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Die Zürcher Parkplatz-App stiftet Frieden

Zuletzt hat die Stadt Autofahrern das Leben erschwert. Jetzt korrigiert sie dies.

Ab 2019 wird es möglich sein, an der Parkuhr statt mit Bargeld auch mit einer Smartphone-App zu bezahlen. Bild: Keystone
Ab 2019 wird es möglich sein, an der Parkuhr statt mit Bargeld auch mit einer Smartphone-App zu bezahlen. Bild: Keystone

Städte wie Zürich sind daran, die digitale Revolution nachzuvollziehen und sich zu Smart Citys umzubauen. Was immer genau damit gemeint ist: Fiskalpolitisch hat die Versmartung oft eine erstaunlich bürgerfreundliche Komponente. Eine, die völlig quer steht zur oft gehörten neoliberalen Kritik, wonach der Staat den Dienst am Bürger aus den Augen verliert und sich lieber um seinen Selbsterhalt kümmert. Für solche Kritiker ist eine Stadtverwaltung eine von Eigeninteressen getriebene Geldbeschaffungs­maschine, die nicht auf Einnahmen verzichtet, wenn sie nicht muss. Smarte Bürger stören sie nur.

Ein Negativbeispiel: Die Millionenstadt Chicago in den USA deckt einen substanziellen Teil ihres Budgets mit Verkehrsbussen, die fast 100 Dollar pro Jahr und Einwohner ausmachen. Ein Grossteil dieser Einnahmen geht auf Parkbussen zurück. Dies wiederum liegt an der Strassenreinigung: Am Tag, an dem die Reinigungsfahr­zeuge aufkreuzen, gilt auf den entsprechenden Strassen ein temporäres Parkverbot. Eines, das oft vergessen geht. Oder besser gesagt: ging. Denn neuerdings gibt es Smartphone-Apps, welche die öffentlich verfügbaren Einsatzdaten der Strassenreinigung abgreifen und Autobesitzer warnen. Die Polizei von Chicago ist darüber angeblich nicht sehr glücklich.

Datenschutz könnte sich als Bremse erweisen

In Zürich tut sich gerade Ähnliches, aber mit einem entscheidenden Unterschied. Hier hat die Stadtver­waltung selbst die Initiative ergriffen, um Autofahrern das Leben zu erleichtern. Ab 2019 wird es möglich sein, an der Parkuhr statt mit Bargeld auch mit einer Smartphone-App zu bezahlen. Verschiedene Anbieter sind beteiligt, darunter der Bezahlservice Twint.

Man darf natürlich skeptisch sein wegen des Datenschutzes. Und man darf bemängeln, dass Parkieren teurer wird, weil zusätzlich die Kommission der privaten Dienstleister anfällt. Aber in erster Linie wird die App dazu führen, dass in Zürich weniger Bussen verteilt werden. Die Stadt verzichtet also auf Einnahmen und stiftet ein wenig Frieden in der Kampfzone Parkplatz, die immer wieder Schauplatz ideologischer Konflikte ist – ­woran die Stadtverwaltung nicht unschuldig ist. Aufs Jahr 2016 hin hat sie nämlich eine Regeländerung durchgesetzt, die das Parkieren für Autofahrer ohne Kleingeld im Portemonnaie zum Nervenspiel macht. Zuvor hatte die Polizei bei abgelaufener Parkuhr jeweils eine Schonfrist von rund zehn Minuten gewährt – könnte ja sein, dass der vermeintliche Parksünder bloss zum nächsten Kiosk geeilt ist, um passendes Münz aufzu­treiben. Seither aber zückt sie umgehend den Bussenzettel. Prompt stieg die Zahl der geahndeten Parkvergehen innert eines Jahres von 417'000 auf 504'000. Die Betroffenen witterten politisch motivierte Abzockerei.

Dank der Parkplatz-App werden die meisten Autofahrer die Gebühr künftig stressfrei zahlen können, ohne dass Polizisten Zeit mit Schonfristen vertrödeln müssen. Eine smarte Lösung im Kleinen, die den Namen verdient. Ende Jahr will die Stadt Zürich dann ihr Smart-City-Konzept präsentieren, mit dem sie aufs grosse Ganze zielt. Die Richtung stimmt.

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