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Die Stadt bittet Senioren zur Kasse

Bewohner von Alterszentren, die noch bei guter Gesundheit sind, sollen zur Sanierung der Stadtfinanzen beitragen. Sie erhalten Betreuungsleistungen ab Januar nicht mehr zum Nulltarif.

Unter dem Posten Betreuung wird alles verrechnet, was die Krankenkassen nicht zahlen: Tanzveranstaltung in einem Alterszentrum. Bild: Dominique Meienberg
Unter dem Posten Betreuung wird alles verrechnet, was die Krankenkassen nicht zahlen: Tanzveranstaltung in einem Alterszentrum. Bild: Dominique Meienberg

Die Stadt Zürich will ihre Finanzen ins Lot bringen und opfert dafür ein Unikum: Den Null-Franken-Tarif in den städtischen Alterszentren. Die rüstigsten unter den Bewohnern mussten bisher für Betreuungsleistungen nichts zahlen. Ab dem 1. Januar 2015 kostet sie jeder Tag 10 Franken.

Dies ist einer der gewichtigsten Beiträge zur Entlastung des Budgets fürs kommende Jahr, das Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) gestern Dienstag präsentierte. Auf diesem Weg soll die Bilanz um 2,6 Millionen Franken verbessert werden.

Die Betreuungstaxen sind eine von drei Komponenten, aus denen sich die Rechnung eines Alterszentrums zusammensetzt. Die anderen beiden sind die Hotellerie, also die Kosten für die Unterkunft, und die Pflege. Unter Betreuung verrechnen die Zentren all jene Leistungen, die nicht von der Krankenkasse gedeckt sind: zum Beispiel den 24-Stunden-Pikettdienst, gemeinsame Aktivitäten oder Ausflüge.

3650 Franken mehr pro Jahr

Laut Pflegegesetz dürfen die Alterszentren ihren Bewohnern nur jene Betreuungsleistungen verrechnen, die diese auch tatsächlich in Anspruch genommen haben. Weil das in der Praxis mühsam zu erheben wäre, machen es sich die meisten Gemeinden einfacher, darunter auch die Stadt Zürich. Sie koppeln die Betreuungstaxen an jene für die Pflege. Das bedeutet: Je pflegebedürftiger ein Bewohner ist, desto mehr zahlt er automatisch auch für die Betreuung – und umgekehrt.

Die Zürcher Zentren verrechneten bisher für Alte, die kaum pflegebedürftig sind, gar nichts. Doch damit seien sie der Realität nicht gerecht geworden, teilte das Gesundheitsdepartement kürzlich mit. Auch solche Bewohner würden zum Beispiel vom 24-Stunden-Pikett für Notfälle profitieren – daher die neue Mindestbetreuungstaxe von 10 Franken pro Tag. Wegen dieser steigen die jährlichen Gesamtkosten für einen Bewohner ohne Pflegebedarf in einem einfachen Einzelzimmer von gut 47'000 auf fast 51'000 Franken (siehe Grafik).

Damit ist Zürich im Vergleich mit anderen Städten im Kanton immer noch günstig. Andernorts müssen Bewohner, die kaum pflegebedürftig sind, deutlich mehr für die Betreuung bezahlen. Winterthur zum Beispiel hat die gleiche Taxe unlängst fast verdoppelt, auf 41 Franken pro Tag, und damit Proteste in der Bevölkerung ausgelöst. Die jährliche Gesamtrechnung beträgt dort rund 60'000 Franken.

Aufwendige Bewohner kommen besser weg

Wer in Zürich wegen des Preisaufschlags in finanzielle Nöte kommt, hat laut Gesundheitsdepartement Anspruch auf Zusatzleistungen zur AHV/IV. Das bedeutet, dass ein Teil der Mehreinnahmen von 3,8 Millionen Franken, die sich die Stadt vom neuen Regime verspricht, durch zusätzliche Ausgaben von 1,2 Millionen aufgewogen wird.

Preisüberwacher hinterfragt Zürcher Taxsystem

Während die Stadtzürcher Alterszentren für kaum pflegebedürftige Bewohner teurer werden, werden im nächsten Jahr jene entlastet, die viel Pflege brauchen: Ihre tägliche Betreuungstaxe sinkt von 90 auf 70 Franken. Zürich war für diese Klientel bislang vergleichsweise teuer – und bleibt es weiterhin. Uster etwa verlangt nur 31 Franken.

Anders als in Zürich hat man sich dort entschieden, sämtlichen Bewohnern für die Betreuung einen Einheitstarif zu verrechnen, statt die Betreuungskosten an die Pflegebedürftigkeit zu koppeln. Ein direkter Zusammenhang lasse sich nicht nachweisen. Das Gegenteil ist der Fall: Studien zum Thema weisen darauf hin, dass Bewohner ohne schwere Gebrechen eher an Ausflügen und Aktivitäten teilnehmen und daher in mancherlei Hinsicht höhere Betreuungskosten verursachen.

Der Eidgenössische Preisüberwacher Stefan Meierhans findet, dass ein System wie in Uster daher grundsätzlich vorzuziehen ist. Noch bessere Noten bekam von ihm Dübendorf: Dort nimmt man den Aufwand in Kauf, die Betreuungskosten individuell nach Aufwand abzurechnen.

Auch Pflegezentren werden teurer

Die Stadt Zürich hebt ihre Betreuungsgebühren auch in den Pflegezentren an. Dort ist die Taxstruktur einfacher: Während der ersten 14 Tage zahlt jeder neu 60 Franken täglich statt wie bisher 55 Franken, danach 45 statt 40 Franken. Die Stadt verspricht sich davon eine um 1,8 Millionen Franken verbesserte Bilanz. Zusammen mit dem Preisaufschlag in den Alterszentren sind es 4,4 Millionen.

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