss nicht gewährleistet, sagt eine Initiantin. Gewisse Auto- und Töfffahrer würden auf der noch immer ein wenig rennstreckenmässig wirkenden Strasse testen, was ihr eigenes Gefährt an Geschwindigkeit hergebe. Auch den Fussgängern werde nur marginal Beachtung geschenkt.

Dennoch befinde sich das Quartier nicht mehr im Ausnahmezustand, der Alltag habe sich langsam wieder normalisiert, sichtbare Ausnahme seien einfach die noch nicht demontierten oder abtransportierten Gitter und Sockel. «Man hätte fast den Eindruck bekommen können, die Organisatoren würden das Material bewusst stehen lassen, um damit fürs geplante Rennen von 2019 ein erstes Zeichen zu setzen», meint eine Initiantin scherzend.

Manch ein Töff- oder Autofahrer würde auf der noch immer rennstreckenmässigen Strasse sein eigenes Gefährt testen. Bild: Urs Jaudas

Das sei definitiv nicht der Fall, sagt Matthias Ninck, der Sprecher des Sicherheitsdepartements und seitens der Stadt für die Kommunikation in Sachen Formel E zuständig: «Für die Demontage und die Aufräumarbeiten hat die Stadt den Veranstaltern eine Frist bis maximal Ende Juni eingeräumt, sie allerdings dazu angehalten, zügig vorwärtszumachen. Es ist also bis jetzt alles im Zeitplan.»

Und diesen werde man auch einhalten, verspricht Stephan Oehen, der Pressesprecher der E-Prix-Organisation: «Der Abbau der temporären Infrastruktur läuft wie geplant. Es ist richtig, dass an einigen Stellen die Parkplätze bereits wieder freigegeben sind, aber von dort immer noch Material abtransportiert werden muss.» Dies werde in den nächsten Tagen Schritt für Schritt erfolgen, wenn der entsprechende sichere Zugang gewährleistet sei, so Oehen. «Die gesamte Infrastruktur wird Ende Juni wegtransportiert sein.»

Tatsächlich waren dann gestern Nachmittag die besagten Blaue-Zone-Parkplätze an der Alfred-Escher-Strasse mit einem Parkverbot von 21 bis 5 Uhr beschildert, über Nacht wurden Absperrgitter entfernt und abtransportiert.



(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.06.2018, 11:49 Uhr

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