Die zahlreichen Pläne für den Rosengarten

Seit 100 Jahren wird versucht, die Transitachse in Wipkingen weiterzuentwickeln. Darunter war auch eine ungewöhnliche Idee.

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So verheissungsvoll der Name, so stinkig und umstritten ist sie: Die Rosengartenstrasse, die mitten durch den Zürcher Stadtteil Wipkingen führt, gehört zu jenen Achsen in Zürich, über die am meisten diskutiert wird. Derzeit gerade im Zürcher Kantonsrat, wo das Parlament das Projekt Rosengartentram und Rosengartentunnel für rund 1 Milliarde Franken berät.

Der Rosengarten war schon immer mehr, als sein Name versprach: ein wichtiger Abschnitt einer Handelsachse. Entsprechend gab es schon Anfang des 20. Jahrhunderts Pläne, das Fortkommen auf dem Abschnitt zwischen der Limmat und dem Bucheggplatz zu überwinden. Sprich: von etwas mehr als 400 Metern über Meer auf den Hügel auf gut 70 Meter höher.

Handelsweg von Süd nach Nord

Bereits in der Hallstatt-Zeit (800 bis 450 vor Christus) war die Rosengartenstrasse Teil des kontinentalen Handelsweges. Das bezeugen Münzenfunde am Bucheggplatz, wie sie auf der ganzen Route von Süden nach Norden entdeckt worden waren. Diese führte vom Grossen St. Bernhard ins Wallis, über Grimsel und Brünig ins Mittelland und zu den Lägern. Vor dem Zürichsee querte sie in Wipkingen die Limmat nach Norden.

Ab 1844 transportierte ein konzessionierter Fährbetrieb das Volk über die Limmat. Die Brücke über die Limmat wurde 30 Jahre später gebaut und war die erste zwischen Baden und Zürich. 1898 kam der Tramsteg dazu.

Anfangs gab es in Wipkingen separate Brücken für Tram und Fuhrwerke über die Limmat. Das Kirchlein links musste 1910 wegen zu hohen Verkehrsaufkommens abgebrochen werden. Bild: PD

Nach der Jahrhundertwende nahm der Verkehr auf der Achse zu. Als Folge liess das Dorf 1910 das alte Kirchlein in Wipkingen abbrechen. Es lag an Stelle der heutigen Viventa-Schule am Ufer der Limmat.

Eine Standseilbahn mit Wasser

Um die Steigung zur Buchegg zu überwinden, plante man in den 1920er-Jahren eine Standseilbahn. Diese sollte mit Wassertanks angetrieben werden und Fuhrwerke, Personen, Pferde und Lasten transportieren. In Freiburg verkehrt heute die einzige Bahn dieser Art in der Schweiz. 1899 gebaut, besser bekannt unter dem Namen Funi, angetrieben mit Abwasser. Die Bahn in Wipkingen wäre mit Wasser der Käferbergquelle gespiesen worden. Ein ähnliches Seilbahnprojekt gab es übrigens auch einmal von der Limmattalstrasse in die Waid hinauf. Beide Projekte wurden aber wieder verworfen.

1934 wird die Rosengartenstrasse ausgebaut und begradigt. Dafür riss man das Gärtnerquartier und den Dorfkern von Alt-Wipkingen ab. Strassen galten damals als Adern der Volkswirtschaft. Dass die Zahl der Automobile dereinst derart zunehmen würde, sah die Wipkinger Bevölkerung damals nicht voraus.

Widerstand gegen die Pesttangente

Die Stadtzürcherinnen und -zürcher sagen 1965 Ja zum Ausbau der Rosengartenstrasse. Im Kreis 10 mit rund 4500 zu 1200 Stimmen. Sie sollte als Provisorium zur Westtangente ausgebaut werden, weil sich der Bau der Ypsilon-Autobahnidee verzögert hatte. Schon bald nach der Eröffnung der Westtangente 1972 ist die Bevölkerung Wipkingens empört. Mit so viel Verkehr hatte sie nicht gerechnet. Im Volksmund wird der Streckenabschnitt «Pesttangente» genannt.

100 Jahre Rosengartenstrasse:

In den Jahren darauf kommt es zu zahlreichen Protesten. Jener 1974 legt den Verkehr lahm. 1990 wird ein erstes Projekt des Waidhaldetunnels lanciert. Dieser sollte vom Bucheggplatz unter der Limmat durchführen und beim Toni-Knoten in die Pfingstweidstrasse münden. Das zweite Projekt Waidhaldetunnel sieht 2005 eine verkürzte Variante vor. Eine 4-spurige Strasse hätte unterhalb des Eisenbahnviadukts der Käferberglinie über die Limmat führen sollen. Die heutige FDP-Regierungsrätin Carmen Walker Späh war damals Co-Präsidentin des Komitees Pro Waidhaldetunnel. Sie ging von 300 Millionen Franken Baukosten für den Tunnel aus und rechnete mit der Eröffnung 2022.

Vom Waidhalde- zum Rosengartentunnel

Der Kantonsrat nimmt den Waidhaldetunnel mit Unterquerung der Limmat 2007 in den Richtplan auf. Wegen des Grundwasserschutzes sieht der Regierungsrat die Variante aber als nicht bewilligungsfähig an.

2010 verwirft das Stadtzürcher Stimmvolk mit einer Zweidrittelmehrheit ein Tram ohne Lösung für den Strassenverkehr. Carmen Walker Späh, damals noch FDP-Kantonsrätin, pocht 2012 auf eine Motion, welche die Regierung verbindlich beauftragt, mit der Stadt eine Kreditvorlage für den Waidhaldetunnel zu erarbeiten. Der Kantonsrat heisst die von der Kommission für Planung und Bau eingereichte Motion gut.

Die Kantonsregierung und der Stadtrat legen 2013 das Konzept Rosengartentunnel mit Rosengartentram vor. Das Quartier steht dem Projekt gespalten gegenüber. Die einen begrüssen die Aufwertung des Quartiers, die anderen finden das Geld falsch investiert und fordern eine Beruhigung der Strasse mit Tempo 30, Lichtsignalen und Zebrastreifen.

Erstellt: 04.02.2019, 09:36 Uhr

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