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Die Urzürcher sind gar nicht so urban

Im Quartier Friesenberg leben am meisten Stadtzürcher Ureinwohner. Es ist ein besonderer Mix, der die Menschen dort so sesshaft macht.

Ein Quartier verändert sich: Alt-Stadträtin Esther Maurer auf der aktuellen Grossbaustelle im Friesenberg. Foto: Doris Fanconi
Ein Quartier verändert sich: Alt-Stadträtin Esther Maurer auf der aktuellen Grossbaustelle im Friesenberg. Foto: Doris Fanconi

Spontan hätte ich getippt, dass am Zürichberg die Stadtzürcher Ureinwohner prozentual am stärksten vertreten sind. Denn wer zieht schon freiwillig aus einer dieser schönen Villen aus? Da müssen doch die Generationen der alten Zürcher Geschlechter überdauern. Weit gefehlt. Die Statistik zeigt, dass in den Quartieren Fluntern und Oberstrass unterdurchschnittlich viele Urzürcher wohnen. 15,8 Prozent sind es in Fluntern, 17,2 Prozent in Oberstrass. Im kantonalen Schnitt sind es 19 Prozent.

Am sesshaftesten sind nicht die Innerstädter, sondern jene, die am Rande wohnen. Spitzenreiter ist Friesenberg mit einem Anteil von 31,9 Prozent an Einwohnern, die in der Stadt geboren wurden. Judith Riegelnig von Statistik Stadt Zürich sagt: «In Friesenberg leben viele Familien. Die Kinder treiben den Anteil der Urzürcher dort hoch.» Doch auch wenn wir die unter 19-Jährigen abziehen, bleibt Friesenberg vorn. Riegelnig: «Zudem gibt es dort viele Einfamilienhäuser, in denen die Personen eher wohnen bleiben.» Tatsächlich zeigt sich: In der Stadt liegt der Anteil an Einfamilienhäusern bei 18 Prozent. In Friesenberg sind es 60, in Saatlen 52 Prozent. Wobei die Häuser eher Häuschen als Villen sind. Einfamilienhäuser sind meist Wohneigentum – und das wird vererbt. Im Langstrassenquartier, das mit 9,3 Prozent am wenigsten Urzürcher aufweist, gibts kaum Einfamilienhäuser.

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Wohneigentum allein macht den Unterschied aber nicht aus. Auch genossenschaftlicher Wohnungsbau scheint mitzuspielen. Und hier hat der Friesenberg den richtigen Mix: Viele Einfamilienhäuser und viele Genossenschaften – bei 55 Prozent der Wohnungen sind Genossenschaften die Eigentümer. Auch in Saatlen sind 60 Prozent der Wohnungen genossenschaftlich organisiert. Und wenn wir Unter- und Oberstrass anschauen, liegt dort der Unterschied: In beiden Quartieren ist der Anteil an Einfamilienhäusern fast gleich. In Unterstrass sind aber bei 25 Prozent der Wohnungen Genossenschaften die Eigentümer, in Oberstrass bei 5 Prozent. Der Anteil Urzürcher beträgt in Unterstrass 20,3, in Oberstrass 17,2 Prozent.

Und der Ausländeranteil?

Wenn wir die Statistik von unten her anschauen, fällt das Quartier Langstrasse auf. Verglichen mit dem Friesenberg sind wir schnell beim Thema Ausländeranteil: An der Langstrasse liegt er bei 40 Prozent, am Friesenberg ist er mit 19,8 Prozent der niedrigste der Stadt. Der Ausländeranteil mag für die Langstrasse ein plausibler Faktor sein, gilt aber nicht generell: So weisen Höngg und Altstetten fast denselben Anteil an Urzürchern auf: In Altstetten beträgt der Ausländeranteil aber gut 35, in Höngg weniger als 23 Prozent. Wagen wir es, das Bild des typischen Urzürchers zu zeichnen: Er ist Bewohner einer der mittelständischen Quartiere, die seit den 1950er-Jahren am Rande der Stadt gebaut wurden. Er lebt dort mit seiner vierköpfigen Familien behaglich entweder in einem (Reihen-)Häuschen mit vier bis fünf Zimmern oder in ­einer wohlfeilen Genossenschaftswohnung mit Grün rundum.

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