«Die Stadt weiss, was sie am ‹Tagblatt› hat»

Nach fast zehn Jahren erscheint das «Tagblatt der Stadt Zürich» mit neuem Design. Er musste einigen Wildwuchs aus der Zeitung entfernen, sagt Chefredaktor Andy Fischer.

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Morgen Mittwoch werden die Zürcherinnen und Zürcher ein neues Tagblatt in ihrem Briefkasten finden. Was wird sie erwarten?
Sie werden sicher nicht meinen, dass ihnen da eine völlig neue Zeitung ins Haus geflattert ist. Uns war beim Redesign wichtig, dass die Leserinnen und Leser die Publikation erkennen, deshalb haben wir nur ein sanftes «Facelifting» vorgenommen. In den neun Jahren seit der letzten Überarbeitung des Layouts hat sich viel Wildwuchs auf den Seiten eingeschlichen. Diesen haben wir nun eliminiert und die Zeitung luftiger und moderner gestaltet. Das Tagblatt kommt magaziniger daher.

Was heisst das genau?
Die Front hat beispielsweise ein anderes Erscheinungsbild erhalten. Die Headline ist nicht mehr ins Frontbild integriert, sondern erhält ein eigenes Feld. Generell ist die Seite entschlackt: Es hat weniger Info- und Bildmaterial, dafür ist sie übersichtlicher.

Gibt es auch neue Rubriken?
Auch hier haben wir vereinzelt Anpassungen vorgenommen. Unter anderem werden wir künftig jede Woche eine Zürich-Zahl präsentieren und mit wenigen Sätzen erläutern – beispielsweise die aktuelle Einwohnerzahl oder einen Schadstoffwert oder die Zahl der Badibesucher. Zudem gibt es neu die Rubrik «kurz und bündig», in der wir die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Woche in einer Spalte zusammenfassen.

Wird der Fokus des redaktionellen Teils der Zeitung verändert?
Nein, rund 90 Prozent der Veränderungen sind optische Anpassungen. Inhaltlich brauchte es keine grossen Anpassungen, denn das Tagblatt funktioniert gut so, wie es ist. Kleinere Änderungen der redaktionellen Abläufe oder publizistische Korrekturen nehmen wir ohnehin laufend vor. Unter anderem haben wir im vergangenen Jahr die «Deutsche Seite» wieder aufgehoben, die wir 2011 eingeführt haben. Auch die Rubrik «Was macht eigentlich …» gibt es seit kurzem nicht mehr.

Bekommen die bestehenden Inhalte mit dem veränderten Layout eine neue Gewichtung?
Ja, zum Beispiel unsere Portraitseite – ein eigentliches Filetstück des Tagblatts. Bisher gabs dazu links ein Bild und rechts den Text. Viele Leser haben gar nicht bemerkt, dass diese beiden Seiten zusammengehörten. Deshalb haben wir diesen Kernteil unserer Zeitung völlig umgestaltet. Auch im Informationsteil zu den Veranstaltungen werden wir neu ein «Highlight der Woche» präsentieren.

Vor neun Jahren wurde das Tagblatt letztmals layouterisch überarbeitet. Warum gibt es ausgerechnet jetzt ein Redesign?
Ich habe vor drei Jahren meine Stelle als Chefredaktor angetreten und wollte diesen Neustart nicht gleich mit einem Redesign beginnen. Es gehört aber zu den Aufgaben eines Chefredaktors, das Produkt auf dem neusten Stand zu halten. Und nach drei Jahren war eine Anpassung des Layouts angesagt.

Ende 2016 läuft der Vertrag als städtisches Amtsblatt von Zürich aus. Wollen Sie sich mit dem Redesign in die Poleposition für das Submissionsverfahren für einen neuen Vertrag mit der Stadt bringen?
Wir kennen die Auflagen noch nicht, die wir bei der Neuausschreibung erfüllen müssen. Wir wissen aber seit zehn Jahren, dass der Vertrag mit der Stadt auslaufen wird. Das beunruhigt uns nicht weiter. Ich bin zuversichtlich, dass wir wieder einen Vertrag als Amtsblatt der Stadt abschliessen können, denn die Stadt weiss, was sie am Tagblatt hat.

Erstellt: 02.06.2015, 14:21 Uhr

Der Chef

«Rund 90 Prozent der Veränderungen sind optische Anpassungen»: Andy Fischer, Chefredaktor des «Tagblatts der Stadt Zürich». (Bild: Nandor Nagy)

Die Zeitung

Am Mittwoch, 3. Juni 2015, erscheint das «Tagblatt der Stadt Zürich» mit einem neuen Layout. Die gestalterische Leitung des Redesign-Projektes lag bei Michael Keller, stellvertretender Layout-Chef der Pendlerzeitung «20 Minuten». Die neu gestaltete Wochenzeitung hat unter anderem eine klarer strukturierte Front, eine veränderte Bildsprache und eine leicht vergrösserte Textschrift, um die Lesbarkeit zu verbessern.

Die Gratiszeitung gehört den beiden Mediengruppen Tamedia (85 Prozent) und NZZ-Mediengruppe (15 Prozent). Die Auflage wird seit Anfang Mai schrittweise erhöht. Bis Ende Jahr streben die Macher der Zeitung eine Auflage von rund 127‘000 an – Aktuell liegt die beglaubigte Auflage bei rund 122‘000 Exemplaren.

Das «Tagblatt der Stadt Zürich» ist die älteste Zeitung der Schweiz. Die erste Ausgabe erschien vor mehr als 285 Jahren am 23. Februar 1730 unter dem Titel «Donnstagsnachrichten». Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich hat Tradition: Bereits 1863 schlossen die Zeitungsmacher einen ersten Vertrag als städtisches Amtsblatt ab. Ende 2013 kündigte der Zürcher Stadtrat den laufenden Vertrag mit der Zeitung auf Ende 2016, weil neue submissionsrechtliche Vorschriften eine öffentliche Ausschreibung der Konzession verlangen. (tif)

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