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«Die Zürcher Verkehrsteilnehmer haben zu hohe Ansprüche»

200 Millionen Franken für den Ausbau des Zürcher Velonetzes, das fordern die Jungen Grünen. Ein Städteplaner meint indessen, es habe gar keinen Platz für neue Velowege.

Velofahrer, Fussgänger, Autolenker und öffentliche Verkehrsmittel beanspruchen mehr Platz für sich: Verkehr am Zürcher Central.
Velofahrer, Fussgänger, Autolenker und öffentliche Verkehrsmittel beanspruchen mehr Platz für sich: Verkehr am Zürcher Central.
Keystone

Die Leser von Redaktion Tamedia sind geteilter Meinung: Velowege zu fordern sei ja gut und recht – «aber die Kosten!», schreibt Giorgio Perez. Ausserdem sei es nicht korrekt, Zürich eine velounfreundliche Stadt zu nennen. So denkt die Hälfte der Leser laut einer Umfrage von Redaktion Tamedia über die Initiative der Jungen Grünen. 200 Millionen Franken soll für den Bau eines flächendeckenden und sicheren Velowegnetzes verwendet werden.

Viele Redaktion Tamedia-Leser finden es vermessen, so viel Geld einzufordern. «Jede Form von Mobilität muss für die Kosten aufkommen, die sie erzeugt. Radfahrer bezahlen im Moment gar nichts, der öffentliche Verkehr bezahlt zu wenig und die Autofahrer zu viel», sagt Stefan Schneider.

«200 Millionen Franken sind schnell weg»

«In Zürich hat es kaum Platz mehr für zusätzliche Velospuren», sagt der Städteplaner Reto Wild gegenüber Redaktion Tamedia. Der Einsatz des Rahmenkredites ist deshalb beschränkt: «Man kann den Verkehr mit Brücken, Unterführungen und Schnellrouten entflechten. Doch das ist sehr teuer», sagt Wild. Alleine die Unterführung für Velofahrer und Fussgänger, die den neuen mit dem alten Teil von Oerlikon verbindet, hat beispielsweise 50 Millionen Franken gekostet. «200 Millionen Franken sind schnell weg.»

Handkehrum könnten für denselben Betrag in ganz viele kleine Einzelmassnahmen investiert werden. «Aber mit der Beseitigung von Engstellen und der lokalen Ausbesserung von Wegen kann keine konsequente Veloförderung erreicht werden», sagt Wild.

Um mehr Platz für Velofahrer zu schaffen, müssten Autofahrspuren abgebaut oder Strassen gesperrt werden. Das löst das Platzproblem aber auch nicht, denn es bliebe unklar, wohin die Autos ausweichen sollten. «Das Hauptproblem ist die Frage, wer wie viel Platz auf den Strassen braucht. In Zürich haben die Verkehrsteilnehmer zu hohe Ansprüche an den engen Raum», sagt Wild. Er meint damit alle Verkehrsteilnehmer: Die Velo- und Autofahrer sowie der Öffentliche Verkehr.

«Die Westumfahrung für die Autos hat das Vierzehnfache gekostet»

Auch die Fussgänger haben Wünsche: Leser Aureliano Buendia würde die Initiative der Jungen Grünen unterschreiben, allerdings mit Vorbehalt: «Die Radwege sollen sich nicht mehr mit Trottoirs kreuzen. Nicht alle Fussgänger können schnell genug auf die Seite springen, wenn ein Radfahrer vorbeirast.»

Es brauche nicht unbedingt mehr Velowege, wendet Martin Gebauer, nach eigenen Angaben selbst ein Velofahrer, ein: «Den Verkehrsteilnehmern wäre mehr gedient, wenn sich alle, Velo- und Autofahrer, an die Regeln halten und etwas mehr Rücksicht nehmen würden.»

Für die Kosten sollen die Radfahrer gleich selbst aufkommen: Michel Morais schlägt die Einführung einer Velovignette vor, die 10 Franken kostet. So würde Geld in die Kasse gespült, ohne dass ein neuer Kredit gesprochen werden muss. Auch Mike Hugi ist der Meinung, eine Strassenverkehrssteuer für Velofahrer sei längst überfällig. Damit ist Jan van Beilen nicht einverstanden: «Kommunale Strassen werden durch Steuereinnahmen finanziert – und die bezahlen auch Velofahrer.» Die Veloinfrastruktur pro Velo sei zudem weit weniger teuer, als die Autoinfrastruktur pro Auto. Schliesslich habe die Westumfahrung knapp 3 Milliarden Franken gekostet. «Das ist das Vierzehnfache der hier geforderten 200 Millionen», empört sich Van Beilen.

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