Die lange Geschichte ums neue Hardturm-Stadion

Zürich braucht unbedingt ein neues Fussballstadion: Ein Überblick über die bisher gescheiterten Versuche.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit acht Jahren liegt das Hardturmareal brach. Alle Versuche, ein neues Fussballstadion darauf zu bauen, scheiterten. Die Stadt Zürich gibt aber nicht auf. Heute präsentieren die Stadträte Daniel Leupi (Grüne), Gerold Lauber (CVP) und André Odermatt (SP) das Siegerprojekt des Investorenwettbewerbs für ein Fussballstadion in Zürich-West, Hardturmareal. Die Präsentation wird das neuste Kapitel einer Geschichte, die schon Jahrzehnte dauert – ein Überblick:

  • 2003: Die Zürcher stimmten im September 2003 über das sogenannte Pentagon-Projekt ab. Ein Stadion, das 30'000 Zuschauer gefasst hätte und in dessen Mantelnutzung ein Shoppingcenter und ein Hotel entstanden wären. Die Credit Suisse (CS) sollte es bauen, die Stadt sich mit 47,7 Millionen Franken daran beteiligen. Das Pentagon hätte 2008 Austragungsstätte von EM-Spielen werden sollen. Das Stimmvolk hielt das damals für eine gute Idee und nahm das Projekt an der Urne deutlich an.
  • 2004: Während das Stimmvolk Ja zum Pentagon-Stadion sagte, hatten einige Anwohner etwas dagegen. Das Projekt wurde durch verschiedene Einsprachen blockiert. Bald war klar, das Stadion könnte nicht bis zur EM 08 fertig werden.
  • 2005: Da der Hardturm vielleicht nicht rechtzeitig auf die EM fertig sein würde, forcierte der Stadtrat den Neubau des Letzigrund, der ursprünglich als reines Leichtathletikstadion geplant war. Im Juni 2005 hiessen die Stimmbürger den Neubau und einen 11-Millionen-Zusatzkredit für die Eurotauglichkeit des Stadions gut.
  • 2007: Im August wurde das neue Letzigrundstadion eröffnet. Im September fand das letzte Spiel im Hardturm statt. GC verlor gegen Neuchâtel Xamax 1:2.
  • 2008: Die Nationalteams von Italien, Frankreich und Rumänien spielten im Sommer an der EM im Letzigrund. Im Dezember wurde der Hardturm abgerissen. Seither liegt das Areal brach.
  • 2009: Die Credit Suisse hatte genug. Der Rechtsstreit, der den Pentagon-Bau blockiert hat, dauerte weiter an. Die Grossbank stieg aus dem Projekt aus und verkaufte das Areal für 50 Millionen Franken der Stadt, die nun selber ein Stadion bauen wollte.
  • 2010: Die Pläne der Stadt Zürich für das neue Stadion unterschieden sich deutlich von denjenigen der CS: Noch halb so gross sollte es sein und 16'000 Zuschauern Platz bieten. Anstelle einer Mantelnutzung mit Shoppingcenter und Hotel sollten gemeinnützige Wohnungen errichtet werden. Die Fussballclubs FCZ und GC unterstützten das Vorhaben.
  • 2011: Der Stadtrat startete den Wettbewerb für das neue Stadion.
  • 2012: Das Badener Büro Burkard Meyer Architekten gewann den Wettbewerb.
  • 2013: Aus der Traum: 216 Millionen Franken hätte das neue Hardturmstadion gekostet. Zehn Jahre waren seit der ersten Abstimmung über das Pentagon-Projekt vergangen, und die Stimmbürger hatten ihre Meinung geändert. Sie sagten knapp Nein zum Stadion (das Nein-Lager konnte 1747 Stimmen mehr hinter sich vereinen). Kurz nach der Niederlage haben GC und FCZ mit der Immobilienfirma Halter neue Pläne für eine Fussballarena vorgestellt, in Altstetten oder Dübendorf.
  • 2014 bis …: Die Stadt Zürich schrieb einen Investorenwettbewerb für ein neues Hardturmstadion aus. Sie erteilte den Ideen von GC und FCZ eine Absage. Der Auftrag: ein Fussballstadion mit 16'000 Plätzen und 175 gemeinnützigen Wohnungen und ein weiteres Investorenprojekt. Fünf Bewerberteams machten mit.

Diese Teams haben sich um das neue Hardturmstadion beworben:

Team 1: der Schweizer Ableger der holländischen BAM Group und die Hardturm AG. Die Architekten sind Burkard und Meyer. Sie hatten das Siegerprojekt entworfen, welches das Volk 2013 abgelehnt hat.

Team 2: die HRS Real Estate. Sie hat die Arena in Thun gebaut und diejenige in Aarau geplant. Investorin ist die Swisscanto (ZKB). Wie in Thun sind Pool Architekten mit von der Partie.

Team 3: die Losinger Marazzi AG, die die grössten Schweizer Fussballstadien gebaut hat: in Basel und Bern. Das Geld kommt von den Anlagestiftungen Turidomus und Adimora sowie von der Basler Versicherung. Von Architektenseite zeichnet die dänische BIG Group verantwortlich.

Team 4: Angeführt von der Mettler 2 Invest, macht sich die Theo Hotz Partner AG Gedanken zum Stadion. Als Architekt Hotz (87) noch aktiv war, hatte er ein Multiplexstadion für den Hardturm projektiert und sich für den Letzigrund interessiert.

Team 5: Unter der Führung der Projektmanager von Stokar + Partner sowie Caretta Weidmann engagiert sich ein Konsortium von Immo Helvetic, Berninvest und Immo Invest Partner. Architekten sind Huggenbergerfries, Schwaar + Partner sowie Maier Hess.

Ab 10.30 Uhr berichtet Tagesanzeiger.ch/Newsnet live von der Pressekonferenz.

Erstellt: 12.07.2016, 11:50 Uhr

Artikel zum Thema

Diese Teams wollen das neue Fussballstadion bauen

Fünf Gruppen beteiligen sich am städtischen Wettbewerb für die neue FCZ- und GC-Arena. Mit dabei sind bekannte Architekten. Mehr...

Diese Teams wollen das neue Fussballstadion bauen

Fünf Gruppen beteiligen sich am städtischen Wettbewerb für die neue FCZ- und GC-Arena. Mit dabei sind bekannte Architekten. Mehr...

Hardturmstadion soll doch kommen

Wende im Stadionstreit: Der Zürcher Stadtrat will das abgelehnte Projekt auf dem Hardturm dennoch bauen. Um die Kosten zu senken, wird ein wesentlicher Teil des Vorhabens geändert. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...