Das DNA-Profil könnte noch viel mehr verraten

DNA-Spuren wie im Mordfall vom Zürcher Seefeld und Laupen dürfen bald genauer analysiert werden. Der Bundesrat arbeitet einen Gesetzesentwurf aus.

Ein Wissenschaftler bei der DNA-Analyse im Labor. Foto: Keystone

Ein Wissenschaftler bei der DNA-Analyse im Labor. Foto: Keystone

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Gut 300 Männer wurden im Jahr 2011 zu einem Massen-DNA-Test aufgeboten. Dieser Test war schweizweit der erste seiner Art. Allerdings erfüllte er die Hoffnung der Zürcher Behörden nicht, damit jenem Mann auf die Spur zu kommen, der am 15. Dezember 2010 im Zürcher Seefeld eine 56-jährige Psychoanalytikerin erstochen hatte.

Nicht besser erging es den Berner und den Luzerner Behörden. Nach dem Doppelmord von Laupen BE Ende 2015 brachte der DNA-Test von gut 100 Männern nicht den erhofften Durchbruch. Und auch im Kanton Luzern brachte die Überprüfung von rund 600 Personen, davon 371 im Rahmen eines Massen-DNA-Tests, keine Klarheit, wer für die brutale Vergewaltigung einer 26-jährigen Frau im Juli 2015 verantwortlich ist.

Dank Spucke zum Phantombild

Die Ergebnisse sind für die Ermittler frustrierend. Denn sie wissen, dass die menschliche DNA auf ihrem codierenden Strang eine Fülle von Zusatzinformationen enthalten würde. Aus einem Blutstropfen, aus Spucke, einem Kaugummi oder auch einem ausgerissenen Haar liesse sich – wenn auch nicht mit absoluter Sicherheit – feststellen, welche Haar-, Augen- oder Hautfarbe der Täter hat, wie alt er ungefähr ist und aus welcher Weltregion er stammen könnte. In Holland soll gemäss Medienberichten an der Erkennung von weiteren Merkmalen wie der Körpergrösse, abstehenden Ohren oder einem Kinngrübchen geforscht werden. Und in den USA wollen Forscher laut der Wissenschaftszeitschrift «PLOS Genetics» aus der DNA gar ein Phantombild herstellen können.

In der Schweiz erlaubt das seit dem 1. Januar 2005 geltende DNA-Profil-Gesetz bisher nur die Analyse der nicht-codierenden Abschnitte der Erbsubstanz. Ausdrücklich verbietet das Gesetz die Ausforschung des Gesundheitszustandes oder anderer persönlicher Eigenschaften «mit Ausnahme des Geschlechtes der betroffenen Person».

Datenschutz falsch verstanden

Dies wird sich aller Voraussicht nach ändern. National- und Ständerat haben eine Motion des Luzerner FDP-Nationalrats Albert Vitali und 36 Mitunterzeichnenden angenommen. Unter dem Eindruck der nicht aufgeklärten Vergewaltigung von Emmen LU und unter dem Titel «Kein Täterschutz für Mörder und Vergewaltiger» verlangen die Motionäre vom Bundesrat, «gesetzliche Grundlagen zu schaffen, damit der Strafverfolgungsbehörde erlaubt wird, Täter von schwerwiegend gewalttätigen Straftaten wie beispielsweise Mord und Vergewaltigung durch die Auswertung der codierenden DNA-Abschnitte und somit der persönlichen Eigenschaften gezielter zu verfolgen».

Der Bundesrat hat die Annahme dieser Motion empfohlen. Er hatte schon im Jahr 2000 im Entwurf des DNA-Profil-Gesetzes vorgeschlagen, die Untersuchung der codierenden Abschnitte der DNA «in Ausnahmefällen» zu erlauben. Damals strich das Parlament den Artikel, weil es Missbrauch und Datenschutzverletzungen befürchtete. Dass die wissenschaftlichen Möglichkeiten von DNA-Analysen nicht voll ausgeschöpft werden, ist für Motionär und Nationalrat Albert Vitali «falsch verstandener Datenschutz».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.03.2017, 06:40 Uhr

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