Drohnen, Chilbi und Spektakel

Rund 2,5 Millionen Menschen, mehr denn je, strömten ans grösste Volksfest der Schweiz. Das grosse Abc zum Züri-Fäscht.

Die Highlights des Züri-Fäscht im Video. Video: Tamedia

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A wie Andrang. Kein Züri-Fäscht ohne Andrang. Vor allem am Samstagabend gab es zeitweise kein Durchkommen mehr. Dennoch blieb die Stimmung entspannt, was nicht zuletzt den Durchsagen über Lautsprecher zu verdanken war, die vor verstopften Festbereichen warnten.

B wie Bier. Damit fing es für viele an – aber es blieb für die wenigsten dabei. Was dann für den einen oder anderen in einer Qual endete.

C wie Chilbi. Sie gehört zum Züri-Fäscht wie der Turm zur Kirche. Oder so. Am beliebtesten waren die Bahnen, welche die Besucher hoch hinauf brachten und gehörig Adrenalin erzeugten: Der Skyfall-Tower zum Beispiel, aber auch der 80 Meter hohe Kettenflieger.

D wie Drohnen. Das Gesprächsthema Nummer 1 unter den Festbesuchern. Können Drohnen dereinst das Feuerwerk ersetzen? Sicher ist: Sie können faszinierende Effekte erzeugen. Noch aber wirken die Bilder, die Skymagic in den Nachthimmel zauberte, etwas zufällig und zusammengewürfelt. Und knapp zehn Minuten Showzeit sind halt gar wenig.

E wie Essen oder Food, wie es am Züri-Fäscht schön international heisst. Burger, Churros, Thaicurry, Piadine – irgendwie scheinen ständig alle Festbesucher auf irgendwas herumzukauen. Sofern sie nicht gerade Bier und mehr trinken.

F wie Feuerwerk. Wie schon im Jahr 2016 gab es drei Feuerwerke zu sehen. Mit einer Neuigkeit wartete Pyrotechniker Joachim Berner auf: Am Samstag zündete er sein erstes Werk zu Schlagermusik. Doch Schlager und Feuerwerk sind eine schwierige Kombination. Musik und Effekte mögen noch so gut abgestimmt sein – dieser Musik fehlt der Bombast, die Schwere, die Dynamik, um ein wirklicher Boden für ein Feuerwerk zu sein. Um ein Uhr dann die Versöhnung, ein gewaltiges Geballer zu Rockmusik.

G wie Güsel. Die Stadt könnte wohl dreimal so viele Container aufstellen, sie würden doch nicht reichen. Immerhin versuchten die meisten Besucher, ihren Abfall auf und um die überquellenden Behälter zu drapieren.

H wie Hut. War angesichts des Wetters vor allem am Freitag ein Muss. Warum aber gefühlt jeder zweite Festbesucher einen Coop-Strohhut trug, hat die Schreibende bis heute nicht herausgefunden.

I wie International. Es heisst zwar Züri-Fäscht, aber die Besucher kamen aus allen Weltgegenden (jedenfalls den gehörten Sprache und den gesehenen Hautfarben nach zu urteilen). Und Essen gabs wohl von jedem Kontinent.

J wie Jobs. Etwa 2,5 Millionen Menschen kamen ans Züri-Fäscht, das sind mehr denn je. Und Tausende kamen, um zu arbeiten. Wie viele Leute genau einen Job am und ums Züri-Fäscht hatten, weiss selbst das Organisationskomitee nicht.

K wie Krux. Man schaut den BMX-Fahrern zu und verpasst die PC7-Staffel, man isst Lomo saltado und hat nachher keinen Hunger mehr auf Glace – das ist die Züri-Fäscht-Krux. Immer geht einem irgendetwas durch die Lappen. Dafür trifft man, wenn man sich treiben lässt, auf Unerwartetes. Etwa einen Aztekentanz am Volkstanzfestival auf dem Lindenhof .

L wie Lindenhof. Er war nicht der Schauplatz des Caliente-Festivals, wie irrtümlich an dieser Stelle gemeldet, sondern des Volkstanzfestivals. Das Caliente fand auf dem Münsterhof statt. Nicht zur Freude von allen, es gebe zu wenig Platz zum Tanzen, fanden Besucherinnen und Besucher.

M wie Mut. Den brauchte es, um an einem Stahlseil vom Lindenhof auf die andere Seite der Limmat hinunterzusausen. Oder um an der Chilbi auf den Skyfall-Tower zu gehen. Der Schreibenden fehlte er.

N wie Nackenstarre. Tollkühne Turmspringer, elegante Athleten auf der Highline, unzählige gewagte Flugshows, die Feuerwerke, die Drohnen: Man starrt so oft in den Himmel am Züri-Fäscht, dass am Ende der Nacken schmerzt.

O wie Orientierung im riesigen Festangebot sollte die Züri-Fäscht-App bieten. Nur: Die App ist nicht besonders bedienungsfreundlich. Und wichtige Mitteilungen zum übermässigen nächtlichen Andrang am Bahnhof Stadelhofen erreichten die Schreibende per Lautsprecher, nicht aber per App.

P wie Party. Immer wieder faszinierend ist es, zu beobachten, wie das Züri-Fäscht im Tagesverlauf seinen Charakter ändert. Nachmittags ist es ein ausgelassenes Familienfest, dann futtern sich die Ü-50 durch das riesige Angebot an Essen , und spätestens ab Mitternacht dominieren die Jungen und machen Party. Was oft genug heisst: Sie watscheln im Seemannsgang durch Zürich. Siehe auch Bier und Qual .

Q wie Qual Ja, manchmal ist das Züri-Fäscht nicht lustig. Etwa, wenn man in einer endlosen Schlange vor den WC steht. Oder wenn man gedacht hat, man habe eine halbe Stunde vor dem Feuerwerk den idealen Sitzplatz am Seeufer gefunden – und dann verdeckt ein Baum das Spektakel. Qualen litt auch der junge Mann, der am Sonntagmorgens um zwei neben seinem Mageninhalt am Strassenrand sass. Sein T-Shirt trug den Aufdruck: «Only death lasts forever».

R wie Roter Pfeil. Wie oft hat die Schreibende als Kind in der Modelleisenbahnanlage nur auf ihn gewartet! Am Samstag fuhr der Oldtimer am Züri-Fäscht. Doch der Versuch, mit dem Roten Pfeil zu fahren, wird zur Nervenprobe: Es dürfen nur 50 Passagiere pro Tür einsteigen. Und das setzen die Zugbegleiter gnadenlos durch. Da fällt schon mal das eine oder andere Schimpfwort im Gedränge vor den Türen. Gepflegtes Schlangestehen à la Churchill (so heisst der Zug) ginge anders.

S wie Sockel. Auf einem solchen steht Zwingli normalerweise. Fürs Züri-Fäscht wurde der Reformator heruntergehievt, jeder durfte mit ihm ein Selfie machen. Das taten erstaunlich viele. Seelsorger und Musiker Bruno Amatruda hängte der ehrwürdigen Statue gar kurzerhand eine Gitarre um, um zu zeigen: «Zwingli war nicht zwinglianisch, sondern hoch musikalisch. Aber er ertrug die falschen Gesänge der Pfarrer nicht.»

T wie Tschaikowsky. Was der Komponist wohl sagen würde, wenn er wüsste, dass sein berühmter «Schwanensee» als Begleitmusik für eine moderne Wasser-Laser-Show im Seebecken dient?

U wie Unwetter. Ist Petrus ein Freund des Züri-Fäschts? Man weiss es nicht genau. Sicher ist, am Samstag war er gnädig – ob Feuerwerk und Drohnenshow stattfinden würden, war noch am Morgen unklar. Doch Petrus schickte bloss eine Abkühlung am Nachmittag. Und löste die Party dann erst gegen fünf Uhr früh, also zum offiziellen Festschluss, mit einem heftigen Gewitter auf. Am Sonntag schien er dann aber genug zu haben, immer wieder ballten sich bedrohlich die Wolken am Himmel, Regen gab es aber kaum.

V wie Velos. Für sie wäre die Durchfahrt eigentlich gesperrt gewesen. Was aber manche nicht kümmerte. Eine Frau versuchte es gar mit einem Motorroller.

W wie WC. Hats immer zu wenig, egal wie viele davon aufgestellt wurden. Siehe auch Andrang .

X wie Xylofon. Haben wir zwar am Züri-Fäscht keins gesehen, aber es gab so viele internationale Musik, dass wir fast sicher sind, dass irgendwo irgendjemand eins benutzt hat.

Y wie Yeah! Neudeutsch für Oooh! Die beiden meistgehörten Ausrufe am Züri-Fäscht.

Z wie Züri-Fäscht 2022. Um es mit Fussballtrainer-Legende Sepp Herberger zu sagen: Nach dem Fest ist vor dem Fest.

Chnoblibrot, Bahnen, Zwingli: Die Highlights der Züri-Fäscht-Besucher. Video: saf

Erstellt: 07.07.2019, 20:57 Uhr

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