Dieses Internetcafé ist heute noch gefragt

In der Schweiz sind Internetcafés praktisch ausgestorben. Im Zürcher Kafi Klick hingegen wimmelt es von Besuchern.

Wer geht heute noch in ein Internetcafé? Ein Nachmittag im Kafi Klick, wo täglich 40 bis 60 Personen vorbeischauen. (Video: Sacha Schwarz, Anja Stadelmann)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kommunizieren, Informationen abrufen oder Reisen organisieren: Vieles geht übers Internet viel einfacher und schneller. Vergangenes Jahr knackte die Zahl der weltweiten Internet-User die 4-Milliarden-Grenze. In der Schweiz nutzen heute 90 Prozent das Internet regelmässig. Zu den restlichen 10 Prozent zählen nebst älteren Personen auch armutsbetroffene Menschen.

Bei ihnen wird der fehlende Internetzugang dann zum Problem, wenn die Suche nach einer Arbeitsstelle oder einem neuen Dach über dem Kopf beginnt. Vermehrt können sich Bewerber auf ein Wohnungs- oder Jobinserat nur noch via Internet melden, ein Grossteil der Inserate wird auch nur noch digital ausgeschrieben.

Internetnutzung und Einkommen

Dass Bildungsstand und Einkommen korrelieren, ist bekannt. Laut Bundesamt für Statistik korreliert das Einkommen aber gar stärker mit der Internetnutzung als mit der Bildung.

Bei den Personen mit einem Monatseinkommen bis 4000 Franken verwendeten im Jahr 2018 lediglich zwei Drittel das Internet regelmässig, während es bei den Personen mit einem Einkommen von über 10'000 Franken fast jeder regelmässig nutzt.

Internetcafé mit Unterstützung

Da kommt das Kafi Klick ins Spiel. Vor zehn Jahren wurde es von der IG Sozialhilfe gegründet. Seither wird es von der Stadt Zürich sowie von Spenden und Stiftungen unterstützt. Das Internetcafé steht allen offen, richtet sich in erster Linie aber an armutsbetroffene Menschen. Die Besuchenden können also nicht nur gratis surfen, sie erhalten auch Unterstützung in der Bedienung von Computern, für offizielle Schreiben und in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten.

Formulare und Bewerbungen

«Ich habe drei Stelleninserate gesehen», sagt ein Besucher, «jetzt komme ich, um die Bewerbungen abzuschicken.» Auf die Frage, ob sie denn keinen privaten Internetzugang hätten, hiess es bei allen: «Doch.» Einige von ihnen haben nur ein Handy und keinen Computer, die meisten kommen aber, weil sie auf technische oder inhaltliche Hilfe angewiesen sind.

Der Stellensuchende erzählt von seinen Erfahrungen, der Freiwillige formuliert die Sätze. Jeden Tag kommen 40 bis 60 Personen vorbei. Manche kommen einmal im Monat, manche jede Woche. So auch Falilou Niane, der seit einigen Monaten hier lebt. Er sagt: «In der Schweiz braucht es so viele Papiere!» Und das geht übers Internet nun einmal viel einfacher und schneller.

_________________

Mit welchen Technologien sind Sie aufgewachsen? Kommen Sie mit uns auf eine interaktive Technik-Zeitreise.

Erstellt: 29.10.2019, 14:34 Uhr

Infobox

50 Jahre Internet

Heute wird das Internet 50 Jahre alt. Am 29. Oktober 1969 schickte ein Student die erste Nachricht von einem Computer an der University of California in Los Angeles an einen 520 Kilometer entfernten Computer der Stanford University. Der Grundstein war gelegt, dass Tim Berners-Lee vor 30 Jahren am Cern in Genf die technischen Standards des World Wide Web entwickeln konnte.

Artikel zum Thema

Müssen Parlamentarier zukünftig all ihre Treffen dokumentieren?

EU-Parlamentarier tragen im Internet ein, mit welchen Lobbyisten sie sich verabredet haben. Jetzt wird dasselbe in der Schweiz gefordert. Mehr...

Im Kanton Zürich ist man offen für Migranten

Eine Mehrheit der Zürcherinnen und Zürcher nimmt die Zuwanderung laut einer Befragung positiv wahr. Störend werden vor allem Sprachbarrieren empfunden. Mehr...

Die Einwanderung in die Schweiz im europäischen Vergleich

Mehr Migranten pro Kopf, dafür eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt: Diese Grafiken zeigen, wie sich die Zuwanderung in die Schweiz entwickelt hat. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Gute Laune trotz Lichtmangels

Geldblog Warum auch Arbeitslose AHV-pflichtig sind

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...