Diese Tiere behalten bei 40 Grad Fieber einen kühlen Kopf

Nachwuchs bei den Arabischen Oryx im Zürcher Zoo. Die beiden Jungen könnten dereinst wichtig für das Überleben ihrer Gattung sein.

Noch etwas schüchtern: Das am Sechseläuten geborene Oryx-Junge versteckt sich hinter seiner Mutter.

Noch etwas schüchtern: Das am Sechseläuten geborene Oryx-Junge versteckt sich hinter seiner Mutter. Bild: Reto Oeschger

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Tahani ist ein Sechseläutenkind. Das weibliche Oryx-Junge kam vor zehn Tagen im Zoo Zürich auf die Welt und stakst schon munter im Gehege herum. Der Gang ist allerdings noch etwas ungelenk, sein sandfarbiges Fell wirkt noch ein wenig zerzaust. Heute ist es das erste Mal draussen. Einen Namen hat es schon: Tahani.

Gut, dass die Sonne scheint, denn es muss doch immer mal wieder ein Pause einlegen und im Heu liegen. Dann ist Mutter Khalipo schnell zur Stelle und beschnuppert es. Gerade aber versucht es, seiner Halbschwester Thuraya hinterherzuspringen. Gelingt nicht. Diese ist aber auch bereits drei Monate alt und hat schon kleine Hörnchen.

Urururenkel der ersten Zürcher Oryx

Die beiden sind Urururenkel der ersten Arabischen Zürcher Oryx-Antilope, die daran beteiligt sind, dass es diese schönen Tiere überhaupt noch gibt. Weil sie mit ihren langen, geraden Hörnern und dem strahlend weissen Fell so schön sind, wurden sie in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet, den Wüsten der Arabischen Halbinsel, stark bejagt.

Sie sind zu zweit. Die Halbschwester ist drei Monate alt. Bild: Reto Oeschger

Wer eine Oryx erlegte, galt als besonders männlich, dazu kam der Aberglaube, dass der Genuss ihres Fleisches vor feindlichen Kugeln schütze. 1972 wurde in Oman das letzte frei lebende Tier gewildert.

Vom Zoo in die Wildnis

Zum Glück gab es Zoos und Tiergarten. In Phoenix (USA) konnte ein kleiner Bestand wiederaufgebaut werden, 1979 kamen die ersten Tiere nach Europa, in den Tierpark Berlin, nach Antwerpen – und Zürich.

«Die sechs Zürcher Oryx bildeten den Grundstock einer erfolgreichen Zucht, die bis heute anhält», erklärte Kurator Robert Zingg heute, als der jüngste Nachwuchs den Medien präsentiert wurde. Bei einem Auswilderungsprojekt konnte Zürich denn auch Tiere nach Jordanien ins Shamari-Reservat abgeben.

Perfekt angepasst

Oryx sind nicht nur schön anzuschauen, sie sind auch verblüffend gut an die schwierigen Bedingungen der Wüste angepasst. Die helle Gesichtsfarbe reflektiert das Licht und schützt damit vor der Hitze. Ihr Kot ist sehr trocken, der Urin hochkonzentriert.

Das zehn Tage alte Junge wird noch umsorgt. Bild: Reto Oeschger

Das Verblüffendste aber ist, dass die Körpertemperatur tagsüber auf deutlich über vierzig Grad ansteigen kann, was bei Menschen lebensgefährliches Fieber wäre. Die Oryx behält dabei buchstäblich einen kühlen Kopf, denn sie hat ein System entwickelt, um das Hirn zu kühlen.

Der Bock flehmt

Bock Orli scheint allerdings gerade dabei zu sein, den kühlen Kopf zu verlieren und richtig hitzig zu werden. Er flehmt. Heisst, er prüft mit der Zungenspitze den Pheromongehalt im Urinstrahl eines Weibchens, um festzustellen, ob dieses schon wieder empfängnisbereit ist.

Für weiteren Nachwuchs bei den sechs Arabischen Oryx des Zürcher Zoos scheint also gesorgt. Das ist auch notwendig, denn das grossangelegte Wiederansiedlungsprojekt erlitt nach anfänglichem Erfolg einen herben Rückschlag.

Erneute Wilderei und der Fang für Private dezimierte den Bestand wieder empfindlich. Dazu kommen die häufigeren, andauernden Trockenperioden. Sie setzen sogar einer derart perfekt angepassten Wüstenbewohnerin wie der Arabischen Oryx zu. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2019, 15:05 Uhr

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