Dreisatz zur geschmacklichen Perfektion

Das Restaurant Du Théâtre ist ein Showroom für gehobenes Wohndesign. Hier scheut man kein Risiko und setzt sogar das Onsenei auf die Mittagskarte.

Die Bühne für Sashimi: Elegantes Geschirr im Du Théâtre. Foto: Andrea Zahler

Die Bühne für Sashimi: Elegantes Geschirr im Du Théâtre. Foto: Andrea Zahler

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Wer ein Onsenei auf seine Karte setzt, geht damit ein erhebliches Risiko ein. Denn woran wird er gemessen? Am vielleicht einprägsamsten Gericht meines Lebens. An meinem persönlichen Dreisatz zur geschmacklichen Perfektion: Petersilienessenz, geräucherter Kartoffelstock, Onsenei. Die cremig-glasige Konsistenz nach einer Stunde bei 64 Grad im Wasserbad. Weil Eiweiss und Eigelb dabei gerinnen, aber nicht stocken ... Das war vor Jahren, die ­Erinnerung daran, sie verblasst nicht.

Petersilienessenz, geräucherter Kartoffelstock, Onsenei. Das war vor Jahren, die ­Erinnerung daran, sie verblasst nicht.

Der Besuch im Du Théatre soll ebenfalls in Erinnerung bleiben, es stimmt schliesslich ziemlich viel an diesem Mittag. Deshalb starten wir mit einem Glas Champagner (16.50 Franken). Der Kellner versteht es, uns diesen kleinen Luxus am Mittag zu verkaufen – und uns das Schlechte darob auszureden. Champagner passt zu diesem Ort, den man nicht zu oft besuchen sollte. Aber oft genug, damit die Erinnerung daran nicht verblasst. Weder die an das Essen noch jene an das Restaurant selber.

Macht das Essen über Mittag zur leichten Angelegenheit: Koch Kaisuke Takatori an der Bar. Foto: Andrea Zahler

Es ist ein Lokal, das uns grosse Freude bereitet. Weil es ein hoher Raum ist, der mit grosser Sorgfalt eingerichtet ist. Ziemlich nahe an unserer Vorstellung des perfekten Wohnzimmers. Von den zierlichen Akari-Lampen auf den Fenstersimsen über die bronzefarbenen «PH Artichoke»-Leuchten von Louis Poulsen an der Decke bis hin zum wuchtigen Trockengesteck auf der Bar. Ebenso die eleganten Stühle, die Tische und die Bar aus dunklem Nussbaum, die nackte Frau in schwarzweiss an der Wand.

Auf der Karte hat es viele leichte Sachen. ­Damit man die Frau auf Diät zum Essen mitnehmen kann.

Dazu passt das edle Geschirr, in dem das Essen serviert wird. Zuerst die Schalen mit Menüsalat an einem asiatischen, angenehm säuerlichen Dressing. «Wow», sagt das Gegenüber – und das will etwas heissen. (Sie sagt auch, nachdem sie die Karte studiert hat: «Viele leichte Sachen. Damit man die Frau auf Diät zum Essen mitnehmen kann.») Diese leichten Sachen passen am Mittag. Wir entscheiden uns für das Tatar (34 Franken) sowie Sashimi mit Reis (42 Franken).

In dieser Umgebung werden (oder bleiben) wir übermütig, spätestens als wir das Onsenei auf der Karte entdecken. Zum Tatar wird es ebenso empfohlen wie zum Chicken Teriyaki, und zum Sashimi wird es auf Wunsch auch serviert, «selbstverständlich». Also setzen wir die Küche dem Risiko aus, am Onsenei (plus 3 Franken) gemessen zu werden. An einer Erinnerung, die so weit zurückliegt, dass ein Vergleich eigentlich nicht stattlich ist. Eigentlich.

Im Du Théâtre kocht mit Kaisuke Takatori zudem ein japanischer Koch – dem darf man das zumuten. Und er würde sicher insistieren, käme die Kombination Sashimi und Onsenei einem Verbrechen gleich. Nun, der gastronomische Dreisatz muss (noch) nicht neu geschrieben werden. Falls doch, wünschten wir das Ei beim nächsten Besuch lauwarm, nicht eiskalt.

Restaurant Du Théâtre

– Preis-Leistungs-Verhältnis
Das Du Théâtre hat seinen Preis. Dafür erhält man hochwertige Produkte aufwendig verarbeitet serviert. Man bewegt sich schliesslich in einer Umgebung, die nach solchen Preisen verlangt.

– Ambiance
Wir dachten einen Moment lang, wir würden bei unserem Lieblingsinneneinrichter am Neumarkt sitzen. So viele schöne Sachen und so vieles, was man sich nicht leisten kann.

– Service
Zuvorkommend, aber nicht unaufdringlich, mit guten Argumenten für das Glas Champagner am Mittag. Und mit einem Gefühl für den falschen Moment: Der Rhythmus unseres Gesprächs und jener des Service passen an diesem Mittag einfach nicht zusammen.

– So kommt man mit dem ÖV hin
Tram 2 oder 4 bis Station Opernhaus.

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In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über die Gerichte in Zürcher Restaurants.

Erstellt: 07.11.2019, 16:14 Uhr

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