Dieses Feuerwerk zünden Zürcher am liebsten

Feuerwerk hat es derzeit schwer. Wir zeigen trotzdem, was vor dem 1. August am häufigsten gekauft wird.

Einer der grossen Klassiker: Die Rakete. Fotos: Tom Egli

Einer der grossen Klassiker: Die Rakete. Fotos: Tom Egli

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Feuerwerk befindet sich derzeit in einem Popularitätstief. Die Migros stellt in gewissen Kantonen den Verkauf ein, Gemeinden diskutieren über ein Verbot, Händler beklagen Umsatzeinbussen. Grund dafür sind Trockenheit und Klimadiskussionen. Auch Claudia und Rolf Bucher spüren diese veränderte Stimmung. Sie betreiben seit 40 Jahren an der Birmensdorferstrasse ihr Feuerwerks- und Festartikelgeschäft. Das vergangene, sehr trockene Jahr war für sie eines der umsatzschwächsten in ihrer Geschichte. «Wir schrieben gerade mal eine blanke Null», sagt Claudia Bucher. Schuld daran war für sie das Feuerwerksverbot in gewissen Kantonen.

In diesem Jahr sei der Umsatz zwar bisher in einem normalen Rahmen, sagt Bucher. Sie sei froh, dass die Temperatur so kurz vor dem Bundesfeiertag noch einmal eingebrochen sei. Doch lassen die prognostizierten wärmeren Sommer auch für die kommenden Jahre auf veränderte Voraussetzungen in ihrem ­Laden schliessen. Ähnliches sagt auch Renate Keller vom grossen Feuerwerkshandel in Rikon im Tösstal. «Seit 2014 läuft das Geschäft nicht mehr so wie früher.» Auch sie sieht den Grund unter anderem in den Klimadiskussionen und den heissen Sommern.

Für Bucher ist ein 1. August ohne Feuerwerk nicht denkbar. Sie zeigt dem TA, welches Feuerwerk in diesem Jahr, wie auch in den letzten 40 Jahren, bei ihr am häufigsten über den Ladentisch ging. Es sind Raketen und Böller mit Nostalgiewert.


Die Veraltete – Rakete Modell Peking

Das Feuerwerk für Nostalgiker. Klassische Raketen, in der Fachsprache Zylinderstab-Raketen genannt, kommen aus der Mode. Der Grund dafür ist die Abfeuer-Methode. Wer denkt, er könnte sie aus einer Flasche ablassen oder sie vor dem Abfeuern in den Boden stecken, täuscht sich. Zu gefährlich. Claudia Bucher vom Feuerwerk-Laden rät, ein Rohr mitzukaufen. Oder einen Sonnenschirm-Sockel aus Beton zu benutzen. Hauptkäufer sind ältere Herren, die am Modell Peking den blinkenden Regen schätzen, der nach dem Erreichen des Scheitelpunktes vom Himmel tröpfelt.


Die Nervensäge – Space Howler Rocket

Ein Klassiker, der nervt. Die sogenannten Pfiiff-Chlöpfer-­Raketen mit ihren roten Stänglein, den gelben Köpflein, der grünen Zündschnur und der silbernen Spitze tun genau das, was ihr Name verspricht: pfeifen und knallen. Mehr nicht. Kurz und nervenaufreibend in ihrer schieren Masse, in der sie jeweils auf den Kinderspielplätzen vorkommt. Kein Wunder: Für 4.50 Franken gibt es 30 Stück. Man kann sie problemlos aus einer leeren Flasche ablassen. Im Preis inbegriffen sind Reklamationen der Nachbarn, doch bitte endlich damit aufzuhören. Wird aber nicht passieren.


Die Einstiegsdroge – Lady Cracker

Damals in der Primarschule baute der Schreiber dieser Zeilen in der Schule die Schöllenenschlucht aus Styropor nach. Eine gute Gelegenheit für ein Experiment. Wie viele Frauenfürze sind nötig, um die Schlucht zu sprengen? Die Antwort: Eine volle Packung reicht gut. Wie kleine Dynamitstangen steckte er die Dinger in den Fels – und zündete Stück für Stück an. Übrig blieb zerfurchtes und geschmolzenes Styropor. Eine Freude. Auch heute noch sind es vor allem 12-Jährige, die sich für die Lady Cracker interessieren. Oder solche, die jeweils am 1. August wieder zu solchen werden.


Die praktische Lösung – Gothic Lights

Sie sind einfacher zu handhaben als die Raketen und effektiver als diese. Nur eine einzige Zündung, und die Gothic-Lights-Batterie schiesst nacheinander 19 Projek­tile in die Luft. Jedes wie eine einzelne Rakete. Sie zünden in unterschiedlichen Farben und auf unterschiedlichen Höhen. Probleme mit Einstecken gibt es nicht, die Batterie lässt sich einfach auf den Boden stellen. Es gibt dafür einen ausklappbaren Kartonboden. In der Tendenz sind es gesetztere Herren, die sich für diese Art von Feuerwerk interessieren. Frauen lassen sich davon jedoch nicht beeindrucken.


Die Sanftmütigen – Bengalfackeln

Ein Schweizer Produkt, das kaum zu Dummheiten verleitet. Wie verzaubert blickt man auf die brennenden Köpfe in Rot, Grün oder Weiss. Das gleissende Licht hinterlässt Spuren auf der Netzhaut. Es ist Feuerwerk für Menschen, die die Schönheit in der Unaufgeregtheit finden. Für sanfte Gemüter mit Sinn für die Poesie im Kleinen. Die Bengalfackeln aus Frutigen gehören seit vielen Jahrzehnten zu den Verkaufsschlagern bei den Buchers. Und es wird sie auch noch geben, wenn die donnernden Raketen längst aus dem Programm gestrichen worden sind.


Der Brachiale – Big Thunder

Er ist primitiv und effektiv zugleich. Der donnernde Knall des Big Thunder, in der Umgangssprache auch Tönder genannt, ist jeweils weitherum zu hören. Auch dieses klassische Feuerwerk nervt erheblich. Ein kurzes dumpfes Pflopf, gefolgt von einem einfältigen, lauten Bäm. Es ist das Feuerwerk für Leute, die es gerne brachial und unsentimental mögen. Es soll auch schon Leute gegeben haben, die den Tönder in geschlossenen Räumen gezündet haben. Oder im Fussballstadion. Von beidem ist abzuraten. Doch ist der Tönder leider wie geschaffen, um ihn zu missbrauchen. Er ist damit in Zweck und Wirkung so was wie der Anti-Poet.


Der Erhabene – Der Vulkan

Der Klassiker schlechthin. Und er liegt wieder im Trend. Noch nie haben Buchers so viele Vulkane verkauft wie in den letzten Jahren. Ihrer Einschätzung nach sind die Vulkane insbesondere bei Frauen und jungen Familienvätern sehr beliebt. Das liege daran, dass der Vulkan Sanftheit und Kraft vereine. Dass er keine Gefahr ausstrahle, dafür Stolz. «We are all in the gutter, but some of us are looking at the stars», sagte Oscar Wilde. Wir leben alle in der Gosse, aber nur wenige schauen zu den Sternen. Der Vulkan ermöglicht uns, die Sterne in der Gosse zu erleben. Bis zu acht Meter wird die Fontäne – etwa jene des grossen goldenen Vulkans.


Der Nervenzusammenbruch – Mandarin-Sonne

Erstaunlich, welche Wirkung dieses Schokotaler-grosse Ding entfaltet. Einmal gezündet, dreht die Mandarin-Sonne mit etwa 20 Umdrehungen pro Sekunde und versprüht kreisförmig Funken, sodass ein Feuerring von etwa einem Meter Durchmesser entsteht. Wer ihm mit den Augen zu folgen versucht, riskiert einen Nervenzusammenbruch. Sie ist das Feuerwerk der bescheidenen Extravaganz. Um sie zu installieren, braucht es handwerkliche Fähigkeiten. Zumindest einen Nagel einschlagen muss man können. Und bitte genug tief hinein mit dem Nagel, sonst wird die Mandarin-Sonne ungewollt zum unkontrollierbaren Bodesuri.

Erstellt: 01.08.2019, 11:54 Uhr

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