Doris Fiala will Zürcher Stadträtin werden

Die FDP-Nationalrätin hat Klarheit über ihre Bewerbung für die Zürcher Stadtregierung geschaffen.

2001 parteiintern gegen Andres Türler gescheitert: Doris Fiala. Foto: Urs Jaudas

2001 parteiintern gegen Andres Türler gescheitert: Doris Fiala. Foto: Urs Jaudas

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«Das schönste Exekutivamt in der Schweiz.» Und: «Ich fände es schön, mich wieder vermehrt für meine Heimatstadt einzusetzen.» Mit diesen Worten hat Doris Fiala (FDP) kürzlich in ­diversen Medien ihr Interesse an einem Sitz in der Zürcher Stadtregierung kundgetan. Mehr nicht. Ein unmissverständliches «Ja, ich will» blieb bisher aus. Nun sagt die Nationalrätin und neue Präsidentin der FDP Frauen Schweiz erstmals: «Ja, ich bin bereit, ich stehe meiner Partei vorbehaltlos zur Verfügung.» Sie sei inzwischen auch von der Findungskommission «auf Herz und Nieren» geprüft worden.

Fiala unterstreicht, dass ihr trotz Prominentenstatus ein harter Wahlkampf – «ein Marathonlauf» – bevorstünde, falls sie von der FDP ins Rennen geschickt würde. Auch wenn sie aus der Bevölkerung viel Rückhalt spüre, seien nebst Visibilität primär der «Leistungsausweis» und «grosses persönliches Engagement sowie Glaubwürdigkeit» entscheidend. Auch den Frauenbonus will Fiala nicht überbewertet sehen. «Ich muss mich dem Wettbewerb genauso stellen, wie das auch ein Mann tun muss. Und ganz oben wird die Luft für alle dünn.»

Duell mit Gemeinderat Baumer?

Vor sechzehn Jahren hatte Doris Fiala einen solchen Wettbewerb im partei­internen Nominationsverfahren ver­loren. Sie scheiterte 2001 in der Ausmarchung gegen Andres Türler, der sich 2018 aus dem Stadtrat zurückziehen wird. Jetzt ist Fiala entschlossen, für die FDP diesen Sitz zu verteidigen.

Warum nur zögerte sie derart lange, bis sie Klarheit über ihre Bewerbung schaffte? «Zum einen wollte ich mich mit meiner Familie beraten, vor ­allem mit meinem Mann, und auch mit meinen engsten Verbündeten sowie meinem beruflichen Umfeld.» Sie habe sich kritisch spiegeln lassen und die Analyse der Ausgangslage schonungslos machen wollen. Immerhin würde sie als Stadträtin auch viel aufgeben. «Zum andern wollte ich am Wegrand möglichst keine Verletzten hinterlassen, weshalb ich dem internen Prozedere mit Respekt gegenüberstehe.»

Respekt auch gegenüber ihrem direkten Konkurrenten Michael Baumer. Der langjährige Gemeinderat und frühere FDP-Stadtparteipräsident hatte seine Ambitionen auf ein Stadtratsmandat längst angemeldet. Am selben Tag, als Andres Türler seinen Rückzug aus der Politik bekannt gegeben hatte, brachte sich Baumer in Position, indem er twitterte: «Danke Andres Türler für deine erfolgreiche Arbeit im Stadtrat. Ja, ich würde sie gerne weiterführen.»

Enger Kreis diskutiert Ticket

Obs tatsächlich zum Duell Fiala gegen Baumer kommt, ist noch unklar. Oberstes Ziel der bürgerlichen Verbündeten bleibt nach wie vor, mit einem gemeinsamen Fünferticket aus Vertretern der FDP, SVP und CVP das rot-grün dominierte Stadtratsgremium anzugreifen – inklusive der Unterstützung der Wirtschaftsverbände. Die Zusammensetzung des Tickets wird in der FDP derzeit in einem engen Kreis diskutiert. Alle möglichen Szenarien kommen zur Sprache, auch jene Variante, dass der Freisinn in einer Dreierformation den Wahlkampf bestreiten könnte. Mit Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger, der sich der Wiederwahl stellt, mit dem 47-jährigen Gemeinderat Michael Baumer sowie mit der 60-jährigen Nationalrätin Fiala. Sie sagt: «Ich mache in jeder Formation mit, ob in einer Dreier- oder in einer Zweiervertretung. Das Ticket hat keinen Einfluss auf meine Bewerbung.»

Auf dem bürgerlichen Ticket gibt es eigentlich nur Platz für zwei Freisinnige, weshalb ausgerechnet die SVP, die wählerstärkste Partei, bloss mit einer Kandidatur auf dem Ticket vertreten sein könnte. Über die Konstellation des bürgerlichen Pakets haben bis anhin keine parteiübergreifenden Gespräche stattgefunden. Aus diesem Grunde will SVP-Stadtparteipräsident und Nationalrat Mauro Tuena die potenzielle FDP-Dreierkandidatur nicht kommentieren. Er sagt bloss: «Jede Partei hat die Freiheit, sich Überlegungen zu machen. Das tun wir ja auch.» In der Tat hat die SVP bis heute nicht bekannt gegeben, ob sie mit zwei Bewerbungen oder eventuell nur mit einer in den Wahlkampf steigen wird. Zurzeit, so Tuena, sei man in der «Entscheidungsphase».

Gelassen nimmt es derweil die CVP, die sich im bürgerlichen Verbund den Sitz des abtretenden Schul- und Sportvorstehers Gerold Lauber sichern will. Stadtparteipräsident Markus Hungerbühler sagt: «Je zwei Kandidaturen aus der FDP und der SVP sowie eine CVP-Vertretung ist für mich die ideale Lösung, die die Parteistärken widerspiegelt und sich glaubwürdig verkaufen lässt.» Hungerbühler, selber mit Ambitionen auf ein Stadtratsmandat, glaubt, dass sich das bürgerliche Lager letztlich auf die «bewährte Formel» einigen werde, wie 2014. In diese Richtung denkt auch Gemeinderätin Ursula Uttinger, die ehemalige Präsidentin der FDP-Frauen Stadt Zürich: «Ich bevorzuge ein gemischtes Doppel, mit Fiala und Leutenegger im Verbund mit SVP und CVP. Das hat bei den letzten Regierungsratswahlen bestens funktioniert.»

Erstellt: 14.04.2017, 21:35 Uhr

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