Die Velos stapeln sich in Altstetten

Schon in den frühen Morgenstunden sind beim Bahnhof Altstetten alle Veloparkplätze belegt. Was nun?

Stau am Morgen: Beim Bahnhof Altstetten sind die Veloparkplätze ausgebucht.

Stau am Morgen: Beim Bahnhof Altstetten sind die Veloparkplätze ausgebucht. Bild: Urs Jaudas / TA

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Jeden Morgen ärgert sich Sandra Schneider*. «Wenn ich um 7 Uhr mit dem Velo zum Bahnhof Altstetten fahre und es hier parkieren will, ist schon längst alles voll.» Sie verliere jedes Mal viel Zeit, um irgendwo doch noch einen Platz zu finden, wo sie ihr Fahrrad hinstellen und am Abend wieder rausbekommen könne. «Ich überlege mir ernsthaft, ob ich das Velo erst gar nicht mehr benutzen soll.»

Dass Schneider umsatteln will und mit ihr vielleicht noch weitere verärgerte Velofahrende, steht im Widerspruch zu den Zielen der Stadt. Diese will nämlich mit ihrem Masterplan Velo möglichst viele Personen dazu bringen, das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel zu nutzen. Deshalb hat sie auch beim Bahnhof Altstetten vor Jahren Veloabstellplätze eingerichtet.

Weniger Parkplätze wegen Bauarbeiten

Doch jetzt herrscht dort ein Ausnahmezustand: Seit vergangenem Frühling modernisieren die SBB die Unterführung des Bahnhofs. Die Arbeiten dauern noch bis Ende 2020. Die Bauinstallationen nehmen viel Platz in und um den Bahnhof in Anspruch – Platz, der davor für Velos zur Verfügung stand.

Evelyne Richiger, Leiterin Kommunikation beim Zürcher Tiefbauamt, bestätigt, dass es aufgrund der Bauarbeiten weniger Veloabstellplätze gibt. Erschwerend komme hinzu, dass in den wärmeren Monaten immer mehr Velo gefahren werde. «Wir kennen diese Problematik und suchen bereits nach einer Lösung», sagt sie und fügt gleichzeitig hinzu, dass es schwierig sei, eine gute Alternative zu finden.

In Altstetten versucht es die Stadt mit flexiblen Varianten. «Mit dem Baufortschritt werden immer wieder neue Flächen belegt und teilweise andere frei. Dann muss man jeweils schauen, ob sich neue Möglichkeiten für Veloabstellplätze ergeben», sagt Richiger.

Oben drüber statt unten durch

Die Unterführung am Bahnhof Altstetten wird umgebaut. (Video: TA/Tina Fassbind)

Zu viele «Veloleichen» in Altstetten?

Bleibt zu hoffen, dass die Stadt bald neue Möglichkeiten findet, um den momentanen Engpass zu überbrücken. Oder dass zumindest die Plätze, die derzeit zur Verfügung stehen, nicht von ungenutzten Fahrrädern verstellt werden. «Ich habe den Eindruck, dass es aussergewöhnlich viele Veloleichen auf den Parkplätzen hat. Ich sehe dort immer dieselben Velos, die nie weggeschafft werden», sagt Schneider.

Wo ein Wille, da ein Platz fürs Velo: Weil die Parkfelder voll sind, hängen einige ihre Räder auf (Bild: Urs Jaudas /TA)

Für die Räumung vergessener Räder ist Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) zuständig. Am Bahnhof Altstetten führt ERZ gemäss Velo-Ordnung viermal pro Jahr eine Überprüfung durch. Fällt den ERZ-Mitarbeitenden dabei ein Velo auf, das schon seit längerem an derselben Stelle steht, dann wird es auf der Lauffläche markiert. Nach 30 Tagen erfolgt eine weitere Kontrolle. Wurde das Velo in der Zeit nicht bewegt, sammelt ERZ es ein. Ist es nicht als gestohlen gemeldet, geht es nach weiteren 90 Tage an die sozialen Einrichtungen und Betriebe der Stadt, die es für die Velobörse reparieren.

2024 starten Bauarbeiten für Velostation

Geduld ist bei den Velofahrenden auch nach Ende der Bauarbeiten am Bahnhof gefragt. Zwar will die Stadt die Unterführung im Westen für Radfahrer ausbauen und dort eine Velostation einrichten. Laut Richiger rechnet man beim Tiefbauamt aber erst im Jahr 2024 mit dem Beginn der Bauarbeiten.

Die Engpässe bei den Veloparkplätzen ärgern auch Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo. «Die derzeitige Situation ist sehr unbefriedigend», sagt er, «aber im Gegensatz zu anderen Zürcher Bahnhöfen – insbesondere dem Bahnhof Hardbrücke – ist in Altstetten wenigstens mittelfristig gesichert, dass genügend Veloabstellplätze angeboten werden.»

* Name der Redaktion bekannt

Erstellt: 27.05.2019, 11:20 Uhr

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