Die Stadt Zürich will einen neuen Namen für das Café Mohrenkopf

Die Pächter wollten das Lokal im Niederdorf schon länger umbenennen. Jetzt schreibt es die Liegenschaftenverwaltung neu aus – und fordert von den potenziellen Mietern Kreativität.

Trägt seinen Namen seit 1981: Das Café Mohrenkopf im Niederdorf. Foto: Sabina Bobst

Trägt seinen Namen seit 1981: Das Café Mohrenkopf im Niederdorf. Foto: Sabina Bobst

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Es hat den wohl umstrittensten Namen aller Zürcher Gastronomiebetriebe: das Café Mohrenkopf im Niederdorf. Schon seit seiner Eröffnung im Jahr 1981 trägt es ihn. Die Bezeichnung leitet sich von der denkmalgeschützten Liegenschaft aus dem Jahr 1826 ab, dem «Haus zum Mohrentanz». Ist das also einfach gelebte Tradition – oder schlicht rassistisch?

Sicher ist: Die Liegenschaft gehört der Stadt. Nun sucht diese per Herbst 2020 neue Pächter, weil der Vertrag mit den bisherigen nach zehn Jahren ausgelaufen ist. Seit 2010 wurde das Café von der Miteinander GmbH geführt, die im hellen Lokal eine Mischung aus einheimischer Küche, Kaffeehaus und süssen Spezialitäten anbot – inklusive der namengebenden Süssigkeit.

«Der Name hat uns eigentlich von Anfang an gestört», sagt Pächter Mischa Dieterich von der Miteinander GmbH. Bereits 2012 wollte ihn das Gastrounternehmen ändern, später sollte auch das Konzept anders werden. Mit diesem Wunsch wandte sich die Firma an die Liegenschaftenverwaltung. Diese wiederum lehnte ab, weil das Lokal bei einer Änderung des Konzepts neu ausgeschrieben werden müsse.

Bald ein Café Schokokuss?

In der Ausschreibung stellt jetzt auch die «Liegi» die Namensfrage: «Soll und darf man ihn heute noch verwenden?» Die Antwort lautet: Nein. Die Ausschreibung sei der richtige Zeitpunkt, mit einem neuen Namen in die Zukunft zu gehen.

Die neuen Bewerberinnen und Bewerber werden im Schreiben explizit dazu aufgefordert, Vorschläge für den zukünftigen Namen des Lokals zu machen. Jetzt darf spekuliert werden: Soll es in einer politisch korrekten Reminiszenz an die bisherige Namensgebung zum Café Schokokuss oder zum Café Schaumkuss werden? Oder wird die Erinnerung daran ganz getilgt? «Wir sind bei der Namensgebung offen», sagt Kuno Gurtner, Mediensprecher der Liegenschaftenverwaltung.

Die Auslage im Café Mohrenkopf. Foto: Sabina Bobst

Nicht mehr bewerben wird sich die Miteinander GmbH, der auch die Calvados-Bar am Idaplatz, Frau Gerolds Garten im Kreis 5 und weitere Szenelokale in der Stadt gehören. «Dass wir aufhören wollen, hat aber nichts mit dem Namen zu tun», versichert Dieterich. Vielmehr passe das Café im Niederdorf nicht mehr ins Portfolio des Gastrounternehmens. Es sei zu klein und nicht ausbaubar. Ausserdem fehle die Möglichkeit, Events durchzuführen. «Insgesamt handelt es sich um ein Liebhaberobjekt, in dem der Pächter auch an der Front sein sollte», sagt Dieterich. «Das können und wollen wir aber nicht.»

Das Haus der Äbtissin

Nebst der Vorgabe eines neuen Namens eröffne sich den neuen Bewerbern ein grosser Spielraum, schreibt die Liegenschaftenverwaltung. Sie macht aber klar, dass sie sich eine «quartierbezogene Gastfreundschaft, konstante Qualität und ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis» wünscht. Bevorzugt würden bediente Konzepte, die eine abwechslungsreiche Erna?hrung mit frischen, natu?rlichen Produkten böten. Auch solle möglichst regional, saisonal und ökologisch gewirtschaftet werden. Nicht infrage kämen ein reines Take-away-Restaurant oder eine Bar.

Übrigens ist das Café mit seinem politisch nicht ganz korrekten Namen in bester Gesellschaft. Nur einige Hundert Meter entfernt – am Neumarkt 13 – steht das «Haus zum Mohrenkopf», das seinen Namen gross in Stein gemeisselt trägt und in dem Zürichs letzte Äbtissin Katharina von Zimmern ihre letzten 17 Jahre verbrachte. Auch diese Liegenschaft gehört der Stadt. Eine Namensänderung war aber bisher kein Thema, sagt Kuno Gurtner. Die Situation sei ja auch ein wenig anders: Das Restaurant heisse seit knapp 40 Jahren so, die Liegenschaft am Neumarkt seit Jahrhunderten. Und offenbar hat diese bis heute auch keine Diskussionen ausgelöst: Ihm sei nicht bekannt, dass sich schon Mietparteien am Namen gestört hätten, sagt Gurtner.

Erstellt: 19.12.2019, 15:31 Uhr

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