«Die Zürcher Bahnhofstrasse sieht bald aus wie irgendeine Strasse»

Publizistin Esther Girsberger weibelte mit der IG Manor für den Verbleib des Warenhauses. Im Interview sagt sie, was ihr fehlen wird.

«Ich glaube, die Sympathie und die Unterstützung der Stadt war da»: Publizistin Esther Girsberger kämpfte für den Standort Bahnhofstrasse. Foto: Reto Oeschger

«Ich glaube, die Sympathie und die Unterstützung der Stadt war da»: Publizistin Esther Girsberger kämpfte für den Standort Bahnhofstrasse. Foto: Reto Oeschger

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Was bedeutet die Schliessung des Manors an der Bahnhofstrasse?
In erster Linie ist es eine weitere Verarmung der Bahnhofstrasse Zürich, die bald schon einmal aussieht wie irgendeine Bahnhofstrasse in irgendeiner Stadt.

Das hängt allein vom Manor ab?
Der Manor ist architektonisch einzigartig. Es ist auf den ersten Blick klar, dass das über hundertjährige Gebäude aussen und innen als Warenhaus konzipiert wurde. Auch mir als regelmässiger Kundin wird fehlen, dass ich dieses Traditionshaus nicht mehr in seiner ursprünglichen Funktion werde geniessen können. Und der Manor ist das Warenhaus an der Bahnhofstrasse, das erschwinglich ist für den Mittelstand. Dementsprechend ist die Frequenz sehr hoch. Es sind ja nicht nur Zürcherinnen und Zürcher, die hier einkaufen. Manor hat eine Anziehungskraft weit darüber hinaus. Diese Anziehungskraft für ein breites Publikum verschwindet mit dem Verschwinden von Manor Bahnhofstrasse.

Was denken Sie, wie entwickelt sich die Bahnhofstrasse in Zukunft?
Der ganze Onlinehandel wächst sehr stark. Machen wir uns darum nichts vor: Diese Entwicklung wird weitergehen. Was für die Durchmischung an der Bahnhofstrasse extrem schade ist. Und in allererster Linie für die Mitarbeitenden. Wir haben uns für eine lebendige Bahnhofstrasse eingesetzt – aber der Stellenabbau steht im Moment im Vordergrund. Wir hoffen, dass für alle eine Lösung gefunden werden kann!

Es laufen verschiedene langjährige Rechtsstreitigkeiten. Hat Manor zu hoch gepokert und sich verrechnet?
Nein. Manor hat sich – auch im Interesse der Zürcher Bevölkerung – für den Erhalt an der Bahnhofstrasse eingesetzt und versuchte, in der Mietzinsauseinandersetzung eine Lösung zu finden.

Hätten Sie sich mehr Unterstützung von der Stadt erhofft?
Stadtpräsidentin Corine Mauch nahm an unserem Podium für eine lebendige Innenstadt teil. Ich glaube, die Sympathie und die Unterstützung der Stadt war da – im Rahmen des Möglichen. Aber es geht um eine Auseinandersetzung zwischen zwei privatwirtschaftlichen Unternehmen. Da hat die Politik nur geringste Einwirkungsmöglichkeiten.

Erstellt: 23.09.2019, 11:29 Uhr

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