Zum Hauptinhalt springen

Die Swisscom und ihre Bodenschätze

Zürich-Redaktor Ruedi Baumann über die neuen Handyantennen in Schächten.

MeinungRuedi Baumann

Einst verkaufte Pfarrer Sieber der Swisscom ein Wegkreuz vor seiner Drogenstation Sunnedörfli, um darin eine Handyantenne zu verstecken – für ein paar ­Franken, die er gut gebrauchen konnte. Das war echt lustig. Schmunzeln kann man auch über die Auf­regung, welche die neuste Swisscom-Camouflage auslöst: Handyantennen unter Dolendeckeln, die aus Hightechplastik derart geschickt gestaltet sind, dass die den gusseisernen Schachtdeckeln täuschend ähnlichsehen. Bereits fordern die Gegner ein «absolutes Fahr- und Halteverbot für Kinderwagen» und knallgelbe Warndreiecke auf den Schachtdeckeln, wie sie sonst an der Eingangsschleuse zu einem Atomkraftwerk prangen. Die Stadt Zürich wiederum will keine gelben Dreiecke «auf international bedeutsamen Strassen» – alle Schachtdeckel müssten gleich «materialisiert» sein. Die Marronihäuschen lassen grüssen.

«Handygegner und Strahlenphobiker sind nun mal stur.»

Doch wirklich lustig ist das nicht. Handygegner und Strahlenphobiker sind nun mal stur. Warum sie grundlos ärgern? Es gibt zudem Leute, die unter Strahlen leiden. Rund die Hälfte der Schweizer Be­völkerung hat zumindest Respekt vor negativen Auswirkungen von Handyantennen. Da würde es dem Zürcher Stadtrat gut anstehen, sich nicht aus Gründen der internationalen Ausstrahlung – sic! – seines Stadtbilds gegen die Markierung von Bodenantennen zu wehren. Die Berner haben kurz entschlossen eingewilligt. Technisch gesehen, sind diese Antennen sinnvoll, weil sie nur schwach strahlen und einfach eingebaut werden können. Glasfasernetz und Strom sind im Untergrund meist vorhanden. Doch wer nicht auf einer Antenne stehend aufs Tram warten will, der soll das nicht unwissentlich tun müssen. Irgendeine ­Markierung dieser Deckel trübt das Stadtbild nicht.

Echt tragisch ist die grosse Diskrepanz in der ­Bevölkerung. Den sturen Handyverweigerern steht eine wachsende Zahl von sorglosen Quasselstrippen gegenüber, die ihr Handy kaum vom Ohr kriegen. Dass sie ihr Hirn stundenlang zum Glühen bringen, ist ihr ­Problem. Doch sie malträtieren auch ganze Zug- und Tram­abteile. Das stört echt mehr als diese paar leicht strahlenden Dolendeckel.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch