Die Stunde der Wahrheit

Wie man das Stimmvolk für den Ausbau des Tagesschulprojektes gewinnt.

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Wenn Stadtrat Gerold Lauber (CVP) im Frühling einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin Platz macht, wird er sein Büro als Mister Tagesschule verlassen. Nicht immer hat der Walliser bei seiner Arbeit Enthusiasmus versprüht. Wenn er jedoch über die ­Tagesschulen sprechen konnte, war fast immer sein inneres Feuer zu spüren.

Tagesschulen sind aber nicht nur ein Herzens­anliegen von Schulvorsteher Lauber, sondern auch wertvoll für Zürich. Sie ziehen gut situierte Familien an, fördern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und bringen folglich frisches Blut in die Stadt. Kurz: Tagesschulen liegen gesellschaftlich im Trend und sind ein Standortvorteil.

Allerdings ist deren Einführung in Verzug geraten. Noch vor wenigen Jahren hat Lauber versprochen, bis 2025 alle Schulen auf Tagesschulbetrieb umzustellen. Davon ist er weit entfernt. Es wird mindestens fünf Jahre länger dauern, wenn die flächen­deckende Einführung überhaupt je stattfindet. Denn jetzt wird erst einmal das Volk befragt.

Die Stimmberechtigten ­wollen pädagogische und erzieherische Vorteile sehen.

Die Chancen in einer Abstimmung stehen zwar gut. Die öffentliche Schule geniesst einen hervorragenden Ruf. Investitionen in diese Institution werden meist gutgeheissen, vor allem im rot-grünen Zürich. Doch dieser Fall könnte aus finanziellen Gründen komplizierter werden als eine Abstimmung über ein neues Schulhaus. Allein für die Umstellung von 24 Schulen auf Tagesschulbetrieb sind vier Steuer­prozente oder 68 Millionen Franken nötig. Und ein Teil dieser Kosten ist sogar wiederkehrend.

Lauber wird zwar den Stimmberechtigten nicht mehr selber erklären müssen, welchen Mehrwert sie für das Geld bekommen. Doch für seinen Nachfolger wird das zur Herausforderung. Denn Mittagstische und Horte für die ausserschulische Betreuung gibt es in den Zürcher Schulen ja schon heute – mit dem Unterschied, dass die Eltern deutlich höhere Beiträge zahlen. Es wird in dieser Stunde der Wahrheit also vor allem darum gehen, den Stimmberechtigten ­pädagogische und erzieherische Vorteile von Tagesschulen aufzuzeigen.

Erstellt: 05.09.2017, 21:34 Uhr

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