Dolder-Mord: Angeklagter tötete aus Kränkung

Der heute 49-jährige Schweizer, der im Dolder Grand eine 25-jährige Polin umgebracht hat, soll aus Kränkung und verschmähter Liebe gehandelt haben.

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Der Finanzfachmann hatte die Prostituierte, welche unter dem Namen «Kathleen» im Bordell Club Life in Dübendorf arbeitete, Ende 2013 kennen gelernt und sich in sie verliebt. Er wollte mit ihr ein gemeinsames Leben führen, hatte aber Angst, von ihr zurückgewiesen zu werden. Laut Anklageschrift soll sich der Mann schon ein Jahr zuvor in eine andere Prostituierte namens «Alexa» verliebt haben, die jedoch nach einem Ferienaufenthalt in ihrem Heimatland nicht mehr in die Schweiz zurückkehrte.

«Der Gedanke, von ‹Kathleen› zurückgewiesen zu werden, erinnerte ihn an seine Erlebnisse mit ‹Alexa› und war ihm unerträglich. Seine Situation erschien ihm dermassen aussichtslos, dass er meinte, der drohenden Kränkung nicht anders als durch Tötung des Opfers begegnen zu können», schreibt der Staatsanwalt in der Anklageschrift.

Der Schweizer, welcher mit seiner Lebenspartnerin in einem Mehrfamilienhaus in Küsnacht lebte, arbeitete bis 2011 als leitender Angestellter im Finanzsektor. Sein Verdienst betrug jährlich eine Viertelmillion Franken. Nach Aufgabe seiner Erwerbstätigkeit 2012 sei er zusehend vereinsamt, und die Rückkehr ins Berufsleben sei ihm nicht gelungen. Deshalb verkehrte er häufig in Bordellen, wo er durch seine Grosszügigkeit Anerkennung fand, heisst es in der Anklageschrift. Ab Mai 2014 habe er persönliche Gegenstände wie Uhren, Wein und Möbel verkaufen müssen, um seine Zahlungsunfähigkeit abwenden zu können. Auch im Fall der getöteten Polin sei ihm bewusst gewesen, dass sie nur aus finanziellen Gründen mit ihm verkehre und dass sein Geld nicht mehr lange reichen würde.

Den Plan, die Frau umzubringen, soll der Mann minutiös ausgearbeitet haben. Er buchte im Hotel Dolder Grand am 15. September 2014 ein Zimmer und traf sich dort mit der jungen Frau. Diese hatte im Club, wo sie arbeitete, gesagt, dass sie in die Ferien fliegen würde. Der Mann nahm einen Koffer mit ins Hotel, mit dem er die Leiche nach der Tat abtransportierte. Beim Treffen im Zimmer verabreichte er dem Opfer ein Betäubungsmittel und würgte und schlug die Polin, sodass sie erstickte. Am nächsten Morgen verliess er mit dem Koffer das Hotel und versteckte diesen im Keller seines Hauses in Küsnacht in einem Weinklimaschrank. Dabei stellte er die Kühlung auf maximal ein, um dem drohenden Verwesungsgeruch vorzubeugen. Die Leiche blieb dort im Keller, bis die Kantonspolizei den Mann am 24. September verhaftete.

Durch Hotelmeldeschein verraten

Aufgeflogen war der Fall, weil die junge Frau, die als Tänzerin auf eigene Rechnung arbeitete, von Angehörigen vermisst wurde. Von den polnischen Behörden um Amtshilfe gebeten, stellte die Kantonspolizei schnell fest, dass die Frau den gebuchten Flug in ihre Heimat nicht angetreten hatte. Dem Täter auf die Spur kam die Polizei dann aber dank eines Hotelmeldescheins. Es stellte sich nämlich heraus, dass der Mann, der regelmässiger Gast in jenem Nachtclub und mit der Polin bestens bekannt war, in der Nacht des mutmasslichen Verschwindens der Frau ein Zimmer im Dolder Grand gebucht hatte. Und dass er damals in Begleitung der 25-Jährigen gewesen war.

Der Staatsanwalt plädiert auf Mord. Der Beschuldigte habe aus reinstem Egoismus und ohne jeden nachvollziehbaren Grund die Frau brutal getötet. Er habe ihr zusätzliche Qualen verursacht, welche zur blossen Tötung nicht notwendig gewesen wären. Zudem sei die Tat minutiös geplant worden. Zum Strafmass äusserte sich der Staatsanwalt nicht.

Für Verteidiger war Tat nicht geplant

Für Andrea Taormina, Verteidiger des Beschuldigten, war die Tat kein Mord. Auf Anfrage sagte Taormina, er werde erst an der Hauptverhandlung bekannt geben, ob er auf vorsätzliche Tötung oder Totschlag plädiere. Laut dem Verteidiger ist die Anklageschrift zu einseitig und wird der Realität nicht gerecht. Die Tat sei nicht geplant gewesen. Sie sei das tragische Ende eines Beziehungsstreites gewesen. Sein Mandant bereue die Tat zutiefst. Der Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich findet am 26 Juli statt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.06.2017, 09:23 Uhr

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