Freiraum oder Gärtnerparadies?

Am 10. Juni stimmen die Zürcher über ein Gartenareal in Altstetten ab. Befürworter schwärmen von einem Hotspot für Schrebergärtner, Gegner fürchten die Zerstörung der Natur.

So soll der Spazierweg im geplanten Gartenareal Dunkelhölzli in Altstetten aussehen, wenn die Stimmbürger Ja sagen. (Foto: Grün Stadt Zürich, Illustration: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH)

So soll der Spazierweg im geplanten Gartenareal Dunkelhölzli in Altstetten aussehen, wenn die Stimmbürger Ja sagen. (Foto: Grün Stadt Zürich, Illustration: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH)

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Das Dunkelhölzli-Areal ist eine der letzten grossen Grünflächen der Stadt Zürich. Seit Jahrzehnten ist es ein naturbelassenes Gebiet, das allen Bestrebungen, es zu überbauen, widerstanden hat. Geht es nach dem Willen der Stadt, sollen hier nun Familien- und Gemeinschaftsgärten entstehen. Die Meinungen dazu gehen allerdings stark auseinander.

Weshalb plant die Stadt hier ein Projekt?

Familiengärten sind bei Zürchern nach wie vor beliebt. Gleichzeitig verschwinden aber immer mehr Grünflächen in der Stadt. Schuld daran ist die städtische Entwicklung. Diesem Verlust will die Stadt entgegenwirken. Aus ihrer Sicht eignet sich das insgesamt 6,6 Hektaren grosse Gebiet im Dunkelhölzli als guter Standort für ein neues Gartenareal. Darüber hinaus dient das Areal auch als Ersatz für die Familiengärten auf dem Areal Bernerstrasse/Vulkan. Dort müssen teilweise Familiengärten aufgehoben werden, weil die ZSC Lions ein neues Eishockeystadion bauen.

Wo befindet sich das Dunkelhölzli?

Das Gebiet liegt am Rand von Zürich-Altstetten zwischen Dunkelhölzlistrasse und Salzweg, eingebettet zwischen dem Friedhof Eichbühl, dem Siedlungsrand mit Römerhügel samt einem Naturschutzgebiet mit Biotop. Darauf befindet sich ein ehemaliges Gärtnerhaus mit Wirtschaftsgebäude.

Das Dunkelhölzli-Areal in der Übersicht: Das geplante Gemeinschaftsgebäude fällt weg. (Quelle: Stadt Zürich, Grafik: mrue, san)

Was konkret ist auf dem Dunkelhölzli geplant?

Die Stadt will hier die grösste Anbaufläche für Hobbygärtner in Zürich einrichten. Im Dunkelhölzli soll ab 2020/21 ein Gartenareal mit diversen Nutzungsformen wie Gemeinschaftsgärten, klassische Familiengärten und Gemüsefelder entstehen. Kostenpunkt: 10,51 Millionen Franken.

Wofür werden 10,5 Millionen Franken ausgegeben?

Ursprünglich wollte der Stadtrat 12,8 Millionen Franken in die Umgestaltung und Sanierung des Dunkelhölzlis investieren. Der Gemeinderat stoppte das Vorhaben und kürzte die Vorlage auf 10,51 Millionen Franken. In der abgespeckten Variante wurde auf den Bau eines Gemeinschaftsgebäudes verzichtet. In der Summe enthalten sind auch eine Bachneugestaltung, der Hochwasserschutz, archäologische Arbeiten sowie die Erneuerung des Wirtschaftsgebäudes. Der Gemeinderat verabschiedete das Bauvorhaben mit 78:40 Stimmen. Doch die FDP ergriff das Behördenreferendum. Deshalb kommt die Vorlage am 10. Juni vor das Stimmvolk.

Was hat es mit den archäologischen Funden auf sich?

Das Dunkelhölzli ist ein Gebiet mit bewegter Vergangenheit. Bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren wurden dort erste Gebäudereste eines Gutshofs aus der Römerzeit gefunden. 2016 gruben städtische Archäologen das Areal erneut um und fanden weitere Relikte. Die Ausgrabungsarbeiten wurden im Mai vergangenen Jahres beendet.

Wer ist für die Nutzung zuständig?

Die Stadt Zürich setzt sowohl bei den Familien- als auch den Gemeinschaftsgärten die Nutzungsbedingungen mittels Pachtverträgen mit den Trägervereinen fest. Die Felder für die Familiengärten sind in Einzelparzellen unterteilt, die jeweils über ein Gartenhäuschen verfügen können. Die Infrastruktur in den Gemeinschaftsgärten wird gemeinsam genutzt.

Wer ist dafür und warum?

Die folgenden Parteien sagen Ja: SP, Grüne, GLP, CVP, EVP, AL. Dank einer landschaftlich attraktiven Bachöffnung bietet das Dunkelhölzli genügend Platz für ein öffentlich zugängliches, parkartiges Naherholungsgebiet, finden die Befürworter. Für sie wird das Areal dank der Umgestaltung zu einem attraktiven Treffpunkt für alle –Quartierbewohner, Gartenfreunde sowie Erholungssuchende. Und die Familiengärten, die durch den Bau des Eishockeystadions vom Vulkanareal vertrieben werden, finden eine neue Heimat.

Wer sind die Gegner und was sagen sie?

FDP und SVP sagen Nein. Unterstützt werden sie von Vertretern aus dem Quartier, dem Bauernverband und dem Naturschutz sowie von einem überparteilichen Nein-Komitee. Sie alle wollen das Dunkelhölzli weder umgestalten noch überbauen. Nach ihrer Meinung braucht es grosse Landschaftsveränderungen, die einen Hochwasserschutz bedingen. Vielmehr wollen sie es als Naturgebiet erhalten und schützen. Nicht zuletzt soll die Abstimmung eine Signalwirkung an die Stadt haben, behutsam mit den letzten Grünflächen umzugehen.

So sieht es heute im Dunkelhölzli aus, das neue Schrebergartenareal ist lila markiert.

Wie reagiert die Quartierbevölkerung?

Viele Quartierbewohner lehnen das Projekt ab, was ein städtischer Informationsabend mit Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) gezeigt hat. Ein Grossteil der Altstetter bangt um eines der letzten intakten Naturparadiese und befürchtet, im Dunkelhölzli könnte ein «Vergnügungspark» entstehen, der viel Trubel und Verkehr – besonders an Wochenenden – mit sich bringen könnte. Zudem gibt es nach wie vor offene Fragen zur Verkehrserschliessung und Parkierungsmöglichkeiten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.05.2018, 10:44 Uhr

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