Aus der Quaibrücke wurde die «Gaybrücke»

In der Nacht auf heute Freitag ist die Gegend ums Zürcher Seebecken bunter geworden. Es handelt sich dabei aber nicht um eine Guerilla-Aktion. Im Gegenteil.

Spazieren über den Regenbogen: Die Zürcher Innenstadt ist kurz vor der Zurich-Pride besonders bunt.

Spazieren über den Regenbogen: Die Zürcher Innenstadt ist kurz vor der Zurich-Pride besonders bunt. Bild: Urs Jaudas / TA

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Das Zurich Pride Festival sorgt schon eine Woche vor dem Start für mehr Farbe in der City. Genauer sind am Bellevue, auf der Quaibrücke und beim Bürkliplatz überall Regenbogenfarben auszumachen – das weltweite Symbol für die LGBTIQ-Bewegung.

Doch wer nun denkt, hier seien Guerilleros oder Guerilleras am Start gewesen, irrt. Die Dienstabteilung Verkehr (DAV) der Stadt Zürich steckt hinter der Aktion. «Die Markierungen, Signalisationen, Aufkleber und das Namensschild der ‹Gaybrücke› wurden von uns angebracht», sagt DAV-Sprecher Heiko Ciceri. Die Farben wurden im Rahmen der Zurich Pride aufgemalt und werden nach Abschluss des Anlasses wieder entfernt.

«Wir haben dieses Konzept gemeinsam mit der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich erarbeitet. Die Ideen kamen massgeblich von ihnen», sagt Pride-Präsidentin Lea Herzig. Es sei ein klares Signal für die Haltung der Stadt, gegenüber anders liebenden und lebenden Menschen Toleranz zu zeigen. «Das finde ich grossartig, und ich freue mich sehr darüber.»

Aktion per Postulat gefordert

Laut Herzig werden die Regenbogenfarben bald überall in der Stadt zu sehen sein. «Auch öffentliche Verkehrsmittel und Gebäude werden damit beflaggt.» Dass die Stadt Farbe bekennt, liegt an einem Postulat von SP-Gemeinderätin Simone Brander und ihrem Parteikollegen im Rat, Alan David Sangines, das Ende März mit 92 zu 17 Stimmen bei 7 Enthaltungen angenommen wurde. Die beiden forderten ein deutliches «Regenbogen-Bekenntnis» der Stadt zum Anlass des 50-Jahre-Jubiläums der Stonewall-Aufstände sowie dem 25-Jahr-Jubiläum der Zurich Pride.

Wenig Anklang scheint die Aktion bei der Zürcher Sektion des Touring Clubs Schweiz zu finden. «Da spielt Verkehrssicherheit plötzlich keine Rolle mehr», kommentierten sie die bunten Zebrastreifen auf Facebook. «Wir nehmen diese Aussage zur Kenntnis, erachten die Verkehrssicherheit jedoch nicht als beeinträchtigt», sagt Heiko Ciceri dazu.

Regenbogenfarben und viel Violett

Das Pride-Festival dauert vom 14. Juni bis Samstag, 15. Juni. Die zahlreichen Veranstaltungen finden in diesem Jahr erstmals auf dem Sechseläutenplatz sowie in der Zürcher Stadthausanlage statt. Wichtigster Programmpunkt ist der Umzug am Samstagnachmittag, die politische Manifestation der LGBTIQ-Community der gesamten Schweiz.

Es ist ein ereignisreiches Wochenende für Zürich, denn am 14. Juni wird im Rahmen des Frauenstreiks ebenfalls eine grosse Kundgebung stattfinden. «Ich befinde mich in einem Dilemma, weil ich als Frau gerne auch am Streik mitmachen möchte, aber als Präsidentin an unserem Pride-Festival bleiben möchte», sagt Herzig. «Wir haben aber unser Möglichstes getan, damit wir mit unseren Events einander nicht in die Quere kommen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.06.2019, 11:34 Uhr

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