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Die ungerufene Prominenz am Kispiball

550'000 Franken brachte der Ball ein – was wegen der schrillen Prominenten fast unterging.

Als er sie zur Tanzfläche führte, leicht gebeugt und einen halben Kopf kleiner als sie, als er mit ihr tanzte und die Schleppe ihres bauchfreien Kleids am Boden zusammenraffte und ihr galant über den Arm drapierte, da waren alle Kameras auf sie gerichtet. Auf Richard Lugner, Wiener Bauunternehmer, Frauenverehrer und gerade 80 geworden, und auf Irina Beller, gebürtige Ukrainerin und Gattin des Zürcher Bauunternehmers Walter Beller. Seit ihren exaltierten Auftritten an Bällen und im Fernsehen ist ihr Name untrennbar mit dem Wort «schrill» verbunden.

Fotografiert und ignoriert

Die Kameras lieben die Bellers, und am Samstag liebten sie sie ganz besonders; nur Tage zuvor war bekannt geworden, dass der Bauunternehmer sein Pendant aus Wien einfliegen lässt. Und gleichentags war im «Tages-Anzeiger» zu lesen, dass das Paar «wegen seiner Dominanz» von der Eröffnungsfeier jenes Casinos ausgeladen worden war, das Beller im Ober-Haus gebaut hat. Lugner, er war mit seiner Tochter Jacqueline (18) gerade mit dem Rolls-Royce ins Baur au Lac chauffiert worden, wo er erstmals auf Beller traf, schüttelte den Kopf. «Das ist die Schweiz.» Das Land, wo noch vor 30 Jahren alle Lokale um Mitternacht zugesperrt worden seien – wie in Wien der Zentralfriedhof. «Wenn einer erfolgreich ist und seine schöne Frau mit Schmuck behängt, hat er sofort Neider.»

Anders als von den Kameras wurden die Bellers und Lugners von den über 500 Ballgästen gekonnt ignoriert. Wohl fielen am einen oder anderen Tisch die Worte «ordinär» oder «peinlich», mehr Aufmerksamkeit wollte man ihnen nicht zugestehen; ob es sich um einen Bauunternehmer oder um einen Botschafter in Berlin handelt, in der Schweiz kommt es schlecht an, wenn sich einer aus der Masse herausheben und die anderen überstrahlen will.

550 000 Franken für ein Stoffwechselgerät

Auch die Ballveranstalter waren nicht sehr glücklich über die ungerufene Prominenz, welche die mediale Aufmerksamkeit vom eigentlichen Zweck des Anlasses abzog und ihn zu ihrer Bühne machte; Michel Rey und Felix Sennhauser, die Direktoren von Baur au Lac und Kinderspital, haben ihn vor sieben Jahren ins Leben gerufen, um das Spital finanziell zu unterstützen und Bewusstsein für dessen Bedürfnisse zu schaffen. Mit dem Reinerlös des Abends von 550'000 Franken will es zum Kauf eines Analysegeräts beitragen, das den Stoffwechsel von Kindern untersucht, die seit Geburt an einer Erkrankung des Nervensystems leiden. Das Spital ist von jeher auf Gelder von Gönnern angewiesen, um in der Kindermedizin eine Vorreiterrolle einnehmen zu können.

Die Veranstalter selber laden nur zurückhaltend Prominente ein, und so fanden sich auf deren VIP-Liste ein ehemaliger Verwaltungsratsvizepräsident der UBS, ein Mitinhaber einer Werbeagentur und mehrere Mediziner – hochkarätige zwar, aber einer breiten Bevölkerung unbekannt. Ausserhalb der Liste hoben Silvia Affolter und Karina Berger, die Missen von 1984 und 1988, sowie Ex-Skirennfahrer Primin Zurbriggen den Glamourfaktor. Von Lugners Kommen haben die Veranstalter aus der Zeitung erfahren; viele Gäste «kaufen» wie Walter Beller gleich einen ganzen Tisch – wobei eine Ballkarte pro Person 750 Franken kostet – und laden ihrerseits Gäste ein.

Kassenschlager Vollenwyder

Neben den Bellers, Lugners und Missen fanden sich am Ball auch unauffälligere Prominente, Ljuba Manz etwa, Besitzerin des Hotels St. Gotthard, FDP-Nationalrätin Doris Fiala oder FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder. Sie alle sind mit dem Spital verbunden, weil sie schon ihre Kinder dorthin brachten. «Zum Glück nur wegen eines Lochs im Kopf», sagte Fiala. Vollenwyder, Vater von drei Töchtern, meinte: «Ich war dort eine Zeit lang ein richtiger Kassenschlager.» Manz, die wie Fiala in der Nähe des Spitals wohnt, sagte, sie höre nachts oft Helikopter landen. «Dann bin ich froh, dass es das Kispi gibt. Und hoffe, dass die Ärzte den Kindern helfen können.»

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