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Die Stadtpräsidentin ist jetzt ein Kunstwerk

An der ­Bretterwand der Baustelle für das neue Kunsthaus hängen seit kurzem vier Porträts von Corine Mauch im Stil Andy Warhols.

Corine Mauch à la Warhol: Kunst an der Rämistrasse.
Corine Mauch à la Warhol: Kunst an der Rämistrasse.
zvg
Vier quadratisch kontrastreiche Porträts unserer Stadtpräsidentin.
Vier quadratisch kontrastreiche Porträts unserer Stadtpräsidentin.
zvg
Wellen und Sonnenuntergang an einem tristen Tag: Ein weiteres Bild desselben Künstlers.
Wellen und Sonnenuntergang an einem tristen Tag: Ein weiteres Bild desselben Künstlers.
Juliet Haller
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Briefe schreiben ist als Kunstform anerkannt. Das zeigen Herrn Hürzelers Bücher voller lustiger Schreiben. Oder Julien Prévieux’ Werk «Lettres de non-motivation». Der Franzose meldet sich auf Stelleninserate und begründet wortreich (und sehr sehr lustig), weshalb ihn das Interesse der Firma XY an seiner Arbeitskraft sehr ehre, ihn diese Stelle aber nun wirklich nicht interessiere. Einmal bloss verliert er die Contenance: «Weshalb, bitte, fragen Sie mich immer und immer wieder, ob ich interessiert sei an dieser Arbeit?»

Wir haben am Donnerstag ein Bekennerschreiben erhalten. Anonym. Per E-Mail. Nicht einmal die Mühe hat sich der Bekenner 2.0, die Bekennerin 2.0 gemacht, Buchstaben auszuschneiden und zu einem Text zusammenzukleben.

Bekannt hat er oder sie sich in den Zeilen zu Kunst. Zu Stadtverschönerung. Und da stellt sich natürlich schon die Frage: Braucht Kunst ein Bekennerschreiben? Oder sind Bekennerschreiben gar auch Kunst? Zumal die Kunst ganz legal an der Bretterwand angebracht wurde, welche die Baustelle für das neue Kunsthaus von der Rämistrasse trennt. Die Wand wurde hochoffiziell zur Gestaltung freigegeben. Was – das aber nur nebenbei – der Stadtpolizei nicht von Beginn an bekannt war: Wir wissen von einer Künstlerin, die an der Wand von der Stadtpolizei aufgegriffen und auf den Posten gebracht wurde. Wo sich das Missverständnis dann schnell auflöste.

Liechtenstein ist jetzt privat

Corine Mauch à la Warhol also. «I did it again!» lautet der Titel der Bekennermail. Vier quadratisch kontrastreiche Porträts unserer Stadtpräsidentin, alle in einem anderen Farbton. Der Hintergrund von oben links im Uhrzeigersinn: orange, blau, grün, rot. Verwendet haben die anonymen Künstlerinnen und Künstler ein Bild, auf dem Mauch etwas verkrampft lächelt. Als sei sie über sich selber in Warhol-Manier nur mittelmässig angetan.

Die Bekenner schreiben: «Wie vor fast einem Jahr mit einem Roy-Liechtenstein-Plagiat, haben wir in einer langen Nachtaktion nun ein Andy-Warhol-Plagiat an der Bauwand des Kunsthaus-Erweiterungsbaus, Seite Rämistrasse, gemalt. Wir sind erschöpft, aber stolz und glücklich!»

Interessant ist, was mit dem Liechtenstein-Plagiat von damals geschehen ist, das nicht mehr an der Bretterwand hängt. Eine eingezürcherte Variante des Werks «Oh, Jeff…I Love You, Too…But…» aus 1964. Hinter der blonden Frau am Telefon ragen die Türme des Grossmünsters ins Fenster, die Frau spricht Züritüütsch: «Ui nei! ... Grad vorher han ich ihn mit dere Bitch gsee!»

Die Bekenner schreiben dazu: «Ihr fragt euch, was mit dem verschwundenem Roy-Liechtenstein-Plagiat geschehen ist? Nun, ein privater Sammler hat sich das Stück Bretterwand wenige Tage, bevor ich daneben den Warhol anbringen wollte, abmontieren lassen, um es in seiner Wohnung aufzustellen!» Corine Mauch, finden wir, gehört auch verwarholt der Stadt. Und irgendwann ins Stadthaus.

Zu dieser Geschichte würden wir gerne mehr erfahren: Wo hängt das Bild? Wer entscheidet über den Verkauf aus der Kunsthaus-Bretterwand-Sammlung? Informanten und/oder Bekenner melden sich unter bellevue@tages-anzeiger.ch. Wir garantieren Anonymität!

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